Sehbeeinträchtigungen: WHO sieht bei 1 Milliarde Menschen vermeidbare Fälle
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deWeltweit sind mindestens 2,2 Milliarden Menschen von einer Nah- oder Fern-Sehbeeinträchtigung betroffen. Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hätte der Sehverlust bei mindestens einer Milliarde dieser Menschen vermieden werden können oder er ist bis heute gänzlich unbehandelt geblieben.
Die Daten verdeutlichen ein globales Versorgungsdefizit, das sowohl die Lebensqualität im Alter als auch die wirtschaftliche Produktivität gravierend beeinträchtigt.
Häufigste Ursachen und ökonomische Folgen
Die WHO schlüsselt die Auslöser für bestehende Sehbeeinträchtigungen detailliert auf: Auf den Grauen Star (Katarakt) entfallen demnach 94 Millionen Fälle, während 88,4 Millionen auf unkorrigierte Refraktionsfehler zurückzuführen sind.
Die altersbedingte Makuladegeneration betrifft 8 Millionen Menschen, das Glaukom 7,7 Millionen und die diabetische Retinopathie 3,9 Millionen. Zudem leben 826 Millionen Menschen mit einer unbehandelten Presbyopie (Alterssichtigkeit). Zur Vorbeugung rät die WHO unter anderem bei Diabetes zu einer jährlichen Netzhautuntersuchung.
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Neben den individuellen gesundheitlichen Einschränkungen entstehen enorme wirtschaftliche Schäden. Die WHO beziffert den jährlichen weltweiten Produktivitätsverlust infolge von Sehbeeinträchtigungen auf rund 411 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber stünden geschätzte Kosten von etwa 25 Milliarden US-Dollar, um die bestehende globale Versorgungslücke wirksam zu schließen.
Ungleichheiten beim Zugang zur augenärztlichen Versorgung
Die Hürden bei der medizinischen Grundversorgung sind ungleich verteilt. Nach WHO-Angaben verfügen in einkommensschwachen Ländern zwei von drei Personen, die eine Sehhilfe benötigen, über keine Brille. Weltweit hat zudem jeder zweite Mensch, der eine Katarakt-Operation bräuchte, keinen Zugang zu einem entsprechenden Eingriff.
Nationale Daten spiegeln diese Herausforderungen wider. Das indonesische Gesundheitsministerium verweist darauf, dass weltweit rund 1,1 Milliarden Menschen mit unbehandelten Sehbeeinträchtigungen leben, wovon 90 Prozent vermeidbar oder behandelbar seien.
In Indonesien selbst führt nach Angaben von Gesundheitsminister Dante Saksono Harbuwono ein Fünftel der krankheitsbedingten Behinderungen auf Sehstörungen zurück. Der Verband Perdami weist darauf hin, dass das Land bei den weltweiten Blindheitsursachen auf den zweiten Rang vorgerückt ist, wobei der Graue Star die Hauptursache bleibt.
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Im Rahmen staatlicher Vorsorgeprogramme wie dem indonesischen „Free Health Checkup“ wurden 34 Millionen Menschen untersucht, wobei sich bei 1,6 Millionen Hinweise auf Sehbeeinträchtigungen zeigten.
Um gegenzusteuern, startete das Land Mitte Oktober 2026 das dreijährige Programm „Comprehensive Community Eye Care“. Es sieht unter anderem vor, über 60.000 Schüler und Arbeiter zu untersuchen, 16.500 Katarakt-Operationen zu unterstützen und mehr als 100.000 Brillen zu verteilen.
Internationale Initiativen und Handlungsansätze
Auch Hilfsorganisationen verstärken ihre Maßnahmen zur Beseitigung vermeidbarer Erblindungen. Das Cure Blindness Project hat bisher über 2 Millionen Operationen zur Verbesserung des Sehvermögens durchgeführt, mehr als 20.000 Fachkräfte ausgebildet und über 20 Millionen Menschen in 30 Ländern versorgt.
Am Welttag des Sehens im Oktober 2026 organisierte das Projekt über 770.000 Screenings in Asien, Afrika und der Karibik als Teil einer übergeordneten Initiative für 2 Millionen Untersuchungen.
Gleichzeitig fordern 14 führende Entwicklungsorganisationen den Sektor dazu auf, den St John's Global Compact for Eye Health zu unterzeichnen. Dieser soll als Grundlage für den ersten globalen Gipfel für Augengesundheit im November 2026 in Antigua und Barbuda dienen.
Jessica Thompson von der Organisation IAPB betonte in diesem Zusammenhang, dass wissenschaftliche Evidenz, Innovationen und Partnerschaften vorhanden seien, es nun jedoch an kollektivem Engagement fehle.
