SGLT-2-Inhibitoren: Keine Effekte auf Entzündung und Schilddrüse
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 06:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SGLT-2-Inhibitoren gehören zu den etablierten Wirkstoffen in der Behandlung von Typ-2-Diabetes und werden regelmäßig auf mögliche Effekte jenseits der Blutzuckerkontrolle untersucht.
Eine retrospektive Studie, die am Ankara Etlik City Hospital durchgeführt und laut einem Bericht von bioengineer.org vom 12. September 2026 in der Fachzeitschrift BMC Endocrine Disorders veröffentlicht wurde, liefert nun Erkenntnisse zu einer bislang wenig systematisch untersuchten Frage: Beeinflussen diese Medikamente Schilddrüsenhormone und Entzündungsmarker im Blut?
Studiendesign und Untersuchungsgruppen
Für die Analyse wurden 224 Typ-2-Diabetiker herangezogen, die über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten entweder mit Empagliflozin oder mit Dapagliflozin behandelt wurden. Diese Gruppe wurde mit 106 Kontrollpersonen verglichen, die keine SGLT-2-Inhibitoren erhielten.
Untersucht wurden insbesondere der Schilddrüsenwert TSH sowie der systemische Entzündungsindex SII, ein zusammengesetzter Marker, der häufig zur Einschätzung des Entzündungsgeschehens im Körper herangezogen wird.
Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen
Die Ergebnisse zeigten für den TSH-Median Werte von 1,6 mIU/ml in der Empagliflozin-Gruppe, 1,8 mIU/ml in der Dapagliflozin-Gruppe und 1,9 mIU/ml in der Kontrollgruppe. Der statistische Vergleich ergab einen p-Wert von 0,338 und damit keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Gruppen.
Auch beim systemischen Entzündungsindex fiel das Bild ähnlich aus: Der SII-Median lag bei 481 unter Empagliflozin, bei 531 unter Dapagliflozin und bei 468,5 in der Kontrollgruppe. Mit einem p-Wert von 0,509 verfehlte auch dieser Unterschied die statistische Signifikanz deutlich.
Wer Typ-2-Diabetiker mit SGLT-2-Hemmern behandelt, fragt sich oft, ob Schilddrüsenwerte oder Entzündungsmarker kontrolliert werden müssen. Eine retrospektive Studie mit 224 Behandelten und 106 Kontrollen fand für TSH und den Entzündungsindex SII keine signifikanten Unterschiede — die Nierenfunktion erwies sich dagegen als unabhängiger Einflussfaktor auf den TSH-Wert. Unser kostenloser Praxis-Leitfaden fasst die Befunde und die konkreten Schritte zur Einordnung zusammen. Praxis-Leitfaden SGLT-2-Hemmer jetzt anfordern
Beide Befunde zusammen deuten darauf hin, dass die untersuchten SGLT-2-Inhibitoren in dieser Studienpopulation weder die Schilddrüsenfunktion messbar verändern noch einen erkennbaren Effekt auf systemische Entzündungsprozesse haben.
Nierenfunktion als eigenständiger Einflussfaktor
Ein interessanter Nebenbefund der Analyse betrifft die Rolle der Nierenfunktion. Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) erwies sich als unabhängiger Prädiktor für den TSH-Wert, mit einem Koeffizienten von -0,0043 und einem p-Wert von 0,037. Das bedeutet, dass die Nierenfunktion – unabhängig von der Medikamenteneinnahme – mit den beobachteten Schilddrüsenwerten in Zusammenhang steht.
Dieser Zusammenhang bleibt statistisch signifikant, während der Einfluss der SGLT-2-Inhibitoren selbst auf TSH und SII in der Studie nicht nachweisbar war.
Einordnung der Befunde
Die Ergebnisse der retrospektiven Untersuchung liefern damit ein differenziertes Bild: Während frühere Vermutungen über mögliche Wechselwirkungen zwischen SGLT-2-Hemmern und der Schilddrüsen- beziehungsweise Entzündungsregulation im Raum standen, spricht die vorliegende Datenlage eher gegen einen relevanten direkten Effekt dieser Medikamentenklasse.
Unklare Schilddrüsenwerte bei Diabetes-Patienten lassen sich nicht allein über die Medikamentenwahl erklären. In der Studie war die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate ein unabhängiger Prädiktor des TSH-Werts — der Effekt der SGLT-2-Inhibitoren selbst blieb aus. Unsere Checkliste zeigt, wie Sie Nierenfunktion und TSH gemeinsam interpretieren, statt vorschnell die Therapie zu ändern. Checkliste Nierenfunktion und TSH-Interpretation sichern
Stattdessen rückt die Nierenfunktion als eigenständiger Faktor in den Vordergrund, der bei der Interpretation von Schilddrüsenwerten bei Diabetikern berücksichtigt werden sollte.
Da es sich um eine retrospektive Untersuchung mit einer begrenzten Zahl an Teilnehmenden handelt, lassen sich aus den Daten keine abschließenden kausalen Aussagen ableiten. Weitere, prospektiv angelegte Studien wären nötig, um die beobachteten Zusammenhänge – insbesondere die Rolle der Nierenfunktion – genauer zu bestätigen und einzuordnen.
