Shingrix-Impfung: 10% weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei 70.000 Teilnehmern
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Entzündungsprozesse in Gelenken und im Herz-Kreislauf-System stehen im Zentrum mehrerer Forschungsarbeiten, die in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurden. Von Zelltherapien gegen Autoimmunerkrankungen über neu entdeckte Signalwege bis hin zu Biomarkern für Gefäßentzündungen zeichnet sich ein Bild ab, das die Rolle spezifischer Zellmechanismen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen zunehmend präzisiert.
CAR-T-Zelltherapie bei rheumatoider Arthritis
An der Charité wurde eine CD19-CAR-T-Zelltherapie bei sechs Patienten mit schwerer, therapierefraktärer rheumatoider Arthritis untersucht. Bei allen sechs Behandelten ging die Krankheitsaktivität zurück, drei von ihnen erreichten eine Remission ohne weitere Medikamente. Diese medikamentenfreie Remission hielt bei den drei Patienten bis zu einem Jahr an, begleitet von einem Rückgang der Autoantikörper.
Die Ergebnisse der ersten klinischen Studie zu diesem Therapieansatz bei schwerer rheumatoider Arthritis wurden in Nature Medicine veröffentlicht. Die Behandlung, die ursprünglich aus der Onkologie stammt, richtet sich gegen B-Zellen und soll damit die Autoimmunreaktion an ihrer Wurzel unterbrechen.
Neue Treiber der Gelenkentzündung
Parallel dazu haben Forschende der Universität Lüttich in einer im August veröffentlichten Studie in Cell Death & Differentiation Proteine des endoplasmatischen Retikulums als Treiber der Synovitis bei Arthrose identifiziert. Besonders das Protein PDIA4 rückte dabei in den Fokus als möglicher Ansatzpunkt, um die entzündliche Gelenkinnenhautreaktion zu beeinflussen, die bei Arthrose maßgeblich zur Schmerzentwicklung beiträgt.
Weitere Ansätze zur Gelenkregeneration kommen aus den USA: Eine Studie der Stanford University, veröffentlicht in Science, zeigt, dass die Hemmung des Enzyms 15-PGDH bei gealterten Mäusen den Knieknorpel wiederherstellen und posttraumatische Arthrose verhindern kann.
Orale Inhibitoren befinden sich bereits in Phase-1-Studien. An der Sichuan University wurde zudem ein tetraedrischer DNA-Nanoframe namens Tvi-miR143 entwickelt, der im Rattenmodell die Gelenkretention von microRNA verbessert – nach 24 Stunden waren noch 40 Prozent der miRNA nachweisbar – und den Knorpel schützte.
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Das Schroeder Arthritis Institute wiederum berichtet, dass mesenchymale Stammzellen aus Knochenmark bei Knie-Arthrose eine variable Wirksamkeit zeigen; 14 microRNAs sollen zwischen Respondern und Non-Respondern unterscheiden.
Biomarker und Signalwege im Herz-Kreislauf-System
Auch bei Gefäßentzündungen gibt es neue Erkenntnisse: Berliner Forschende identifizierten eine Biomarker-Signatur aus sieben Proteinen, die eine Remission bei Vaskulitis anzeigt – veröffentlicht in Nature Communications. Am UKB und der Universität Bonn wurde ein TLR2-Signalweg entdeckt, der im Mausmodell neonatale Herzmuskelzellen zur Regeneration anregt, dokumentiert in der Fachzeitschrift Cell Communication and Signaling.
Eine Studie aus Oxford mit rund 70.000 Teilnehmern, veröffentlicht in Nature, fand zudem, dass die Shingrix-Impfung gegen Gürtelrose das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 10 Prozent, für Herzinsuffizienz um 12 Prozent und bei Männern das Schlaganfallrisiko ebenfalls um 12 Prozent senkt – ein Hinweis darauf, wie eng Infektionsschutz und Gefäßentzündung zusammenhängen können.
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Versorgungsfragen und neue Leitlinien
Auf dem ESC Congress 2026 in München stellten die European Society of Cardiology und die European Renal Association eine erste gemeinsame Leitlinie zu kardiovaskulären Erkrankungen und chronischer Nierenerkrankung vor, mit Empfehlungen zu Screening sowie zum frühen Einsatz von RAS- und SGLT2-Inhibitoren.
Die Würzburger E-INH-Studie zeigte unterdessen, dass Telemedizin bei Herzinsuffizienz je nach Geschlecht und Familienstand unterschiedlich wirkt: Verheiratete Frauen und unverheiratete Männer profitieren demnach stärker als unverheiratete Frauen, so die im Fachjournal Circulation: Population Health & Outcomes veröffentlichten Ergebnisse.
Für die Versorgungspraxis relevant bleibt die Größenordnung des Problems: Laut Johnson & Johnson MedTech gibt es in Deutschland jährlich mehr als 460.000 Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz.
Die MHH treibt mit dem EU-Projekt HEARTCORE, gefördert mit 3 Millionen Euro, die Entwicklung einer Testplattform mit Herzorganoiden voran, die Kardiotoxizität ohne Tierversuche prüfen soll – ein Beitrag zur schnelleren und ethisch unbedenklicheren Entwicklung neuer Herzmedikamente.
