Spätes Essen: Langzeitstudie verknüpft Mahlzeiten mit 36 % mehr Fettleberrisiko
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 14:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Fachjournal Clinical Gastroenterology and Hepatology veröffentlichte Untersuchung weist auf einen Zusammenhang zwischen späten Mahlzeiten und Lebererkrankungen hin.
Forschende der Oregon Health & Science University (OHSU) und des Massachusetts General Hospital stellten in einer am 29. September 2026 vorgelegten Studie fest, dass regelmäßiges Essen nach dem Abendessen oder nach dem Zubettgehen mit einem um 20 bis 30 % höheren Risiko für die Entstehung einer metabolischen Fettlebererkrankung (MASLD) sowie für Leberzirrhose einhergeht.
Langzeitdaten aus großen Kohortenstudien
Die Untersuchung stützt sich auf einen umfangreichen Datensatz von 199.155 Personen, die an der Nurses' Health Study, der Nurses' Health Study II sowie der Health Professionals Follow-up Study teilnahmen. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 59 Jahren, während die mediane Nachbeobachtungszeit 16 Jahre umfasste.
Über diesen Beobachtungszeitraum hinweg dokumentierten die Teams 4.492 neue Fälle von metabolischer Fettleber und 315 Zirrhose-Fälle. Nach Angaben der Forschenden war spätes Essen konkret mit einem um 36 % höheren Risiko für MASLD und einem um 28 % höheren Risiko für Zirrhose assoziiert. Wurde in der Auswertung zusätzlich Nachtschichtarbeit berücksichtigt, stieg der Schätzwert für das Zirrhoserisiko auf rund 49 %.
Diese Zusammenhänge blieben auch nach einer statistischen Bereinigung um Einflussfaktoren wie Alter, Body-Mass-Index (BMI), Gesamtkalorienzufuhr, Diabetes, Blutfettwerte, Rauchen, körperliche Bewegung, Alkoholkonsum und Ernährungsqualität bestehen. Ein Auslassen des Frühstücks wies in den Analysen hingegen keinen überzeugenden Zusammenhang mit den Erkrankungen auf.
Wer sich mit dem Einfluss von Mahlzeiten und Nährstoffen auf die Organfunktionen befasst, sollte auch seine inneren Werte genau im Blick behalten. Dieser kostenlose PDF-Report hilft Ihnen dabei, wichtige Blutwerte selbst zu interpretieren und die eigene Gesundheit gezielt zu schützen. 25-seitigen Laborwerte-Selbstcheck kostenlos anfordern
Einordnung der statistischen Risikowerte
Die Autoren betonen, dass es sich bei den genannten 20 bis 30 % um eine relative Risikodifferenz zwischen den verglichenen Gruppen handelt. Die Angabe bedeutet demnach nicht, dass 20 bis 30 % aller Personen mit derartigen Ernährungsgewohnheiten tatsächlich eine Erkrankung entwickeln.
Robert Wilechansky von der OHSU ordnete die Resultate dahingehend ein, dass es sich um eine der ersten Langzeitanalysen zu spätem Essen und Fettlebererkrankungen handle. Zudem entwickle nur ein kleiner Teil der Betroffenen mit Fettleber schwere Formen wie eine Zirrhose. Eine Begrenzung der Kalorienzufuhr auf wenige Stunden vor dem Schlafengehen könne dennoch vorteilhaft sein.
Verbreitet ist das Phänomen der Fettleber bereits in weiten Teilen der Bevölkerung: Laut OHSU und Massachusetts General Hospital sind bis zu 30 % der US-Bevölkerung betroffen, während in Italien etwa eine von fünf Personen eine Fettleber aufweist.
Circadiane Rhythmen und methodische Grenzen
Als mögliche biologische Ursache vermuten die Wissenschaftler Einflüsse der inneren Uhr sowie eine ineffiziente nächtliche Verarbeitung von Nährstoffen durch das Lebergewebe. Andrew McHill merkte in diesem Kontext an, dass der zeitliche Ablauf von Schlafen, Essen oder körperlicher Aktivität eine wesentliche Rolle spiele.
Gleichzeitig verweisen die Forschenden auf Limitationen der Arbeit: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen ursächlichen Kausalitätsnachweis erbringt. Die Angaben zu den Esszeiten basierten auf Selbstauskünften der Teilnehmer ohne Vorgabe fester Uhrzeiten; Daten zu Schlafdauer und Schlafqualität wurden nicht erfasst.
Um stoffwechselbedingte Belastungen im Körper frühzeitig zu erkennen, ist ein tieferes Verständnis der eigenen Laborergebnisse oft entscheidend. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden, welche Vitalstoff-Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Fehlinterpretationen vermeiden. Kostenlosen Ratgeber für bessere Blutwerte hier sichern
Die von der AASLD Foundation finanzierte Forschungsarbeit mündet nun in weiteren Vorhaben: Fachleute der OHSU raten dazu, den zeitlichen Abstand zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlafengehen zu vergrößern. Die OHSU führt bereits neue klinische Studien zum Mahlzeiten-Timing durch und sucht derzeit Probanden für eine kontrollierte Folgestudie.
