Sozialer, Jetlag

Sozialer Jetlag: Schlafmangel verstärkt Angststörungen bei Jugendlichen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Southampton-Übersicht verknüpft verschobene Schlafrhythmen mit Angstsymptomen. In Deutschland nehmen Schlafprobleme und Erschöpfung bei Schulkindern zu.

Sozialer Jetlag bei Jugendlichen steht mit Angst und Schlafproblemen in Verbindung
Ein ungemachtes Bett in einem spärlich beleuchteten Schlafzimmer im frühen Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen weisen zunehmend auf eine Verbindung zwischen dem Schlafverhalten und der psychischen Verfassung von Heranwachsenden hin. Eine aktuelle Übersichtsarbeit der University of Southampton, die zwölf Studien mit insgesamt mehr als 23.000 Teilnehmenden auswertete, verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem sogenannten sozialen Jetlag und Angstsymptomen bei Jugendlichen.

Demnach korreliere starke Angst besonders mit einem ausgeprägten Jetlag-Effekt, während umgekehrt ein hoher Angstscore ein Indikator für verstärkten sozialen Jetlag sein könne. Die Forschenden betonen dabei, dass es sich um eine Assoziation und nicht zwingend um eine ursächliche Kausalität handelt.

Biologische Verschiebungen und statistische Relevanz

Die Problematik wird durch physiologische Veränderungen während der Pubertät verschärft. Berichten zufolge verschiebt sich die innere Uhr in dieser Entwicklungsphase um mehrere Stunden nach hinten.

Parallel dazu verdeutlichen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Prävalenz von psychischen Belastungen in dieser Altersgruppe: Demnach leiden etwa 4 bis 5 Prozent der Teenager unter Angststörungen. Konkret betrage der Anteil bei den 10- bis 14-Jährigen 4,4 Prozent, während er bei den 15- bis 19-Jährigen auf 5,5 Prozent ansteige.

Verschlechterung der Schlafqualität und des Wohlbefindens

Aktuelle Daten zur Situation in Deutschland liefert der DAK-Präventionsradar, für dessen 10. Welle im Schuljahr 2025/2026 mehr als 30.000 Schulkinder an 141 Schulen befragt wurden.

Die Ergebnisse zeigen einen negativen Trend: 46 Prozent der Schulkinder klagen über Schlafprobleme, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Zeitraum 2019/20 darstellt, als der Wert noch bei 36 Prozent lag. Zudem gaben 69 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein; vor drei Jahren waren es noch 52 Prozent.

Auch das allgemeine Wohlbefinden ist rückläufig. Laut der Untersuchung zeigen 49 Prozent der Schulkinder ein vermindertes Wohlbefinden, verglichen mit 41 Prozent im Schuljahr 2022/23. Gleichzeitig sinkt der Zukunftsoptimismus: Während im Vorjahr noch 62 Prozent positiv in die Zukunft blickten, waren es im Erhebungszeitraum 2025/2026 lediglich 57 Prozent.

Bildungserfolg und die Forderung nach Gesundheitskompetenz

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Ein zentrales Ergebnis des DAK-Präventionsradars betrifft die Gesundheitskompetenz, die bei 89 Prozent der Schulkinder als unzureichend eingestuft wird. Dabei habe eine ausgeprägte Gesundheitskompetenz messbare Vorteile: Sie senke das Risiko für vermindertes Wohlbefinden um 27 Prozent und steigere den Zukunftsoptimismus um 19 Prozent. Vor diesem Hintergrund befürworten fast drei Viertel der Kinder die Einführung eines Schulfachs Gesundheit.

DAK-Chef Storm verwies in diesem Kontext auf den engen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bildungserfolg. Er sehe eine direkte Verbindung zu den Ergebnissen der PISA-Studie 2025. Bei dieser Erhebung, an der rund 6.700 15-Jährige teilnahmen, fielen die deutschen Resultate so schwach aus wie nie zuvor.

Stressfaktoren und mediale Einflüsse

Zusätzliche Belastungen ergeben sich durch Stress im sozialen und schulischen Umfeld. Eine Auswertung der Sinus-Jugendstudie durch die Barmer, basierend auf einer Befragung von 2.000 Jugendlichen im Herbst 2025, zeigt für Bayern, dass 33 Prozent der 14- bis 17-Jährigen stark durch Schulstress beeinträchtigt sind. Weitere Faktoren sind Familienstress (16 Prozent) sowie Einsamkeit und psychische Erkrankungen (jeweils 10 Prozent).

Experten wie der Schulpsychologe Röthlein warnen, dass Dauerstress das Risiko für Angststörungen erhöhe. Als wesentliche Einflussfaktoren gelten zudem die Nutzung sozialer Medien und globale Krisen wie die Pandemie oder der Ukraine-Krieg. Kinderärzte-Präsident Hubmann nannte die Mediennutzung explizit als Erklärung für die zunehmenden Schlafprobleme.

Empfehlungen zur Prävention und Diagnostik

Zur Verbesserung der Situation empfehlen die Forschenden der University of Southampton unter anderem einen späteren Schulbeginn, um dem verschobenen Biorhythmus Jugendlicher Rechnung zu tragen. Fachleute raten Eltern zudem zu einer gesunden Fehlerkultur statt Überbehütung.

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Hinsichtlich des Schlafbedarfs geben Institutionen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Orientierungswerte vor. Während Kinder zwischen 10 und 14 Jahren etwa 9 bis 11 Stunden Schlaf benötigen, liegt der Bedarf bei älteren Jugendlichen bei 8 bis 11 Stunden.

Laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) schlafen Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren im Durchschnitt 10 Stunden pro Tag. Bei anhaltenden Störungen sei eine differenzierte Diagnostik sinnvoll, um Ursachen wie ADHS, depressive Verstimmungen oder schlafbezogene Atmungsstörungen abzuklären.

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de | wissenschaft | 70103038 |