SGLT2-Hemmer, Studien

SGLT2-Hemmer: Studien zeigen rund 30 Prozent weniger Klinikaufenthalte

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktualisierte Empfehlungen kombinieren vier Wirkstoffklassen; Studien beleuchten zudem Nutzen, Evidenzgrenzen und Blutbildveränderungen durch SGLT2-Hemmer.
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Behandlungsraum in einer kardiologischen Praxis mit einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Weltweit leiden nach Schätzungen über 26 Millionen Menschen an Herzinsuffizienz. Um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und wiederholte Krankenhausaufenthalte zu verhindern, setzen kardiologische Behandlungskonzepte zunehmend auf differenzierte medikamentöse Strategien.

Einen spezifischen Baustein stellt dabei Vericiguat dar: Der vom Hersteller MSD entwickelte Wirkstoff erhielt im Januar 2021 die Zulassung der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zur Behandlung der symptomatischen chronischen Herzinsuffizienz bei Patienten mit einer Ejektionsfraktion von unter 45 Prozent.

Die Indikation zielt insbesondere auf Personen ab, die kürzlich wegen einer kardialen Dekompensation hospitalisiert wurden oder eine intravenöse Diuretikatherapie benötigten.

Modulation des cGMP-Signalwegs und gefäßerweiternde Mechanismen

Vericiguat greift in den Signalweg der löslichen Guanylatzyklase (sGC) ein. Das therapeutische Prinzip der sGC-Stimulation findet sich auch bei verwandten Wirkstoffen: Die Substanz Riociguat stimuliert die lösliche Guanylatzyklase und erhöht dadurch zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP). Dies bewirkt eine Entspannung der glatten Muskulatur sowie eine Senkung der Nachlast.

Während Riociguat primär bei pulmonaler Hypertonie zugelassen ist, untersucht die Forschung dessen Nutzen ebenfalls bei Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion (HFrEF). Zu den bekannten Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schwindel sowie Magen-Darm-Beschwerden; zudem erfordert die Kombination mit PDE5-Inhibitoren wegen möglicher Wechselwirkungen besondere Vorsicht.

Leitlinienkonzepte: Vierfachtherapie und neue Optionen

In den Behandlungsstandards gewinnt die frühzeitige Intervention an Bedeutung. Aktualisierte Leitlinien für das Jahr 2026 empfehlen eine Vierfach-Basistherapie, die so früh wie möglich parallel eingeleitet werden sollte.

Diese Säulen umfassen SGLT2-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) oder ACE-Hemmer, Betablocker sowie Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA). SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin und Empagliflozin gelten dabei als uneingeschränkt empfohlen für Patientengruppen mit reduzierter (HFrEF) wie auch mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF).

Bei einer HFpEF in Verbindung mit Adipositas stehen zudem Semaglutid und Tirzepatid als ergänzende Optionen zur Verfügung. Parallel dazu rückt der MRA Finerenon weiter in den Fokus: Die Substanz, die bislang auf chronische Nierenerkrankungen (CKD) beschränkt war, zeigte in der FINEARTS-HF-Studie positive Resultate bei Patienten mit HFpEF; eine entsprechende Zulassungserweiterung wird für das Jahr 2026 erwartet.

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Kardiorenale Protektion und Hämatologie im Fokus der Evidenz

Auf dem EASD Annual Meeting im Jahr 2025 wurden SGLT2-Hemmer als feste Größe der kardiorenalen Protektion hervorgehoben. Daten aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und Beobachtungsanalysen belegen eine Reduktion der Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen um rund 30 Prozent sowie eine Verlangsamung des CKD-Fortschreitens – unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus oder dem Ausgangs-HbA1c.

Bei hohem kardiovaskulärem Risiko und Adipositas bietet die Kombination mit GLP-1-Rezeptoragonisten additive Effekte. Im klinischen Alltag erfordert der Einsatz von SGLT2-Hemmern jedoch gezielte Schulungen hinsichtlich urogenitaler Infektionen, euglykämischer Ketoazidosen, perioperativer Pausen und sogenannter Sick-Day-Rules.

Die methodische Bewertung der Evidenz bleibt dabei Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Eine im Fachjournal Cureus veröffentlichte Meta-Analyse ermittelte bei der Gesamtmortalität eine gepoolte Beobachtungs-Hazard-Ratio von 0,75 (95% CI 0,71–0,79), verglichen mit einer gepoolten RCT-Hazard-Ratio von 0,87 (95% CI 0,77–0,98).

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Bei den Hospitalisierungsraten divergierten die Daten deutlicher: Einer RCT-Hazard-Ratio von 0,69 (95% CI 0,62–0,78) standen Real-World-Werte von 0,84 bis 1,03 gegenüber. Die Autoren stuften die Sicherheit der Beobachtungsevidenz nach dem GRADE-System als sehr niedrig ein und führten stärkere Effekte in Beobachtungsdaten plausibel auf verbleibende Störfaktoren zurück.

Zusätzlich beeinflussen SGLT2-Hemmer hämatologische Parameter. Ein JAMA-Kommentar zu einer Meta-Analyse von Yang et al., die 85 doppelblinde RCTs mit 70.543 Teilnehmenden umfasste, berichtete über einen mittleren Anstieg des Hämoglobins um 0,6 g/dL sowie des Hämatokrits um 2,36 Prozent gegenüber der Kontrolle nach median 24 Wochen. Diese dosisabhängige Verschiebung geht mit einer gesteigerten Eisen-Utilisation und einem Anstieg des Plasma-Erythropoetins um 2 mU/mL einher. Mediziner raten daher dazu, das Risiko einer Erythrozytose im Blick zu behalten und Anämie-Grenzwerte symptomgeleitet zu steuern.

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