Sporttraining: 12 Wochen verbessern die Stimmung, nicht das Gedächtnis
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 21:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen des King's College London liefern neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen körperlicher Betätigung und der mentalen Gesundheit bei Menschen in der Lebensmitte.
Wie aus einem Bericht vom 23. September 2026 hervorgeht, wirkt sich ein moderates, dreimonatiges Sporttraining positiv auf die psychische Verfassung aus, führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer sofort messbaren Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit.
Studiendesign und methodisches Vorgehen
Für die Untersuchung am King's College London wurden 52 gesunde Erwachsene im Alter zwischen 45 und 65 Jahren rekrutiert. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 55 Jahren. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: 27 Personen bildeten die Trainingsgruppe, während 25 Teilnehmer der Kontrollgruppe angehörten.
Das Interventionsprogramm erstreckte sich über einen Zeitraum von 12 Wochen. Die Teilnehmer der Sportgruppe absolvierten dreimal wöchentlich eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Die Motivation innerhalb der Gruppe wurde als hoch eingestuft, da laut den Studiendaten 86 Prozent der vorgesehenen Trainingseinheiten tatsächlich absolviert wurden.
Deutliche Verbesserung der Stimmungswerte
Ein zentrales Ergebnis der Analyse betrifft die psychische Verfassung der Probanden. Obwohl die Teilnehmer zu Beginn der Studie keine klinische Depression aufwiesen und lediglich minimale Ausgangswerte zeigten, konnten die Forscher signifikante Veränderungen feststellen. Zur Messung wurde der Fragebogen zu Patientengesundheit (PHQ-9) herangezogen, ein Standardinstrument zur Erfassung depressiver Symptome.
In der Trainingsgruppe gingen diese depressiven Symptome deutlich stärker zurück als in der Kontrollgruppe. Diese Beobachtung stützt die These, dass regelmäßige körperliche Aktivität bereits bei gesunden Personen im Alter um 50 Jahre einen präventiven oder stimmungsaufhellenden Effekt haben kann, unabhängig von einer therapeutischen Notwendigkeit.
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Ausbleibende Effekte auf das Gedächtnis
Im Gegensatz zur stimmungsaufhellenden Wirkung ließen sich im Bereich der Kognition keine unmittelbaren Fortschritte durch das Sportprogramm nachweisen. Die Wissenschaftler führten verschiedene Tests durch, darunter Prüfungen zur sogenannten Pattern Separation, einer Funktion, die primär im Hippocampus verortet wird.
Bei diesen sowie weiteren Gedächtnis- und Kognitionstests ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen der aktiven Gruppe und der Kontrollgruppe.
Auch auf biochemischer Ebene blieben einige erwartete Reaktionen aus. So war der neurotrophe Faktor BDNF (Brain-derived neurotrophic factor), der oft mit der Neubildung von Nervenzellen in Verbindung gebracht wird, durch das Training nicht messbar verändert.
Erkenntnisse aus der Laboranalyse und zeitliche Einordnung
Trotz der fehlenden unmittelbaren kognitiven Effekte bei den Probanden lieferten Laborversuche mit dem Blutserum der Teilnehmer interessante Ansätze für die weitere Forschung. In Zellkulturen senkte das Serum der Sportgruppe den Anteil von Ki67-markierten Hippocampus-Vorläuferzellen. Andere biologische Marker blieben hingegen unverändert.
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Das Forscherteam um den Erstautor Sahand Farmand und Professorin Sandrine Thuret ordnete die Ergebnisse in den Kontext der bestehenden Studienlage ein. Demnach könnten die 12 Wochen der aktuellen Untersuchung ein zu kurzer Zeitraum für strukturelle Veränderungen im Gehirn gewesen sein.
Frühere Studien hätten gezeigt, dass signifikante Veränderungen im Hippocampus sowie messbare Verbesserungen der Gedächtnisleistung teils erst nach einer kontinuierlichen sportlichen Belastung von 6 bis 12 Monaten eintreten. Die aktuelle Analyse legt somit nahe, dass die psychischen Vorteile des Sports schneller eintreten als die kognitiven Anpassungsprozesse.
