Steuerreform: SPD und CDU verhandeln über 10-Milliarden-Entlastung
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Diskussion um die geplante Reform der Einkommensteuer deutet sich Bewegung innerhalb der Regierungskoalition an. Die SPD-Bundestagsfraktion zeigt sich bereit, über über das bisher geplante Maß hinausgehende Entlastungen für die Bürger zu verhandeln.
Wie aus Berichten vom 11. und 12. September 2026 hervorgeht, knüpfen die SPD-Finanzsprecherin Frauke Heiligenstadt und der Haushaltspolitiker Thorsten Rudolph eine Ausweitung der Steuererleichterungen jedoch an eine solide Gegenfinanzierung.
Finanzierungsvorschläge und strukturelle Anpassungen
Um Spielräume für zusätzliche Entlastungen zu schaffen, bringen Heiligenstadt und Rudolph verschiedene fiskalische Maßnahmen ins Gespräch. Dazu gehören die Anhebung des Spitzensteuersatzes für sehr hohe Einkommen sowie Reformen bei der Erbschaft- und Vermögensteuer. Zudem plädieren die SPD-Politiker für den Abbau klimaschädlicher Subventionen, die sich derzeit auf insgesamt 78 Milliarden Euro jährlich belaufen sollen.
Ein weiterer Punkt in der Finanzierungsdebatte betrifft die Sozialsysteme. Thorsten Rudolph bezeichnete den Vorschlag des CDA-Vorsitzenden Dennis Radtke (CDU), auf die geplante Ausweitung der Mütterrente zu verzichten, als sinnvoll.
Laut vorliegenden Daten würde der Verzicht auf die dritte Stufe der Mütterrente rund 5 Milliarden Euro einsparen. Radtke selbst hatte bereits in einem Bericht vom 10. September 2026 gefordert, sowohl Bürger als auch Unternehmen stärker zu entlasten und dafür Subventionen abzubauen.
Widerstand innerhalb der Unionsfraktion
Trotz der vorsichtigen Annäherung zwischen Teilen der SPD und Arbeitnehmervertretern der CDU wächst der Widerstand in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen den vorliegenden Reformwurf. Mehrere Abgeordnete fordern einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression für das Jahr 2027. Berichten vom 10. September 2026 zufolge erwägen rund 20 Unionsabgeordnete, der Reform in ihrer jetzigen Form die Zustimmung zu verweigern.
Der CDU-Abgeordnete Bosbach mahnte ebenfalls einen lückenlosen Ausgleich der inflationsbedingten Mehrbelastung an. CSU-Finanzpolitiker Dorn kritisierte die Pläne als unzureichend, während der Abgeordnete Gutting seine Unterstützung unter den aktuellen Bedingungen ablehnte. Ein Kommentar auf finanznachrichten.de gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass Forderungen nach höheren Entlastungen ohne konkrete Einsparvorschläge wenig belastbar seien.
Der Kabinettsentwurf sieht rund 10 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr vor, voll wirksam ab 2028. Ob davon real etwas bei Ihnen ankommt, hängt an der kalten Progression — Ökonomen rechnen mit einer Mehrbelastung statt einer Entlastung. Unser kostenloser Report ordnet die Eckwerte ein. Jetzt kostenlosen Steuer-Report anfordern
Die Eckwerte des Kabinettsentwurfs
Der am 1. September 2026 von Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) vorgelegte Kabinettsbeschluss sieht ein Entlastungsvolumen von rund 10 Milliarden Euro pro Jahr vor, das ab 2028 voll wirksam werden soll. Das Paket umfasst unter anderem folgende Anpassungen:
- Grundfreibetrag: Anhebung auf 12.564 Euro im Jahr 2027 und weiter auf 12.900 Euro im Jahr 2028.
- Kindergeld: Erhöhung von aktuell 259 Euro auf 267 Euro beziehungsweise 272 Euro in den Folgeschritten.
- Werbungskostenpauschale: Anhebung des Pauschbetrags von 1.230 Euro auf 1.430 Euro.
- Steuersätze: Der Reichensteuersatz von 45 Prozent soll ab einem Einkommen von 250.000 Euro greifen; zudem ist ein neuer Höchstsatz von 47 Prozent ab 280.000 Euro vorgesehen.
Zusätzliche Einnahmen für den Haushalt erwartet die Bundesregierung durch eine ab 2027 geplante Zuckersteuer. Laut Finanzkommission Gesundheit soll diese im ersten Jahr rund 650 Millionen Euro und in den Folgejahren etwa 450 Millionen Euro jährlich einbringen.
Kritik von Wirtschaftsforschung und Verbänden
Ökonomen bewerten das Paket kritisch. Mark Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezeichnete die Pläne faktisch als Steuererhöhung, da von den 10 Milliarden Euro Entlastungsvolumen bereits 9.8 Milliarden Euro allein für den Inflationsausgleich benötigt würden.
Andreas Peichl vom ifo Institut sprach von einer bloßen Rückgabe statt einer echten Entlastung. Berechnungen von Stefan Bach vom DIW deuten darauf hin, dass trotz einer nominalen Entlastung von 7 Milliarden Euro durch die kalte Progression eine reale Mehrbelastung von 8,3 Milliarden Euro entstehen könnte.
Rund 20 Unionsabgeordnete erwägen, dem Reformwurf die Zustimmung zu verweigern, und fordern einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression. Ob die geplanten Freibeträge und Steuersätze in dieser Form kommen, ist offen. Unser Report zeigt, welche Szenarien für Ihre Steuerlast 2026 denkbar sind. Steuer-Report jetzt sichern
Zudem protestierten zehn Wirtschaftsverbände, darunter der Zentralverband des Handwerks, der DIHK und der HDE, in einem Brandbrief vom 11. September 2026 gegen die Pläne. Sie kritisieren insbesondere die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf bis zu 47 Prozent.
Da 76 Prozent der mittelständischen Unternehmen als Personenunternehmen organisiert sind und somit der Einkommensteuer unterliegen, befürchten die Verbände eine übermäßige Belastung des Mittelstands, während gleichzeitig die Körperschaftsteuer für Kapitalgesellschaften gesenkt werde. Inklusive des Solidaritätszuschlags würde die steuerliche Belastung für viele Betriebe auf rund 50 Prozent steigen.
