Semaglutid-Tablette, EMA

Semaglutid-Tablette: EMA empfiehlt orale Alternative zur Spritze

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 03:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Viele Arzneien fördern Gewichtszunahme. GLP-1-Agonisten helfen beim Abnehmen, bergen aber Risiken. Neue orale Tabletten in Sicht.

Medikamente als Gewichtstreiber: Neue Studien und Warnungen
Verschiedene pharmazeutische Pillen und Kapseln liegen auf einer sterilen Oberfläche, im Hintergrund eine unscharfe digitale Waage. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Jetzt rücken Medikamente in den Fokus, die das Problem noch verschärfen können.

Bestimmte Wirkstoffe beeinflussen den Stoffwechsel oder steigern das Hungergefühl. Der Präsident der Landesapothekerkammer Hessen warnt: Sie können den Appetit anregen, den Stoffwechsel verlangsamen oder zu Flüssigkeitseinlagerungen führen.

Diese Medikamente machen dick

Besonders betroffen sind Patienten mit Psychopharmaka wie Olanzapin und Clozapin. Auch Betablocker – darunter Atenolol, Propranolol und Metoprolol – stehen im Verdacht, die Waage nach oben zu treiben. Langfristige Cortisontherapien und Hormonbehandlungen verändern zudem die Fettverteilung.

In der Diabetestherapie zeigen ältere Präparate wie Tolbutamid oder klassische Insuline eine gewichtsteigernde Tendenz. Bei HIV-Patienten werden Wirkstoffe wie Bictegravir sowie Kombinationen aus Abacavir und Lamivudin mit einer Zunahme der Körpermasse assoziiert.

Fachleute raten: Niemals eigenmächtig absetzen. Stattdessen das ärztliche Gespräch suchen – oft gibt es metabolisch neutralere Alternativen.

Schilddrüse, PCOS und die Depressionen-Falle

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Eine Schilddrüsenunterfunktion senkt den Grundumsatz signifikant. Die gute Nachricht: Nach korrekter Einstellung mit L-Thyroxin ist eine Gewichtsabnahme im normalen Rahmen möglich. Vor einer absichtlichen Überdosierung warnen Experten jedoch – das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigt dramatisch.

Im Frühjahr 2026 gab es eine relevante Neuausrichtung: Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt jetzt Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Weltweit sind schätzungsweise 170 Millionen Frauen betroffen. In rund 85 Prozent der Fälle geht die Erkrankung mit einer Insulinresistenz einher – das Risiko für Diabetes mellitus vervierfacht sich.

Bei Depressionen zeigen Antidepressiva eine heterogene Wirkung. Neuere SSRI wie Sertralin oder Citalopram lösen häufiger Unruhe oder sexuelle Funktionsstörungen aus. Ältere trizyklische Antidepressiva sowie Mirtazapin führen dagegen verstärkt zu Gewichtszunahme und Müdigkeit. Eine Metastudie aus dem Jahr 2018 belegte zudem: Der therapeutische Effekt vieler Antidepressiva ist im Vergleich zu Placebos oft nur moderat.

GLP-1-Agonisten: Schlank um jeden Preis?

Als Gegenbewegung haben GLP-1-Rezeptoragonisten stark an Bedeutung gewonnen. Eine Meta-Analyse im britischen Fachmagazin BMJ wertete 262 klinische Studien mit rund 100.000 Teilnehmenden aus und verglich 19 verschiedene Wirkstoffe.

Das Ergebnis: Hocheffektive Präparate wie Tirzepatid oder die Kombination CagriSema ermöglichen einen Gewichtsverlust von etwa 15 Prozent. Der Preis: intensive Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen. Semaglutid führt durchschnittlich zu einer Reduktion von 10 Prozent, bietet jedoch robuste Hinweise auf eine geringere Sterblichkeit und weniger kardiovaskuläre Ereignisse.

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Doch die Analyse konnte keine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität nachweisen. Zudem reduzieren sowohl Tirzepatid als auch Semaglutid die fettfreie Körpermasse.

In den USA führte die weite Verbreitung von Semaglutid zu einer Verdopplung der Anrufe bei Giftnotrufzentralen bis 2023. Ursache: primär Dosierungsfehler – etwa die tägliche statt der vorgesehenen wöchentlichen Anwendung.

Neue Hoffnung: Tablette statt Spritze

Die Pharmaindustrie arbeitet an der Diversifizierung der Darreichungsformen. Am 22. Mai 2026 gab der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA eine positive Zulassungsempfehlung für eine orale Tablette von Semaglutid ab.

In Studien erreichte die Tablette bei 50 mg Dosierung einen Gewichtsverlust von 14 Prozent über 64 Wochen. Injektionen erzielten in längeren Zeiträumen bis zu 19 Prozent. Ein Marktstart in Deutschland wird noch für 2026 erwartet – allerdings ohne Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Weitere Entwicklungen:
- Für das dritte Quartal 2026 ist ein 7,2-mg-Einzeldosis-Pen für Tirzepatid angekündigt
- Langzeit-Implantate sollen Wirkstoffe über sechs bis zwölf Monate freisetzen
- Das Präparat Orforglipron befindet sich in der EU-Prüfung und verspricht eine Gewichtsabnahme zwischen 9 und 12 Prozent

Doch auch neue Risiken zeigen sich: Bei Typ-2-Diabetikern unter GLP-1-Therapie wurde ein um 81 Prozent erhöhtes relatives Risiko für Geruchsstörungen festgestellt – wenngleich die absolute Häufigkeit gering bleibt.

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