Start-ups, Künstliche Intelligenz

Start-ups: KI und Rüstung bescheren Deutschland Rekord bei Unicorns

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 13:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschland verzeichnet so viele neue Milliarden-Start-ups wie seit 2021 nicht mehr. Besonders KI und Rüstung treiben den Boom, während beim Wagniskapital im internationalen Vergleich große Lücken bleiben.

  • Die deutsche Start-up-Branche wächst, aber es mangelt an Wagniskapital. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
    Die deutsche Start-up-Branche wächst, aber es mangelt an Wagniskapital. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Verena Pausder, Chefin des Startup-Verbands, sieht Erfolge, dringt aber auf bessere Rahmenbedingungen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
    Verena Pausder, Chefin des Startup-Verbands, sieht Erfolge, dringt aber auf bessere Rahmenbedingungen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Unbemannter Kampfjet CA-1 Europa: Junge Rüstungsfirmen wie Helsing bekommen viel Geld von Investoren (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
    Unbemannter Kampfjet CA-1 Europa: Junge Rüstungsfirmen wie Helsing bekommen viel Geld von Investoren (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
Die deutsche Start-up-Branche wächst, aber es mangelt an Wagniskapital. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa Verena Pausder, Chefin des Startup-Verbands, sieht Erfolge, dringt aber auf bessere Rahmenbedingungen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa Unbemannter Kampfjet CA-1 Europa: Junge Rüstungsfirmen wie Helsing bekommen viel Geld von Investoren (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa

Deutschland hat bis Ende September zehn neue Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro hervorgebracht und damit einen Rekord von 39 sogenannten Unicorns erreicht.

Mehr Wagniskapital als im Vorjahr

Die Zahlen stammen aus dem Deutschen Startup Monitor, den der Startup-Verband in Berlin vorgestellt hat. Demnach sammelten deutsche Start-ups bis Ende September rund acht Milliarden Euro Wagniskapital ein – mehr als im gesamten Vorjahr mit etwa 7,5 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr hält der Verband rund zwölf Milliarden Euro für möglich. Das wäre das höchste Volumen seit dem Boomjahr 2021. Zudem wurden fast 3.000 Neugründungen registriert.

KI und Rüstung als Wachstumstreiber

Zu den neuen Milliarden-Start-ups zählen unter anderem die Softwarefirma Osapiens, Neura Robotics und der Rüstungsanbieter Stark Defense. Bereits bekannte deutsche Unicorns sind der Online-Broker Trade Republic, die Smartphonebank N26 und die Softwarefirma Personio.

Die Branche profitiert laut Bericht von höheren Investitionen in die Verteidigungsindustrie. Dazu gehören die Drohnenhersteller Quantum Systems und Helsing. Gleichzeitig ist Künstliche Intelligenz für 53 Prozent der befragten Start-ups zentraler Bestandteil des Produkts; 2024 waren es 39 Prozent.

Kapital konzentriert sich an der Spitze

Der Aufschwung verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig. Die Zahl der Finanzierungsrunden liegt dem Bericht zufolge rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021. 89 Prozent der Gründer fordern deshalb mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa.

Als strukturelle Schwäche gilt der Mangel an großen Investoren. Versicherungen und Stiftungen investieren wegen strenger Anlagevorschriften bislang vergleichsweise wenig in Wagniskapital. Eine Initiative von Bundesregierung und KfW soll bis 2030 rund 25 Milliarden Euro von Großanlegern mobilisieren, kommt aber nur langsam voran.

USA dominieren bei KI-Kapital

Beim KI-Kapital fällt der Abstand besonders deutlich aus: In den USA flossen 2026 laut Startup Monitor bislang fast 308 Milliarden Euro in den Sektor, in Europa gut 27 Milliarden Euro. 62 Prozent der deutschen Start-ups bevorzugen für einen möglichen Börsengang die USA, nur 27 Prozent Deutschland.

Bei digitalen Technologien setzen 64 Prozent der Unternehmen überwiegend oder vollständig auf Anbieter aus den Vereinigten Staaten. Einen Wegzug ziehen bislang allerdings 61 Prozent der Gründer nicht in Betracht.

Forschung als deutsche Stärke

Stärken sieht der Verband in der Verbindung von Start-ups und Hochschulen. 51 Prozent der Unternehmen werden demnach von Forschungseinrichtungen unterstützt, bei 59 Prozent beruht das Produkt auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Der Fachkräftemangel wird zugleich seltener als große Hürde genannt als vor zwei Jahren. 15 Prozent sehen darin ein erhebliches Problem, nach 30 Prozent im Jahr 2024. 83 Prozent planen innerhalb der kommenden zwölf Monate Neueinstellungen.

Rekord mit Konzentration auf wenige Unternehmen

Die Zahlen markieren eine Erholung der deutschen Gründerszene nach den schwierigeren Finanzierungsjahren. Acht Milliarden Euro Wagniskapital bis Ende September und bis zu zwölf Milliarden Euro im Gesamtjahr würden zwar an das Niveau des Boomjahres 2021 heranreichen. Zugleich liegt die Zahl der Finanzierungsrunden in der Breite deutlich darunter. Das spricht für eine stärkere Konzentration großer Investitionen auf etablierte oder besonders wachstumsstarke Firmen.

KI und Verteidigung verschieben Prioritäten

Der Anstieg des KI-Anteils auf 53 Prozent zeigt, wie stark junge Unternehmen ihre Geschäftsmodelle an einer Schlüsseltechnologie ausrichten. In der Verteidigung wirkt zusätzlich der sicherheitspolitische Druck als Investitionsbeschleuniger: Drohnen, Robotik, Sensorik und Software gelten als Felder, in denen kurze Entwicklungszyklen und öffentliche Nachfrage zusammenkommen. Für den Standort entsteht daraus eine Chance, technologische Forschung schneller in marktfähige Anwendungen zu überführen.

Europäisches Kapital bleibt der Engpass

Entscheidend ist, ob aus einzelnen Milliardenunternehmen dauerhaft globale Anbieter werden. Dafür fehlen in Europa häufig sehr große Anschlussfinanzierungen sowie attraktive Börsenplätze und Abnehmer. Die Präferenz vieler Gründer für einen US-Börsengang verweist auf dieses strukturelle Problem. Forschungseinrichtungen und öffentliche Programme können die frühe Phase stärken; für die internationale Skalierung braucht es zusätzlich mehr institutionelles Kapital aus Deutschland und Europa.

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