Skin-Picking: Metaanalyse schätzt 3,45 Prozent der Bevölkerung betroffen
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das wiederholte Bearbeiten der eigenen Haut gilt in der Medizin längst nicht mehr als bloße Angewohnheit. Unter der Bezeichnung Skin-Picking-Disorder oder Dermatillomanie wird das Phänomen im internationalen Klassifikationssystem ICD-11 offiziell als eigenständiges Krankheitsbild im Bereich der Zwangsstörungen geführt.
Betroffene verspüren den unbezwingbaren Impuls, an Pickeln, Krusten oder auch vollkommen gesunder Haut zu kratzen, zu drücken oder zu zupfen. Meist kommen dabei die eigenen Fingernägel oder die Zähne zum Einsatz.
Körperliche Folgen und differentialdiagnostische Abgrenzung
Die wiederkehrenden Handlungen hinterlassen deutliche Spuren am Körper. Häufige Folgen des zwanghaften Verhaltens sind anhaltende Blutungen, schmerzhafte Entzündungen und bleibende Narben. Besonders betroffen sind Körperareale, die leicht erreichbar sind, darunter vor allem das Gesicht, die Kopfhaut sowie Hände, Finger und Arme.
In der klinischen Diagnostik kommt es darauf an, das Störungsbild präzise von anderen psychischen Erkrankungen zu unterscheiden. Fachleute betonen, dass Skin-Picking klar von selbstverletzendem Verhalten abgegrenzt werden muss, wie es beispielsweise im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung vorkommt.
Während es bei der Dermatillomanie im Kern um das Beseitigen wahrgenommener Unebenheiten oder die Entlastung innerer Anspannung geht, verfolgt klassische Selbstverletzung oft andere funktionale Dynamiken.
Häufigkeit und Zusammenhänge mit anderen Störungsbildern
Erkenntnisse aus der Forschung verdeutlichen das Ausmaß des Phänomens. Eine US-amerikanische Metaanalyse schätzte für das Jahr 2023, dass rund 3,45 Prozent der Bevölkerung von der Skin-Picking-Störung betroffen sind. Die Auswertung ergab zudem, dass Frauen häufiger unter diesem Zwangsmuster leiden als Männer.
Wer an Pickeln, Krusten oder gesunder Haut kratzt, drückt oder zupft, leidet nicht selten unter einer anerkannten Zwangsstörung — Dermatillomanie wird im ICD-11 offiziell als eigenständiges Krankheitsbild geführt. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, das eigene Muster einzuordnen und den Impuls im Alltag zu unterbrechen. Kostenlosen Skin-Picking-Leitfaden anfordern
Zusätzlich untersuchen wissenschaftliche Arbeiten Parallelen zu anderen neurologischen und psychischen Besonderheiten. Studien weisen unter anderem auf einen Zusammenhang mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hin.
Erklärt wird dies durch Faktoren wie eine verringerte Impulskontrolle und das Bedürfnis nach sensorischer Stimulation. Die Forschung unterstreicht jedoch, dass hierbei keine automatische Kausalität vorliegt und nicht jede Person mit ADHS zwangsläufig ein entsprechendes Verhalten entwickelt.
Multimodale Ansätze in der Behandlung
Für die Bewältigung der Dermatillomanie stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Im Zentrum steht in der Regel eine strukturierte Psychotherapie. Als besonders wirksam gelten Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie, zu denen auch das sogenannte Habit-Reversal-Training zählt, bei dem Betroffene alternative Reaktionsmuster auf den Drang einüben.
Sichtbare Narben, Entzündungen und das Gefühl, einfach nicht aufhören zu können: Genau hier setzen konkrete Bewältigungsstrategien an, die den Zwangsimpuls unterbrechen — etwa Stressball, Handschuhe oder gezielte Atemübungen. Der kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen fünf sofort umsetzbare Wege aus dem Kreislauf. 5 Strategien gegen den Zwangsimpuls entdecken
In bestimmten Fällen greift die medizinische Behandlung ergänzend auf Psychopharmaka zurück, wobei teils Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) verordnet werden.
Neben der professionellen Betreuung spielen konkrete Bewältigungsstrategien für den Alltag eine wichtige Rolle. Um die Phasen des Zwangsimpulses zu unterbrechen, wird Betroffenen unter anderem empfohlen, auf Hilfsmittel wie Stressbälle zurückzugreifen oder Handschuhe zu tragen. Auch gezielte Atemübungen können dabei helfen, innere Anspannungszustände rechtzeitig zu regulieren.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von NDR.
