Spritpreisdeckel ab 2027: Bundesregierung plant dynamische Preisgrenze
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das die finanzielle Belastung durch hohe Kraftstoffpreise für Verbraucher und Unternehmen senken soll. Die Strategie stützt sich auf zwei Säulen: eine zeitlich befristete Senkung der Energiesteuer im vierten Quartal 2026 sowie die spätere Einführung eines gesetzlichen Spritpreisdeckels zum Jahreswechsel 2027.
Befristete Steuersenkung für Benzin und Diesel
Das Bundeskabinett sowie der Finanzausschuss haben die Weichen für eine Reduktion der Energiesteuer auf Benzin und Diesel gestellt. Demnach soll der Steuersatz im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 um 14,04 Cent pro Liter gesenkt werden.
Unter Berücksichtigung der daraus resultierenden geringeren Umsatzsteuer wird eine Entlastung von bis zu rund 17 Cent brutto pro Liter an den Zapfsäulen angestrebt. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern belaufe sich die rechnerische Ersparnis auf bis zu 8,50 Euro, sofern die Mineralölkonzerne die Senkung vollständig an die Endkunden weitergeben.
Die erwarteten Steuermindereinnahmen für diesen Zeitraum beziffert das Finanzministerium auf insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 2,485 Milliarden Euro auf die Energiesteuer und rund 293 Millionen Euro auf die Umsatzsteuer.
Die Bundesländer sollen sich zur Hälfte an diesen Ausfällen beteiligen, was einem Anteil von 1,25 Milliarden Euro entspricht. Während die Koalition und die AfD den Plänen zustimmten, äußerten Vertreter der Grünen und der Linken Kritik hinsichtlich der Sicherheit der Weitergabe dieser Vorteile an die Verbraucher.
Geplanter Spritpreisdeckel ab Januar 2027
Als langfristiges Instrument plant die Bundesregierung die Einführung eines dynamischen Spritpreisdeckels spätestens bis zum 1. Januar 2027. Laut Regierungssprecher Stefan Kornelius soll sich dieser Deckel an Beschaffungs- und Referenzpreisen orientieren. Das Wirtschaftsministerium arbeite derzeit an den gesetzlichen Voraussetzungen für eine nationale Lösung, wobei Modelle aus Belgien oder Luxemburg als Orientierung dienen könnten.
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Ökonomen betrachten diesen Eingriff in die Preisbildung jedoch mit Skepsis. Achim Wambach, Präsident des ZEW, warnte davor, einen solchen Deckel ohne überzeugende wissenschaftliche Evidenz einzuführen.
Untersuchungen des ZEW-DICE hätten gezeigt, dass regulatorische Eingriffe wie die seit April geltende 12-Uhr-Regel die Margen bei Benzin kurzfristig um etwa 5 bis 6 Cent pro Liter erhöht haben könnten.
Auch Fachleute des IMK wiesen darauf hin, dass die Raffineriemargen von Dezember 2025 bis August 2026 bei Benzin um etwa 14 Cent und bei Diesel um 30 Cent pro Liter gestiegen seien. Es bestehe die Sorge, dass ein Preisdeckel zum gemeinsamen Zielpreis der Anbieter werde und damit den Wettbewerb sowie die Versorgungssicherheit beeinträchtige.
Bewertung früherer Entlastungsmaßnahmen und Alternativen
Die Diskussion um den erneuten Tankrabatt wird durch Erfahrungen aus dem Frühjahr 2026 geprägt. Daten des ifo-Instituts belegen, dass bei einer ähnlichen Maßnahme im Mai 2026 durchschnittlich 16 Cent bei Super E5 und 12 Cent bei Diesel an die Verbraucher weitergegeben wurden. Das Kartellamt stellte fest, dass damals lediglich etwa 80 Prozent der Steuersenkung tatsächlich an den Zapfsäulen ankamen.
Parallel zu den steuerlichen Eingriffen werden Direkthilfen für besonders belastete Bevölkerungsgruppen geprüft. Diskutiert werden Einmalzahlungen in Höhe von 150 bis 300 Euro pro Kopf.
Neben dem geplanten Tankrabatt werden auch Direkthilfen für besonders belastete Haushalte diskutiert — nur ein Teil der Berechtigten wäre überhaupt erreichbar. Wer wissen will, welche Entlastung für Pendler und Familien realistisch ist und welche Alternativen es gibt, findet hier die Einordnung. Entlastungs-Check jetzt kostenlos sichern
Ein Hindernis stellt hierbei die technische Umsetzung dar: Zwar verfüge das Bundeszentralamt für Steuern über rund 85,9 Millionen Steuer-Identifikationsnummern, jedoch seien dort lediglich etwa 16 Millionen Kontoverbindungen für Direktauszahlungen hinterlegt.
Wirtschaftsforscher plädieren für solche gezielten Hilfen, da sie die Preisbildung am Markt unberührt lassen, während eine flächendeckende Wiederholung des Tankrabatts Schätzungen zufolge Kosten von etwa 10 Milliarden Euro verursachen könnte.
