Demenz, Risiko

Selbst kochen schützt vor Demenz: Risiko sinkt um bis zu 27%

22.06.2026 - 12:18:12 | boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt: Kombination, Zubereitung und Zeitpunkt von Mahlzeiten beeinflussen Gesundheit und Psyche maßgeblich.

Ernährungsstudien: Neue Erkenntnisse zu Obst, Gemüse und Demenz
Demenz - Eine lebendige Anordnung von frischem Obst und Gemüse, darunter rote Paprika und Beeren, auf einer sauberen Oberfläche. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nicht nur die Menge zählt, sondern auch die Kombination, der Zeitpunkt und die Zubereitung entscheiden über die gesundheitliche Wirkung. Aktuelle Studien liefern konkrete Zahlen und Empfehlungen.

Weniger Mahlzeiten, höheres Depressionsrisiko

Der Zusammenhang zwischen Ernährung und Psyche wird immer deutlicher. Eine Studie des Seoul St. Mary’s Hospital mit 22.000 Erwachsenen zeigt: Wer weniger als fünf Mahlzeiten pro Woche isst, hat ein 1,55-fach erhöhtes Risiko für depressive Symptome.

Eine Untersuchung aus Vietnam mit 1.500 Teilnehmenden ergänzt das Bild: Über 60 Prozent der Befragten essen zu wenig Obst und Gemüse. Die Zufuhr von Folsäure und Kalzium lag deutlich unter den Empfehlungen. Zum Vergleich: Das Robert Koch-Institut hielt bereits 2024 fest, dass rund 17 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben eine Depression erleben.

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Paprika, Kirschen und die DASH-Diät

Bestimmte Sorten rücken wegen ihrer Inhaltsstoffe in den Fokus. Rote Paprika etwa liefern rund 140 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm – der tägliche Bedarf liegt bei 95 bis 110 Milligramm. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt rund 4,2 Kilogramm.

Kirschen enthalten Anthocyane, die den systolischen Blutdruck innerhalb von 48 Stunden senken können. Diese sekundären Pflanzenstoffe reduzieren Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein und hemmen die Anlagerung von LDL-Cholesterin. Experten empfehlen 10 bis 15 frische Früchte täglich.

Die sogenannte DASH-Diät setzt auf kalium- und ballaststoffreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Tomaten. Tomatenkonserven enthalten konzentriertes Lycopin und Kalium – Abspülen senkt den Natriumgehalt um bis zu 40 Prozent.

Fischöl allein schützt nicht vor Alzheimer

Die Demenzforschung liefert gemischte Ergebnisse. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Studie der Keck Medicine of USC mit 365 Probanden untersuchte Fischöl-Supplemente bei Personen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko. Trotz einer Steigerung der DHA-Werte im Gehirn um 17 Prozent zeigte sich über zwei Jahre keine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten.

Die Forscher vermuten: Omega-3-Fettsäuren entfalten ihre Wirkung nur im Verbund einer mediterranen Ernährung. Eine andere Studie der University of Florida warnt vor Glucosamin bei leichter kognitiver Beeinträchtigung – es könne das Alzheimer-Risiko um 25 Prozent erhöhen.

Positive Effekte zeigten SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Agonisten in einer NIH-Studie von 2014 bis 2023.

Eine japanische Langzeitstudie über sechs Jahre mit rund 11.000 Personen ab 65 Jahren hebt die Bedeutung des Kochens hervor: Wer mindestens einmal pro Woche selbst kocht, senkt sein Demenzrisiko deutlich – bei Männern um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent.

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Timing entscheidet: Abends weniger Kohlenhydrate

Die Insulinempfindlichkeit sinkt in den Abendstunden, erklärt Olga Ramich vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Zucker aus Obst verbleibe dann länger im Blut und hemme die Fettverbrennung. Empfohlen wird ein proteinreiches Frühstück und eine kohlenhydratarme Gestaltung des Abendessens.

Der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel spielt ebenfalls eine Rolle. Eine Untersuchung der South Dakota State University zeigt: Die Reduktion von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln senkt die tägliche Kalorienaufnahme spontan um rund 400 Kilokalorien. Das verbessert die Insulinsensitivität und fördert den Abbau von Bauchfett – besonders bei gleichzeitigem Ballaststoffkonsum aus Obst und Gemüse.

„Biblische Ernährung“ und Schulfach Kochen

Kulturelle Ernährungstrends gewinnen an Bedeutung. Das Konzept der „biblischen Ernährung“ orientiert sich an Oliven, Fisch, Getreide und Hülsenfrüchten. Fachleute ordnen den Trend als medizinisch sinnvoll ein – er entspricht im Kern der mediterranen Küche und verzichtet auf industriellen Zucker und Frittieren.

Angesichts der zunehmenden Fast-Food-Kultur fordern Bildungsexperten wie der Historiker Andreas Rutz ein Schulfach Ernährung. Ziel: Bewusstsein für Saisonalität, Nachhaltigkeit und die soziale Funktion des gemeinsamen Kochens und Essens schaffen.

de | wissenschaft | 69602076 |