Sparquote, Verbraucher

Sparquote 20,13%: Deutsche sparen so viel wie nie zuvor

09.06.2026 - 10:41:17 | boerse-global.de

Deutsche Verbraucher zeigen sich laut BCG-Studie extrem preisbewusst. Die Sparquote erreicht Rekordniveau, Eigenmarken boomen und Nachhaltigkeit verliert an Bedeutung.

Deutsche Konsumflaute: Studie zeigt Rekord-Sparquote und Preisangst
Sparquote - Eine Hand legt ein unbeschriftetes Produkt in einen Einkaufswagen, umgeben von anderen günstigen Artikeln in einem Supermarktgang. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt: Die Konsumlaune ist auf einem Tiefpunkt.

Für die Untersuchung befragte BCG im April 2026 rund 20.000 Menschen in elf Ländern. Das Ergebnis: Deutsche Verbraucher sind deutlich pessimistischer und preisbewusster als ihre europäischen Nachbarn. 64 Prozent bewerten die wirtschaftliche Lage als schlecht – im EU-Schnitt sind es nur 56 Prozent.

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Inflation treibt die Sparquote auf Rekordniveau

Die größte Sorge der Deutschen: steigende Preise. 78 Prozent der 1.800 befragten Bundesbürger rechnen mit weiterer Teuerung. Das zeigt sich im Sparverhalten massiv.

Die Bruttosparquote der privaten Haushalte lag 2024 bei 20,13 Prozent – weit über dem Schnitt der Eurozone (15,31 Prozent) und der gesamten EU (14,45 Prozent). 40 Prozent der Deutschen geben an, zusätzliches Einkommen lieber zu sparen als auszugeben. Ein Spitzenwert im internationalen Vergleich.

Eigenmarken erobern den Markt – Hersteller verlieren

Die Preissensibilität verändert den Einzelhandel radikal. 55 Prozent der Deutschen greifen regelmäßig zu Eigenmarken – EU-weit sind es nur 39 Prozent. Der Marktanteil von Handelsmarken stieg von 41 Prozent (2021) auf 47 Prozent (2025).

Die Verlierer: 15 der 17 reichweitenstärksten Dachmarken verloren Käufer. Premium-Eigenmarken legten 2025 um 11 Prozent zu. Fast ein Drittel des gesamten Markenumsatzes wurde 2024 nur über Sonderangebote generiert. Bei Mode und Möbeln machen 74 Prozent der Befragten ihre Kaufentscheidung von Rabatten abhängig.

Nachhaltigkeit verliert an Bedeutung

Der Kostendruck verschiebt die Prioritäten. Nur noch 17 Prozent der Deutschen sind bereit, für nachhaltige Produkte einen Aufpreis zu zahlen. Anders sieht es beim Thema Gesundheit aus: 64 Prozent kochen häufiger frisch, 46 Prozent reduzieren ihren Alkoholkonsum.

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Auch bei Fixkosten wird gespart. Eine Umfrage von Verivox und Innofact von Ende April 2026 zeigt: 18 Prozent nutzen bereits ein kostenfreies Konto. Fast jeder Vierte zahlt über 100 Euro pro Jahr an Kontoführungsgebühren. Besonders betroffen: Kunden von Sparkassen (34 Prozent) und Genossenschaftsbanken (26 Prozent).

Urlaub wird zur Preisfrage

Die Sparneigung beeinflusst auch die Reiseplanung. Preisvergleiche des Statistischen Bundesamtes vom April 2026 zeigen enorme Unterschiede: In Nordmazedonien und Bulgarien liegen Hotel- und Restaurantpreise rund 50 Prozent unter dem deutschen Niveau. In Spanien zahlen Urlauber durchschnittlich 22 Prozent weniger.

Teuer wird es im Norden: In Island und der Schweiz müssen Reisende mit Aufschlägen von 49 Prozent rechnen. In Frankreich (minus 4 Prozent) und Österreich (plus 1 Prozent) ist das Preisniveau vergleichbar mit Deutschland.

Lohnplus reicht nicht – externe Schocks belasten

Trotz einer leichten Entspannung bei der Reallohnentwicklung bleibt der Druck hoch. Daten des Portals Indeed für April 2026 zeigen ein Lohnwachstum von 3,2 Prozent bei einer Inflation von 2,9 Prozent. Im gesamten Euroraum lag das Lohnplus mit 2,3 Prozent unter der Inflationsrate von 3,0 Prozent.

Experten machen die gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Konflikts und des Nahost-Krieges für die anhaltende Teuerung verantwortlich. Die Sparanstrengungen der Verbraucher dürften sich daher so schnell nicht legen.

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