Statine, Studie

Statine ab 75: Studie findet keinen signifikanten Unterschied bei Herzereignissen

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach drei Jahren zeigten sich bei schweren Herzereignissen keine signifikanten Gruppenunterschiede; LDL stieg nach dem Absetzen um 50 Prozent.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Behandlungsraum in einer modernen Klinik mit einer leeren Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Laut einem Bericht vom 18. Oktober 2026 legt eine im Fachjournal The Lancet Healthy Longevity veröffentlichte Studie nahe, dass Personen ab einem Alter von 75 Jahren ohne vorangegangene Herz-Kreislauf-Erkrankungen ihre Statin-Therapie möglicherweise sicher beenden können.

Für die Untersuchung wurden über 1.000 französische Erwachsene dieser Altersgruppe nach dem Zufallsprinzip aufgeteilt: Eine Gruppe setzte die Behandlung mit den Cholesterinsenkern fort, während die andere Gruppe das Medikament absetzte.

Kaum Unterschiede bei schweren Herzereignissen trotz Cholesterinanstiegs

Die Resultate nach einer dreijährigen Nachbeobachtungszeit zeichnen ein differenziertes Bild der Behandlungsstrategien. In der Gruppe, die das Statin abgesetzt hatte, fiel die Sterblichkeitsrate im Vergleich zu jenen Patienten, die das Präparat weiterhin einnahmen, nur geringfügig höher aus.

Bei schweren kardiovaskulären Ereignissen konnten die Studienautoren über die drei Jahre hinweg keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen feststellen.

Gleichzeitig führte das Absetzen der Medikation zu einer messbaren Veränderung des Blutfettprofils. Bei den Teilnehmern, die auf die Statine verzichteten, zeigte sich ein Anstieg des LDL-Cholesterins um 50 Prozent gegenüber den Ausgangswerten.

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Fachkreise mahnen zur Vorsicht bei pauschalen Empfehlungen

Trotz der beobachteten Stabilität bei schweren Herzereignissen sprechen sich die Autoren der Veröffentlichung in The Lancet Healthy Longevity gegen verfrühte Verallgemeinerungen aus. Sie warnen ausdrücklich davor, aus diesen Ergebnissen pauschale Empfehlungen für das Beenden einer Statin-Behandlung bei Menschen ab 75 Jahren abzuleiten.

Auch Fachleute mahnen zur Zurückhaltung bei der praktischen Anwendung der Studienergebnisse. Als wesentliche Einschränkungen werden die mit über 1.000 Personen vergleichsweise kleine Stichprobengröße und das relativ kurze Nachbeobachtungsfenster von drei Jahren angeführt.

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Um abschätzen zu können, wie sich ein Absetzen der lipidsenkenden Therapie über längere Zeiträume auf die Gefäßgesundheit älterer Menschen in der Primärprävention auswirkt, seien weitere Erkenntnisse erforderlich.

Bedeutung der Lipidwerte in der kardiovaskulären Prävention

Dass die Regulierung von Blutfettwerten ein zentrales medizinisches Handlungsfeld bleibt, verdeutlicht parallel dazu eine im European Heart Journal erschienene Forschungsarbeit der Chalmers University of Technology unter der Leitung von Clemens Wittenbecher und Erstautor Jakub Morze. Das Team untersuchte anhand von Blutproben von rund 35.000 Teilnehmern der UK Biobank ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen fast 3.000 zirkulierende Proteine.

Die Analysen zeigten, dass triglyceridreiche Lipoproteine und Lipoprotein(a) überlappende Proteinmuster sowie entzündliche und gefäßbezogene Effekte aufwiesen. Das LDL-Muster war demgegenüber primär mit Prozessen der Cholesterinablagerung verknüpft. Aus Sicht der Forscher bleibt die gezielte Senkung des LDL-Cholesterinspiegels damit weiterhin ein unverzichtbarer Eckpfeiler in der Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen.

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