Stablecoins: USA und Großbritannien einigen sich auf 1:1-Deckung
Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Regierungen der USA und Großbritanniens haben sich auf eine gemeinsame Strategie zur Regulierung von Stablecoins und tokenisierten Vermögenswerten geeinigt. Ein am 14. Juli veröffentlichter Zehn-Punkte-Plan soll grenzüberschreitende Zahlungen erleichtern und die Zusammenarbeit der Finanzaufsichtsbehörden stärken.
Transatlantische Taskforce legt Grundlagen
Der Fahrplan, den US-Finanzminister Bessent und der britische Schatzkanzler Reeves gemeinsam vorstellten, definiert eine geteilte Vision für die Aufsicht über digitale Märkte. Kern der Vereinbarung: Stablecoins müssen vollständig durch Bargeld und hochliquide Vermögenswerte im Verhältnis 1:1 gedeckt sein. Stablecoin-Inhaber sollen zudem ein Vorzugsrecht im Falle einer Insolvenz des Emittenten erhalten.
Die Transatlantic Taskforce (TTMF), die im September 2025 gegründet wurde, erarbeitete fünf konkrete Empfehlungen für digitale Vermögenswerte. Dazu gehört die Anerkennung von Stablecoins in einem sogenannten „Multi-Währungs-Ökosystem" sowie die Förderung gemeinsamer Regulierungsansätze. Der Fahrplan schafft zwar keine neuen Gesetze oder gegenseitige Lizenzanerkennungen, gibt aber den bestehenden Aufsichtsbehörden – darunter der Bank of England, der Finanzaufsicht FCA, der US-Börsenaufsicht SEC und der US-Rohstoffaufsicht CFTC – eine gemeinsame Richtung vor.
Tokenisierung und Kapitalmarktintegration
Über Stablecoins hinaus sieht der Plan eine private Arbeitsgruppe vor, die ein Jahr lang grenzüberschreitende Tokenisierungs-Tests durchführen soll. Ziel ist es zu erkunden, wie tokenisierte Vermögenswerte für Abwicklung, Kapitalmärkte und Besicherung genutzt werden können.
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Bereits am 15. Juli kündigte Schatzkanzler Reeves an, dass britische Pilotprojekte für tokenisierte Einlagen in die Transaktionsphase übergehen. Zudem plant das Vereinigte Königreich die Ausgabe einer digitalen Staatsanleihe – die erste ihrer Art unter den G7-Staaten. Eine britische Studie schätzt, dass Tokenisierung bis 2035 rund 44 Milliarden Euro zur britischen Wirtschaft beitragen könnte.
Der gemeinsam Rahmen adressiert auch breitere Kapitalmarktreformen wie grenzüberschreitende Kapitalaufnahme, Rechnungslegungsstandards und konsolidierte Handelsdaten. Die Regulierungsbehörden beider Länder sollen unter anderem die Endgültigkeit von Abwicklungen und die Eignung von Stablecoins als Sicherheiten koordinieren.
Gesetzgebungsfahrpläne laufen parallel
Die Abstimmungsbemühungen fallen mit bedeutenden gesetzgeberischen Entwicklungen in beiden Ländern zusammen. In den USA tritt der GENIUS Act, der am 18. Juli 2025 unterzeichnet wurde, voraussichtlich 2027 in Kraft. Das Gesetz schreibt 1:1-Reserven für Stablecoins, monatliche Offenlegungen und ein Zinsverbot für diese Vermögenswerte vor. Die US-Notenbank arbeitet an spezifischen Regeln vor der Umsetzung.
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In Großbritannien schlug die Regierung im April 2026 ein einheitliches Zahlungsrahmenwerk vor und holte im Mai 2026 Stellungnahmen der Industrie zur Tokenisierung im Großhandel ein. Ein umfassendes britisches Krypto-Regulierungsregime wird bis Oktober 2027 erwartet.
Obwohl der neue Fahrplan keine verbindlichen Vorschriften einführt, bewerten Marktteilnehmer ihn als bedeutenden Schritt für die transatlantische Zusammenarbeit. Beide Regierungen bekräftigten ihre Absicht, Stablecoins für verschiedene Finanzdienstleistungen zu ermöglichen – unter der Bedingung, dass regulierte Anbieter fairen, risikobasierten Zugang zur notwendigen Bank- und Finanzinfrastruktur erhalten.
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