Stablecoin-Lizenzpflicht, USA

Stablecoin-Lizenzpflicht: USA führen Bundesregeln ab Januar 2027 ein

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die US-Bankenaufsicht beschleunigt Charter-Verfahren für Digital-Asset-Firmen, lehnt aber Anträge ab und verschärft Vorgaben für Stablecoins.

OCC öffnet US-Bankenwesen für Krypto – Regeln und Hürden
Ein modernes Bürogebäude in einem Finanzviertel im warmen Licht der Abendsonne. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die US-Bankenaufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) verfolgt eine neue Strategie zur Integration von Digital-Asset-Unternehmen in das nationale Finanzsystem. Wie OCC-Comptroller Gould darlegte, strebt die Behörde an, den Rückgang bei Neubankgründungen umzukehren.

Digital-Asset-Firmen soll demnach ein klarer Weg zum nationalen Bankwesen geebnet werden. In den letzten 18 Monaten verzeichnete die Behörde insgesamt 40 sogenannte De-novo-Anträge. Um den Prozess effizienter zu gestalten, strebt das OCC Entscheidungen innerhalb eines Zeitraums von 120 Tagen an.

Beschleunigte Charter-Prüfungen und institutioneller Fokus

Im Rahmen dieses vereinfachten Charter-Prozesses erhielten bereits mehrere namhafte Unternehmen Genehmigungen. So bestätigten Berichte, dass auch Circle und BitGo entsprechende Verfahren durchliefen.

Das Ziel der Aufsichtsbehörde ist es, bis November 2026 endgültige Regeln für diesen Prozess festzulegen. Diese Entwicklung markiert eine deutliche Öffnung gegenüber Krypto-nativen Instituten, sofern sie die strengen regulatorischen Anforderungen erfüllen.

Ein prominentes Beispiel für diese Entwicklung ist Ripple. Das Unternehmen erhielt bereits im Dezember 2025 eine vorläufige bedingte Genehmigung für die Gründung der Ripple National Trust Bank. Der Fokus dieses Instituts liegt auf der Verwahrung und Abwicklung für institutionelle Kunden.

Bevor der Betrieb vollständig aufgenommen werden kann, muss Ripple noch spezifische Vorab-Eröffnungsanforderungen erfüllen. Der zugehörige Stablecoin RLUSD weist laut Marktberichten bereits eine Marktkapitalisierung von mehr als 2 Milliarden US-Dollar auf.

Anzeige

Während die US-Bankenaufsicht den Weg für Institutionen ebnet, rückt die begrenzte Verfügbarkeit digitaler Sachwerte immer stärker in den Fokus von Großanlegern. Dieser kostenlose Sonderreport beleuchtet die Hintergründe der institutionellen Bitcoin-Nachfrage und was dies für Privatanleger bedeutet. Was Notenbanken und Vermögensverwalter über Bitcoin längst wissen

Die World Liberty Trust Company und politische Debatten

Mitte August 2026 erteilte das OCC zudem der World Liberty Trust Company eine vorläufige bedingte Genehmigung als nationale Trust-Bank. Das Institut ist zur Ausgabe des Stablecoins USD1 berechtigt und muss ein Mindestkapital von 20 Millionen US-Dollar vorhalten.

Die Eigentümerstruktur des Unternehmens sorgt jedoch für politische Diskussionen. Während Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Sheikh Tahnoon nahestehen sollen, 49 Prozent an der WLTC Holdings halten, entfallen 38 Prozent auf eine Entität im Umfeld von Donald Trump.

Berichten zufolge flossen von einer Investitionssumme in Höhe von 500 Millionen US-Dollar im Januar 2025 bereits 263 Millionen US-Dollar an Trump-nahe Entitäten. Der Stablecoin USD1 erreicht eine Marktkapitalisierung von rund 4 Milliarden US-Dollar und generiert jährliche Zinserträge von etwa 150 Millionen US-Dollar.

Aufgrund der Beteiligungsverhältnisse forderten die Senatoren Warren und Kim eine Prüfung des Investments durch das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS).

Hürden und Ablehnungen für Fintech-Unternehmen

Trotz der angekündigten Offenheit unterstreichen jüngste Entscheidungen des OCC, dass die regulatorischen Hürden hoch bleiben. Im August 2026 lehnte die Behörde die Anträge auf nationale Bank-Charter für die bunq US Bank und Wise US Holdings ab.

Im Falle von bunq begründete die Aufsicht dies mit unzureichendem Kapital, fehlender Dokumentation und mangelnder Erfahrung im Management. Comptroller Gould betonte in diesem Zusammenhang, dass die Behörde zwar für Geschäfte offen stehe, die Standards für eine nationale Lizenz jedoch gewahrt bleiben müssten.

Anzeige

Angesichts der zunehmenden Integration digitaler Assets in das klassische Finanzsystem fragen sich viele Anleger, wie sie ihr eigenes Portfolio krisenfest aufstellen können. Erfahren Sie in diesem Leitfaden, wie Sie Bitcoin unkompliziert als Inflationsschutz nutzen und direkt über Ihr bestehendes Depot integrieren. 21 Millionen Bitcoin, ein begrenztes Angebot – so schützen Sie Ihr Depot

Neue Rahmenbedingungen durch SEC und GENIUS Act

Parallel zur Bankenaufsicht passt die Wertpapieraufsicht SEC ihre Regeln an. Am 25. August 2026 trat eine überarbeitete Krypto-Verwahrungsregel in die Prüfung durch das Office of Information and Regulatory Affairs (OIRA) ein.

Dieser Vorschlag soll den gescheiterten Ansatz aus dem Jahr 2023 ersetzen. Ein formeller Vorschlag wird für Oktober 2026 angestrebt, während die endgültige Umsetzung für 2027 erwartet wird. Unter der Leitung von Atkins wurde zudem das umstrittene Staff Accounting Bulletin (SAB) 121 aufgehoben.

Ergänzt werden diese Maßnahmen durch den GENIUS Act, der im Juli 2025 unterzeichnet wurde. Das US-Finanzministerium schlug am 21. August 2026 konkrete Lizenzregeln für Stablecoin-Emittenten vor. Ab dem 18. Januar 2027 benötigen Emittenten eine Bundes- oder Landeslizenz. Dienstleistern wird die Nutzung unlizenzierter Stablecoins ab Juli 2028 untersagt.

In diesem Umfeld prüft auch JPMorgan die Einführung eines öffentlichen Stablecoins. Das System Kinexys verarbeitet bereits heute ein tägliches tokenisiertes Volumen von 7 Milliarden US-Dollar. Der gesamte Stablecoin-Markt wird auf rund 316 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei Tether einen Anteil von 59 Prozent an der Marktkapitalisierung hält, während USDC 70 Prozent des Volumens abdeckt.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70026531 |