Speicher-Kollaps: 8TB-SSD kostet jetzt 3.000 Euro statt 600
17.06.2026 - 18:43:43 | boerse-global.de
KI-Boom frisst die gesamte NAND-Flash-Produktion – Privatkunden bleiben auf der Strecke.
Der Markt für SSDs für Endverbraucher ist im ersten Halbjahr 2026 faktisch zusammengebrochen. Grund ist der gigantische Hunger der KI-Rechenzentren nach Speicherchips. Nelson Duann, Senior Vice President von Silicon Motion, erklärte auf der Computex 2026 in Taipeh, dass die Verfügbarkeit von Laufwerken für Privatkunden nahezu verschwunden sei.
Die Knappheit zwingt die gesamte Lieferkette zu drastischen Maßnahmen. Große PC-Hersteller wie Dell, Asus, HP, Acer und Lenovo bekommen von den Speicherherstellern kaum noch Roh-Chips. Sie kaufen deshalb fertige SSDs von Drittanbietern auf, um ihre Produktion am Laufen zu halten.
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Der KI-Hunger treibt die Preise
Haupttreiber der Krise ist die beispiellose Nachfrage der großen Cloud-Anbieter und KI-Infrastruktur-Betreiber. Sie schlucken riesige Mengen an Hochleistungs-Flash-Speicher für ihre KI-Datensätze. Die Folge: Die alten Preismodelle für Enterprise-SSDs sind Geschichte.
Der Umschwung begann laut Branchenkennern Ende 2025 und beschleunigte sich im ersten Halbjahr 2026 rasant. Die NAND-Hersteller konzentrieren sich auf margenstarke KI-Produkte. Die Lager, die früher für Gaming-PCs und den Einzelhandel reserviert waren, werden umgeleitet. Zwar ist die Nachfrage nach SSD-Controllern noch gesund – aber ohne Flash-Speicher nützen die besten Controller nichts.
Preise explodieren – 8TB-SSD kostet 3.000 Euro
Die Folgen für Verbraucher sind dramatisch. Die SSD-Preise im Einzelhandel haben sich mehr als verdoppelt. Manche PC-Hersteller haben die Preise für komplette Systeme um bis zu 40 Prozent angehoben. Auch DDR5-Arbeitsspeicher bleibt teuer – entgegen früherer Erwartungen.
Besonders sichtbar wird der Preisschock bei Speicher für Spielkonsolen. SanDisk hat am 17. Juni 2026 die Optimus GX Pro 850P vorgestellt – eine 8TB-SSD für die PlayStation 5. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 3.699 Euro, im Angebot kostet sie 2.960 Euro. Vor einem Jahr waren vergleichbare 8TB-Laufwerke für rund 600 Euro zu haben. Auch kleinere Kapazitäten sind betroffen: 1TB-Modelle kosten 380 Euro, 4TB-Varianten 1.500 Euro.
Die hohen Preise könnten die Hardware-Entwicklung beeinflussen. Brancheninsidern zufolge denkt Sony darüber nach, eine mögliche PlayStation-Nachfolgerin nur mit einer 1TB-Standard-SSD auszuliefern. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an neuronalen Textur-Komprimierungsverfahren, um Spiele kleiner zu machen.
Keine Besserung vor 2028 in Sicht
Die aktuellen Engpässe werden sich so schnell nicht lösen. Silicon Motion rechnet mit einer anhaltenden Knappheit bis mindestens Ende 2026. Die Prognosen der NAND-Lieferanten für 2027 fallen noch düsterer aus: Die Lage dürfte sich weiter verschärfen, weil die KI-Rechenzentren immer mehr Speicher brauchen.
Einige Analysten erwarten, dass die NAND-Knappheit bis 2028 andauern könnte. Die Technologieentwicklung schreitet trotzdem voran: Silicon Motion hat einen PCIe-6.0-Client-SSD-Controller für Ende 2027 angekündigt – auch auf Druck von Nvidia. Ob solche Hochleistungs-SSDs dann tatsächlich im Handel landen, hängt ganz davon ab, wann sich der Flash-Market wieder beruhigt.
