Speicherchip-Krise: Apple und Microsoft erhöhen Preise ab August
28.06.2026 - 00:42:17 | boerse-global.de
Hersteller warnen vor einer dauerhaften Verteuerung von Speicherchips.
Auf der ISC 2026 in Deutschland erklärten Lenovo-Verantwortliche, dass die aktuell hohen Preise für DRAM und NAND-Flash zur neuen Normalität geworden seien. Diese Entwicklung werde voraussichtlich bis zum Ende des Jahrzehnts anhalten. Ausgelöst wurde der Preisschub durch volatile Steigerungen ab Ende 2025, die die Komponentenkosten aus ihren historischen Spannen katapultierten.
Apple und Microsoft geben Kosten an Kunden weiter
Die Folgen der Speicherknappheit sind längst im Handel spürbar. Erst am 25. Juni 2026 zog Apple die Preise für das gesamte Produktportfolio an — von MacBooks über iPads bis hin zu HomePod und Apple TV. Analysten führen diese ungewöhnlichen Zwischenanpassungen auf die explodierenden Speicherkosten zurück. In manchen Mobilgeräten erreichen diese inzwischen Preisparität mit dem Rest der Materialkosten.
Auch Microsoft reagiert: Ab dem 1. August 2026 erhöht der Konzern die Preise für seine Xbox-Konsolen — zum dritten Mal innerhalb von 13 Monaten. Die Xbox Series X kostet dann 730 Euro, die Series S 455 Euro. Laut Microsoft sind die Speicherkosten bereits um das 2,5-fache gestiegen. Bis Herbst 2027 könnte sich dieser Wert erneut verdoppeln. Auch Sony und Nintendo haben Berichten zufolge ähnliche Preisanpassungen vorgenommen.
Fünf-Jahres-Verträge zementieren hohe Preise
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Der Markt für Speicherchips ist hochkonzentriert. Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren rund 90 Prozent der DRAM-Produktion. In einem Finanzbericht vom 24. Juni 2026 gab Micron bekannt, 16 strategische Kundenverträge abgeschlossen zu haben. Diese sogenannten Take-or-Pay-Verträge laufen von 2026 bis 2030 und enthalten Preisuntergrenzen, die dem Hersteller hohe Margen sichern.
Das Vertragsvolumen summiert sich auf umgerechnet rund 90 Milliarden Euro an Mindesteinnahmen. Micron verbuchte im dritten Geschäftsquartal (Ende Mai 2026) Rekordzahlen: 37,7 Milliarden Euro Umsatz und 25,7 Milliarden Euro Nettogewinn. Haupttreiber ist die Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory (HBM) für KI-Rechenzentren. Diese Komponenten binden einen Großteil der globalen Produktionskapazität und verdrängen die Versorgung für PCs und Mobilgeräte.
Engpässe trotz Ausbau — Entspannung frühestens 2028
Marktforscher von IDC rechnen damit, dass PC-Preise bis Ende 2026 um bis zu 17 Prozent steigen könnten. Die Kosten für DRAM und SSDs könnten im Vergleich zu 2025 um 130 Prozent zulegen. Zwar bauen die Hersteller ihre Kapazitäten aus, doch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bleibt vorerst riesig.
Die Preise für DRAM und SSDs sind um 130 Prozent gestiegen – und Experten erwarten keine Entspannung vor 2028. Erfahren Sie, welche drei Speicherchip-Aktien vom Boom profitieren und wie Sie Ihr Depot absichern. 3 Aktien-Tipps jetzt sichern
SK Hynix will seinen Fab-Ausbau beschleunigen und die Produktion nach 2030 verdreifachen. Microns neue Fabrik in Idaho wird frühestens Mitte 2027 erste Auslieferungen ermöglichen, nennenswerte Stückzahlen sind erst 2028 zu erwarten. IDC rechnet nicht vor 2028 mit einer Entspannung. Lenovo bleibt pessimistisch: Die Preise werden sich wohl nie wieder auf das Niveau von Anfang 2025 einpendeln.
Der ungebremste Ausbau der KI-Infrastruktur bleibt der Haupttreiber dieser Entwicklung. Solange Rechenzentren Hochleistungsspeicher priorisieren, müssen Hersteller von Unterhaltungselektronik mit knappen Ressourcen und hohen Kosten kalkulieren.
