Spätes Essen: OHSU-Analyse findet 20 bis 30 Prozent höheres Leberrisiko
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zeitpunkt von Mahlzeiten könnte eine bedeutendere Rolle für die Lebergesundheit spielen als bislang angenommen. Eine Analyse der Oregon Health & Science University (OHSU), die am 9. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlicht wurde, zeigt einen Zusammenhang zwischen späten Mahlzeiten und Leberproblemen.
Demnach wiesen Personen, die nach dem Abendessen oder nach ihrer üblichen Schlafenszeit aßen, ein um 20 bis 30 Prozent höheres relatives Risiko für sämtliche Formen von Lebererkrankungen auf. Dazu zählen insbesondere die metabolische Fettleber (MASLD) sowie Leberzirrhose.
Zirkadiane Rhythmen und Nährstoffverarbeitung
Für die Untersuchung wertete die OHSU die Daten von knapp 200.000 Menschen aus der Nurses' Health Study, der Nurses' Health Study II sowie der Health Professionals Follow-up Study aus. Laut dem Hepatologen und Studienleiter Dr. Robert Wilechansky handelt es sich um eine der ersten Langzeitanalysen, die den zeitlichen Faktor explizit mit Fettlebererkrankungen verknüpft.
Das Organ sei eng an zirkadiane Rhythmen gekoppelt. Daher könnte eine reine Anpassung der Essenszeiten die Lebergesundheit beeinflussen, selbst wenn sich die Zusammensetzung der Nahrung nicht ändert. Es könnte vorteilhaft sein, Kalorien mehrere Stunden vor dem Schlafen aufzunehmen.
Der an der Studie beteiligte Schlaf- und Chronobiologe Andrew McHill erklärte, dass eine Nahrungsaufnahme zu nächtlichen Zeiten den effizienten Nährstoffabbau hemme, da die innere Uhr zu diesem Zeitpunkt den Schlaf fördere. Dies könne Übergewicht, Diabetes und eine verschlechterte Lebergesundheit begünstigen.
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Der Zeitpunkt von Verhaltensweisen wie Schlafen, Essen und Bewegung sei entscheidend. Schichtarbeiter mit gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus seien demnach häufiger von Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen.
Verbreitung und Folgen chronischer Leberschäden
Lebererkrankungen stellen eine erhebliche Belastung für die öffentliche Gesundheit dar. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung in den USA sind von Fettlebererkrankungen betroffen. MASLD tritt häufig in Kombination mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes sowie Blutdruck- oder Cholesterinproblemen auf.
Zudem sterben nach US-Bundesdaten jährlich über 52.000 Menschen an chronischen Lebererkrankungen. Frühere Studien brachten bereits zuckergesüßte Getränke und ultraverarbeitete Lebensmittel mit einem erhöhten Risiko für Lebererkrankungen in Verbindung.
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Nur ein kleiner Teil der Betroffenen entwickelt schwere Formen wie eine Leberzirrhose. Typische Symptome dieser fortgeschrittenen Schädigung sind Müdigkeit, Appetitlosigkeit, eine verminderte Libido, Gelbsucht, Juckreiz sowie Übelkeit und Erbrechen.
Methodische Grenzen und weiterführende Studien
Die Autoren der OHSU weisen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie auf Grundlage selbstberichteter Daten handelt. Ein direkter Ursache-Wirkungs-Nachweis lässt sich daraus nicht ableiten. Zudem geht das absolute Erkrankungsrisiko nicht aus der Mitteilung zur Studie hervor. Die Ergebnisse zeigen folglich einen statistischen Zusammenhang, belegen jedoch nicht zwingend, dass nächtliches Essen Lebererkrankungen unmittelbar auslöst.
Um diese Zusammenhänge genauer zu überprüfen, rekrutiert das Forschungsteam der OHSU derzeit Teilnehmer für eine klinische Studie. Dabei soll untersucht werden, ob frühere Mahlzeiten die Gesundheitswerte bei Personen mit bestehender Fettleber verbessern können, ohne dass hierfür die Zusammensetzung der Ernährung verändert werden muss.
Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „Fettleber durch spätes Essen: Studie belegt 36 Prozent höheres Risiko“
