Smartwatches für Senioren: Herzfrequenz-Daten fließen in Gesundheitsakten
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Nutzung von Smartwatches zur Echtzeit-Überwachung von Herzfrequenz und anderen Vitalwerten nimmt bei Senioren während sportlicher Aktivitäten stetig zu. Ein zentraler Aspekt dieser Entwicklung ist die zunehmende Integration der erhobenen Daten in medizinische Versorgungsprozesse, wobei Informationen teilweise direkt in Gesundheitsakten fließen, um eine lückenlose Überwachung zu ermöglichen.
Vernetzung von Klinik, Reha und privater Vorsorge
Mehrere Forschungsprojekte untersuchen derzeit die Schnittstellen zwischen Wearables und klinischer Nachsorge. Seit April 2026 ermöglicht die Initiative KONSENS des Universitätsklinikums Freiburg Herzinfarkt-Patienten, Parameter wie Blutdruck, Puls und Gewicht über die Plattform myoncare zu erfassen.
Diese Daten stehen anschließend Kliniken, Reha-Zentren und Arztpraxen zur Verfügung. Bisher verzeichnete das kostenlose Programm über 100 Anmeldungen.
Parallel dazu sucht die Universitätsmedizin Halle Teilnehmer für das Projekt „Dialograum“. In diesem Rahmen werden Seniorinnen und Senioren sowie Therapeuten aus dem Raum Halle in Kleingruppen geschult. Das Ziel ist der Austausch über digitale Gesundheitsanwendungen.
Auch in der Krebsprävention kommen digitale Lösungen zum Einsatz: Das Uniklinikum Erlangen entwickelt mit dem Projekt PREVENTwin einen digitalen Präventionszwilling für das Brustkrebsrisiko, dessen Konzept voraussichtlich Ende 2028 fertiggestellt sein wird. Das Vorhaben baut auf der BayPass-App auf, die bereits von über 2.000 Frauen genutzt wurde.
Auf wissenschaftlicher Ebene wird zudem an neuen Bewertungssystemen gearbeitet. Für den Jahreskongress der Fachgesellschaften für Geriatrie (DGG/DGGG) am 23. September 2026 in Frankfurt ist die Vorstellung des Scores „Personal-MetaboHealth“ durch Professorin Eline Slagboom von der Universität Leiden angekündigt. Das System soll Risiken für Gebrechlichkeit und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Menschen ab 50 Jahren kostengünstig identifizieren.
Fortschritte und Genauigkeit der Hardware
Die technische Entwicklung von Wearables fokussiert sich zunehmend auf medizinisch zertifizierte Funktionen. Die Huawei Watch D3 etwa ist nach der EU-Medizinprodukteverordnung zertifiziert und verfügt über eine aufblasbare Manschette im Armband zur Blutdruckmessung.
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In Tests zeigte das Gerät bei einem durchschnittlichen Wert von 118/74 mmHg eine hohe Genauigkeit beim systolischen Wert, der lediglich 0,5 Prozent unter den Werten eines Referenzgeräts lag. Der diastolische Wert wurde hingegen um etwa 11 Prozent überschätzt. Die Uhr ermöglicht ein 24-Stunden-Monitoring, wobei die Akkulaufzeit bei dauerhafter Überwachung auf rund einen Tag sinkt.
Marktanalysen von CHIP führen die Samsung Galaxy Watch Ultra2 mit einer Note von 1,4 als aktuellen Testsieger, während die Galaxy Watch7 LTE als Preis-Leistungs-Empfehlung gilt. Neben Uhren etablieren sich auch spezialisierte Sensoren: Der Polar H10 gilt weiterhin als Referenz bei EKG-Brustgurten, während der Oura Ring 4 für die Analyse von Ruhe- und Schlafwerten genutzt wird.
Trotz der technologischen Fortschritte mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. Systematische Untersuchungen von 65 Studien zeigten bei Wearables Abweichungen beim Kalorienverbrauch von über 30 Prozent.
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Auch bei der Erkennung von Schlafphasen schnitten viele Geräte schlechter ab als bei der reinen Unterscheidung zwischen Schlaf- und Wachzuständen. Werte wie die Herzfrequenzvariabilität (HRV) oder VO2max sollten demnach primär als persönlicher Trend und nicht als absolute medizinische Messwerte betrachtet werden.
Sportwissenschaftliche Empfehlungen für das Alter
Die Bedeutung von regelmäßiger Bewegung im Alter wird durch aktuelle Leitlinien und Statistiken unterstrichen. Die EULAR aktualisierte 2025 ihre Empfehlungen für Patienten mit Arthritis und Osteoarthritis. Demnach wird ein wöchentliches Pensum von 150 bis 300 Minuten moderater oder 75 bis 150 Minuten intensiver aerober Aktivität empfohlen, ergänzt durch Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Dass sportliche Ambitionen bis ins hohe Alter bestehen, belegen die Zahlen zum Deutschen Sportabzeichen aus dem Jahr 2025, in dem 577.570 Abzeichen verliehen wurden. Die ältesten Teilnehmer waren dabei 96 und 99 Jahre alt.
Eine australische Studie mit Teilnehmern in einem Durchschnittsalter von 72 Jahren deutet zudem darauf hin, dass insbesondere hochintensives Intervalltraining (HIIT) geeignet ist, um Muskelmasse im Alter zu erhalten, während moderates Training primär den Fettabbau fördert. Fachleute wie Ingo Froböse raten jedoch zu einer mehrmonatigen Vorbereitungszeit, bevor Senioren mit intensiven Belastungen beginnen.
