Semaglutid, Studie

Semaglutid: Studie zeigt 26 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien beleuchten Gewichtsreduktion, Diabetes-Früherkennung und Versorgungslücken; Semaglutid-Daten zeigen weniger kardiovaskuläre Ereignisse.
Modernes medizinisches Forschungslabor mit hochpräzisen Analysegeräten und Laborausstattung in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Jahreskongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD), der vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 in Mailand stattfand, haben mehr als 16.000 Teilnehmer über aktuelle Leitlinien und künftige Behandlungsansätze diskutiert. Im Mittelpunkt der Fachkonferenz standen die frühzeitige Erkennung von Diabetesformen, Fortschritte in der medikamentösen Adipositastherapie sowie der Schutz vor kardiovaskulären Folgeerkrankungen.

Fortschritte bei Inkretin-Therapien und Gewichtsreduktion

Ein zentraler Schwerpunkt der vorgestellten Studien lag auf neuen Wirkstoffen zur kombinierten Regulierung von Blutzucker und Körpergewicht. Der Hersteller Eli Lilly präsentierte Ergebnisse der Phase-3-Studie TRIUMPH-2 mit Retatrutid, an der 1.152 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas und bestehendem Typ-2-Diabetes teilnahmen.

Unter der höchsten Dosierung verringerte sich das Körpergewicht nach 80 Wochen um 18,8 %, verglichen mit einer Reduktion von 5,1 % unter Placebo. Einen HbA1c-Wert von höchstens 6,5 % erreichten 72 % der Behandelten gegenüber 29 % in der Placebogruppe.

Weitere Daten zeigten die Wirkung einer Kombination aus Eloralintid und Tirzepatid. Nach 48 Wochen lag der Gewichtsverlust unter der höchsten Dosis bei 23,3 % (rund 24,6 kg), während Tirzepatid allein in einer Dosierung von 15 mg eine Reduktion von 14,8 % erzielte.

Für den Wirkstoff Petrelintid wies eine Phase-2-Studie nach 42 Wochen in den drei höchsten Dosisstufen einen Gewichtsverlust von 10–11 % aus, verglichen mit 1,7 % unter Placebo; die Quote der Therapieabbrüche aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden belief sich auf 1,5 %.

Für den Ansatz CBL-514 wurde nach 8 bis 12 Wochen eine Verringerung des viszeralen Fetts um 10,45 % dokumentiert, während in der Kontrollgruppe ein Anstieg um 11,76 % gemessen wurde.

Hinsichtlich der Anwendung von GLP-1-Präparaten in der Schwangerschaft legte eine Auswertung von 7 Studien mit über 43.000 exponierten Frauen ein um 31 % erhöhtes Auftreten früher Schwangerschaftsverluste dar, wobei die Datenlage eine Vermischung mit Schwangerschaftsabbrüchen aufweist.

Früherkennung und Lebensstilinterventionen

EASD-Präsident Francesco Giorgino hob hervor, dass Prädiabetes allein in Italien bis zu 5 Millionen Menschen betreffe. Die Diagnose stützt sich dabei auf das Erreichen mindestens eines von drei Kriterien: eine Nüchternglukose zwischen 100 und 124 mg/dl, ein HbA1c-Wert von 5,7 bis 6,4 % oder ein 2-Stunden-Glukosewert von 144 bis 199 mg/dl.

Die German Prediabetes Lifestyle Intervention Study belegte, dass die Kombination aus Ernährungsumstellung und Bewegung das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes über mindestens drei Jahre senkt.

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Eine anglo-kanadische Untersuchung zeigte bei Personen unter 45 Jahren mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes zudem, dass eine hypokalorische Ernährung zusammen mit strukturierter Bewegung in der Hälfte der Fälle zu einer Remission führte.

Auch diagnostische Marker standen zur Debatte: Eine Studie an rund 10.000 Personen untersuchte den 1-Stunden-Glukosewert als frühen Indikator. Eine französisch-italienische Auswertung von mehr als 67.000 Fällen unterschied vier spezifische Immunotypen, während eine Mikrobiom-Analyse von fast 230.000 Proben aus Großbritannien und den USA 789 Spezies als Signatur für Typ-2-Diabetes identifizierte. Das europäische Screening-Programm EDENT1FI untersuchte mehr als 140.000 Kinder in acht Staaten, darunter Polen: Ein Vorstadium des Typ-1-Diabetes lag bei etwa 2,1 % der Kinder mit erstgradig Verwandten vor, gegenüber rund 0,3 % bei Kindern ohne familiäre Vorbelastung, was insgesamt über 400 festgestellten Fällen entsprach. Auf Länderebene zeigte sich auf Mauritius, dass die Diabetes-Prävalenz seit 2009 bei beiden Geschlechtern rückläufig ist.

Versorgungsrealität und kardiovaskuläre Prävention

Große Beobachtungsstudien verdeutlichten bestehende Lücken in der Versorgungspraxis. Die Erhebung Treat2D mit über 80.000 Patienten in fünf Ländern zeigte, dass ab dem Nachweis unkontrollierter Blutzuckerwerte durchschnittlich mehr als ein Jahr vergeht, bis eine Therapieintensivierung erfolgt.

In Italien leben über 4 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, mehr als 1 Million davon gelten als nicht diagnostiziert. Nach Angaben von Raffaella Buzzetti von der Società Italiana Di Diabetologia (SID) zögern in Italien rund 30 % der Patienten mit einer Indikation für Insulin den Behandlungsbeginn um mehr als zwei Jahre hinaus.

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Am 1. Oktober 2026 thematisierten Novo Nordisk und die SID auf der Tagung die umstellung von täglichen auf wöchentliche Therapien, gestützt auf die Erstattung durch den italienischen Nationalen Gesundheitsdienst (SSN).

Daten zu Semaglutid belegten die Erreichung der HbA1c-Zielwerte bei den meisten Patienten sowie eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse um 26 % und nicht-fataler Schlaganfälle um 39 %.

Zudem sanken renale zusammengesetzte Risiken um 24 %, die Gehstrecke verlängerte sich um 13 %, und das Fortschreiten einer peripheren Arteriopathie verringerte sich um 54 %. Der dokumentierte Gewichtsverlust betrug 21 %, wovon 84 % auf Fettmasse entfielen.

Künftig werden unter anderem eine wöchentliche Kombinationsinjektion aus Basalinsulin und Semaglutid sowie eine Tablettenform erwartet. Die vorgestellten Maßnahmen stehen zugleich im Kontext übergeordneter gesundheitspolitischer Initiativen wie dem EU-Plan Safe Hearts, der eine Reduktion vorzeitiger kardiovaskulärer Todesfälle um 25 % bis 2035 anstrebt.

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