Seelische Gesundheit: 40 Prozent der Landwirte arbeiten über 60 Stunden
28.05.2026 - 08:20:29 | boerse-global.de
Wirtschaftliche Unsicherheiten, Überstunden und gesundheitliche Risiken setzen den Erwerbstätigen zu. Das Bundeskabinett reagierte Ende Mai mit neuen Regelungen zu Berufskrankheiten – doch aktuelle Umfragen zeigen das wahre Ausmaß der Krise.
Parkinson als Berufskrankheit anerkannt
Am 27. Mai billigte das Kabinett eine Verordnung: Parkinson infolge von Pestizideinsatz gilt künftig als Berufskrankheit. Grundlage war eine Empfehlung des Sachverständigenrats beim Bundesarbeitsministerium.
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Der Bauernverband und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisierten die wissenschaftlichen Grundlagen und Grenzwerte. Die Bundesregierung verwies dagegen auf höhere Zuschüsse: Für 2025 und 2026 fließen 20 Millionen Euro mehr an die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).
Am selben Tag thematisierte ein SVLFG-Symposium unter dem Titel „Seelische Gesundheit in der Grünen Branche“ die Zunahme psychischer Erkrankungen. Die Veranstalter verwiesen auf bestehende Hilfsangebote – darunter eine rund um die Uhr erreichbare Krisenhotline.
60-Stunden-Wochen sind Normalität
Die strukturellen Ursachen der Krise liegen auf dem Tisch. Eine Erhebung der Fachzeitschrift top agrar vom 26. Mai zeigt: Fast 40 Prozent der Landwirte arbeiten mehr als 60 Stunden pro Woche. Gut ein Viertel kommt sogar auf über 70 Stunden.
Externe Faktoren verschärfen den wirtschaftlichen Druck zusätzlich. Brandenburgs Bauernpräsident Henrik Wendorff warnte am 26. Mai vor einer drohenden Düngemittelknappheit. Geopolitische Konflikte und die Blockade wichtiger Handelswege wie der Straße von Hormus treiben die Preise – mit Steigerungen von bis zu 50 Prozent wird gerechnet.
Die Marktsituation bleibt kritisch: Sowohl im Ackerbau als auch in der Schweine- und Rinderhaltung brechen die Erlöse ein.
Pensionssystem unter Druck
In Österreich zeigen strukturelle Probleme im Pensionssystem die langfristigen Folgen. Eine Analyse vom 21. Mai belegt: Auf 1.000 aktive Landwirte kommen mittlerweile 1.219 Pensionisten. Die Deckungsquote der Pensionskosten liegt bei lediglich 19 Prozent. Die Regierung plant daher eine Anhebung der Bauernbeiträge um 0,4 Prozentpunkte.
Forschung will gegensteuern
Die Universität Kassel führt aktuell eine Online-Umfrage durch, um die Situation besser zu erfassen. Betroffene Landwirte können noch bis zum 31. Mai teilnehmen. Ziel ist es, Hilfsangebote präziser auf Belastungen wie Bürokratie, finanzielle Sorgen oder Fragen der Hofnachfolge zuzuschneiden.
Internationale Daten unterstreichen die Dringlichkeit: Berichte vom 26. Mai zeigen, dass die psychische Gesundheit in der Landwirtschaft signifikant schlechter bewertet wird als in anderen Berufsgruppen. In England und Wales stieg die Zahl der Suizide unter Landwirten im Jahr 2024 im Vergleich zu 2022 um sieben Prozent. Besonders gefährdet: männliche Arbeitskräfte und Personen über 60 Jahre.
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Initiativen für mehr Vorsorge
Projekte wie „Happy am Hof“ versuchen gegenzusteuern. Sie informieren über Vorsorgemöglichkeiten und fördern die Vernetzung von Institutionen wie dem Maschinenring und Sozialversicherungsträgern. Ziel ist die langfristige Stabilisierung der mentalen und körperlichen Gesundheit.
Experten betonen zudem die Bedeutung der Infektionsprävention. Landwirte tragen aufgrund ihrer Arbeitsumgebung ein spezifisches Risiko für Erkrankungen wie Sepsis – besonders schwerwiegend verläuft diese bei über 60-Jährigen.
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