Smartwatch-Kalorien: Studie findet 15 bis 25 Prozent Überschätzung
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fitness-Tracker und Smartwatches gehören für viele Sportler zum festen Trainingsalltag. Allerdings deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die angezeigten Energiewerte mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind. Eine am 29. Juli 2026 im Fachjournal PLOS One veröffentlichte Untersuchung der Florida International University zeigt deutliche Abweichungen gängiger Modelle bei der Erfassung des tatsächlichen Kalorienverbrauchs.
Erhebliche Abweichungen auf dem Fahrradergometer
Für die Untersuchung der Florida International University absolvierten 58 Erwachsene Trainingseinheiten von viermal zehn Minuten auf einem Liegefahrrad bei moderater bis hoher Intensität. Die Wissenschaftler verglichen vier Smartwatches – die Apple Watch Series 8, die Fitbit Sense 2, die Samsung Galaxy Watch 5 sowie die Garmin Forerunner 955 – mit den Messungen eines COSMED K5 Stoffwechselanalysators.
Das Ergebnis zeigte eine generelle Überschätzung des Kalorienverbrauchs um 15 bis 25 Prozent, wobei die Werte bei den schlechtesten Schätzungen noch deutlich höher lagen. Zudem sank die Genauigkeit der Messungen mit steigendem Körperfettanteil der Probanden: Wurde auf dem Display ein Verbrauch von 500 Kilokalorien ausgewiesen, lag der reale Wert häufig bei lediglich rund 350 Kilokalorien.
Unter den untersuchten Geräten schnitt die Apple Watch Series 8 am besten ab. Dagegen lieferte die Fitbit Sense 2 nicht verwendbare Daten mit Fehlern wie etwa der Erfassung von nur 1 Kilokalorie pro Training und wies die größte Variabilität auf.
Studienautor Dr. Jason Kostrna von der Florida International University betonte, dass die Werte nicht exakt seien und sich wöchentlich Hunderte Kalorien falsch aufsummieren könnten. Kostrna empfiehlt daher, die angezeigten Zahlen eher als Obergrenze zu behandeln, sie abzurunden und stattdessen die Herzfrequenz oder Herzfrequenzzonen als Steuerungsgröße heranzuziehen.
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Zudem warnte er davor, Kalorienschätzungen als rechnerischen Ausgleich für zusätzliche Mahlzeiten zu nutzen. Amanda Velazquez vom Cedars-Sinai riet zudem bei Essstörungen grundsätzlich vom Kalorienzählen ab.
Systematische Schwächen über Gerätetypen hinweg
Die Diskrepanzen bei der Energieberechnung sind kein Einzelfall. Eine weitere Untersuchung mit 31 trainierten Frauen zeigte, dass Wearables den Kalorienverbrauch beim Krafttraining selbst trotz individueller Kalibrierung verfehlen. Verglichen mit der indirekten Kalorimetrie erfüllte beim Krafttraining kein Gerät und kein Algorithmus die Äquivalenzgrenze von plus/minus 10 Prozent.
Beim intermittierenden hochintensiven Laufen wies ein kalibriertes Actiheart 5 zwar eine gruppenmittlere Abweichung von 4,5 Kilokalorien auf, zeigte bei Einzelpersonen jedoch Schwankungen von minus 114 bis plus 123 Kilokalorien, während ein kalibriertes GENEActiv-Akzelerometer den Verbrauch im Mittel um 69,5 Kilokalorien überschätzte.
Auch längerfristige Auswertungen bestätigen diese Messunsicherheiten:
- Ein Umbrella Review in Sports Medicine aus dem Jahr 2024 analysierte 24 Reviews und 249 Validierungsstudien.
Von 310 seit 2003 erschienenen Geräten aus 20 Marken waren nur 34 (11 Prozent) für mindestens eine Messung validiert. Für fünf Messgrößen wären 1.550 Validierungen nötig gewesen, von denen lediglich 54 (3,5 Prozent) vorlagen. Dagegen erwies sich die Herzfrequenzmessung mit einem Fehler von rund 3 Prozent als gut.
- Eine Metaanalyse zu Fitbit-Geräten aus dem Jahr 2022 ergab eine mittlere Unterschätzung von 2,77 Kilokalorien pro Minute, was pro Stunde etwa 166 Kilokalorien entsprach.
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Individuell lagen die Spannen zwischen minus 12,75 und plus 7,41 Kilokalorien pro Minute.
- Ein Review aus dem Jahr 2026 mit elf Studien und 188 Athleten stellte fest, dass der Energieverbrauch beim Laufen mit Richtungswechseln um 52 Prozent zu niedrig gemessen wurde, verglichen mit 34 Prozent beim geraden Laufen.
- Bereits eine Stanford-Studie aus dem Jahr 2017 mit 60 Erwachsenen und sieben Geräten zeigte, dass kein Wearable beim Energieverbrauch unter 20 Prozent Fehler blieb; der Median reichte von 27 Prozent beim besten bis 93 Prozent beim schlechtesten Modell.
Eine Untersuchung in Shanghai aus dem Jahr 2022 ermittelte beim Laufen Fehler von 24,4 Prozent bei der Apple Watch Series 6, 21,8 Prozent bei der Garmin Fenix 6 und 11,9 Prozent bei der Huawei Watch GT 2e.
Empfehlungen für das persönliche Training
Da Smartwatch-Werte beim Kalorienverbrauch um 20 Prozent oder mehr abweichen können, raten Experten zu einer Einordnung der Messdaten. Smartwatches bleiben für die Trainingsdokumentation nützlich, Nutzer sollten jedoch ihre Erwartungen anpassen und langfristige Trends statt absoluter Einzelwerte betrachten.
Formeln zur Schätzung des Ruhe- oder Grundumsatzes unterliegen ebenfalls biologischen Varianzen, weshalb Messwerte am Handgelenk vor allem als Richtwerte dienen können.

