Start-ups, Künstliche Intelligenz

Start-ups in Deutschland: KI und Rüstung treiben Unicorn-Rekord

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschland verzeichnet so viele Milliarden-Start-ups wie nie zuvor. Getrieben wird die Entwicklung vor allem von Künstlicher Intelligenz und Rüstung – beim Kapital und beim geplanten Börsengang bleibt der Standort jedoch stark vom Ausland abhängig.

  • Die deutsche Start-up-Branche wächst, aber es mangelt an Wagniskapital. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
    Die deutsche Start-up-Branche wächst, aber es mangelt an Wagniskapital. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Verena Pausder, Chefin des Startup-Verbands, sieht Erfolge - dringt aber auf bessere Rahmenbedingungen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
    Verena Pausder, Chefin des Startup-Verbands, sieht Erfolge - dringt aber auf bessere Rahmenbedingungen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
Die deutsche Start-up-Branche wächst, aber es mangelt an Wagniskapital. (Archivbild) - Bild: Oliver Berg/dpa Verena Pausder, Chefin des Startup-Verbands, sieht Erfolge - dringt aber auf bessere Rahmenbedingungen. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa

Der Boom um Künstliche Intelligenz und Rüstung hat die Zahl der Milliarden-Start-ups in Deutschland bis Ende September 2026 auf einen Rekordwert von 39 steigen lassen.

Mehr Wagniskapital als im gesamten Vorjahr

Nach dem Deutschen Startup Monitor flossen in diesem Jahr bereits rund acht Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups. Damit wurde das Volumen des gesamten Vorjahres von etwa 7,5 Milliarden Euro übertroffen.

Der Startup-Verband will die Datenanalyse und die Befragung von mehr als 1.800 Wachstumsfirmen in Berlin vorstellen. Seit 2013 untersucht der Bericht die Entwicklung der deutschen Gründerbranche.

Zehn neue Unicorns im laufenden Jahr

Bis Ende September kamen zehn neue Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro hinzu – so viele wie seit 2021 nicht mehr. Zu den deutschen Unicorns zählen unter anderem Trade Republic, N26 und Personio.

Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr nach Angaben des Berichts unter anderem die Softwarefirma Osapiens, das Robotikunternehmen Neura Robotics und die Rüstungsfirma Stark Defense. Verbandschefin Verena Pausder erklärte: „Deutschland gründet wieder - in der Breite und auf einer starken technologischen Basis“.

KI und Verteidigung als Wachstumstreiber

Besonders stark profitieren Start-ups aus den Bereichen Verteidigung und Künstliche Intelligenz. Rüstungsunternehmen wie Quantum Systems und Helsing warben hohe Investitionen ein. Zugleich steht bei 53 Prozent der befragten Start-ups KI im Zentrum des Produkts; 2024 waren es 39 Prozent.

Der Bericht beschreibt außerdem, dass KI Gründungen erleichtert. In der Breite bleibt die Finanzierung jedoch hinter früheren Spitzenwerten zurück: Die Zahl der Finanzierungsrunden liegt demnach rund ein Viertel unter dem Niveau von 2021.

USA bei Börsenplänen deutlich beliebter

89 Prozent der Gründer verlangen mehr Wagniskapital aus Deutschland und Europa. Nach Darstellung des Verbands reicht das verfügbare Kapital derzeit nicht aus, um Unternehmen an die Weltspitze zu führen.

Für einen möglichen Börsengang bevorzugen 62 Prozent der Start-ups die USA, während nur 27 Prozent Deutschland nennen. Bei digitalen Technologien setzen 64 Prozent überwiegend oder vollständig auf US-Anbieter, auch weil europäische Alternativen fehlen.

Hochschulen bleiben wichtige Grundlage

Die Bundesregierung müsse ihre Start-up-Strategie umsetzen und Finanzierungen erleichtern, forderte Pausder. Zudem solle die geplante Rechtsform EU Inc. Gründungen in der Europäischen Union vereinfachen.

Als Stärke gilt die Verbindung zur Forschung: 51 Prozent der Start-ups werden von Forschungseinrichtungen unterstützt, bei 59 Prozent beruht das Produkt auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Fachkräftemangel wird zugleich seltener als großes Hindernis genannt. 15 Prozent sehen darin eine große Hürde, vor zwei Jahren waren es noch 30 Prozent; 83 Prozent planen Neueinstellungen binnen zwölf Monaten.

Mehr Kapital, aber ungleich verteilt

Der Rekord bei den Milliarden-Start-ups steht für eine stärkere Konzentration auf wenige wachstumsstarke Unternehmen. Dass zugleich weniger Finanzierungsrunden als 2021 zustande kommen, deutet auf eine selektivere Investorenlandschaft hin: Große Beträge fließen vor allem in Geschäftsmodelle, denen hohe Skalierbarkeit oder strategische Bedeutung zugetraut wird.

Die Entwicklung bei KI und Rüstung folgt dabei unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Trends. KI-Anwendungen versprechen Produktivitätsgewinne und neue Märkte, während steigende Verteidigungsausgaben die Nachfrage nach Drohnen, Sensorik, Software und weiteren sicherheitsrelevanten Technologien stärken. Für Deutschland eröffnet das Chancen, Forschung schneller in Unternehmen zu überführen und industrielle Kompetenzen mit digitalem Know-how zu verbinden.

Standortfrage entscheidet über den nächsten Schritt

Der entscheidende Engpass liegt nach den Angaben des Verbands weniger bei Gründungen als beim Wachstum. Wenn Unternehmen für große Finanzierungsrunden oder einen Börsengang überwiegend in die USA ausweichen, entstehen Wertschöpfung, Eigentum und wichtige Kapitalmarkterfahrungen teilweise außerhalb Europas. Das kann langfristig die technologische Souveränität und die Ansiedlung weiterer Arbeitsplätze beeinflussen.

Für Gründer, Beschäftigte und Anleger ist deshalb relevant, ob Deutschland und die EU aus dem Rekord mehr als eine Momentaufnahme machen. Entscheidend sind größere europäische Fonds, schnellere Verfahren, verlässliche öffentliche Nachfrage und ein einheitlicher Rechtsrahmen. Die starke Verbindung zu Hochschulen bietet dafür eine Grundlage; sie muss sich jedoch häufiger in marktfähigen Unternehmen und internationalem Wachstum niederschlagen.

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