Secondhand-Boom: Markt wächst auf 289 Milliarden Dollar 2026
13.06.2026 - 15:20:42 | boerse-global.de
Branchenprognosen zufolge könnte er bis 2027 ein Volumen von über 300 Milliarden US-Dollar erreichen. Allein für 2026 schätzen Experten den Umsatz auf rund 289 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 105 Prozent gegenüber 2021. Treiber sind technologische Innovationen, neue Geschäftsmodelle und ein grundlegender Wandel im Konsumverhalten.
Empfehlung und Realität klaffen auseinander
Trotz wachsendem Nachhaltigkeitsbewusstsein zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen ökologischen Empfehlungen und der Realität. Das Hot or Cool Institute rät zu maximal fünf neuen Kleidungsstücken pro Jahr. Der deutsche Durchschnitt liegt bei etwa 60 Teilen – der zwölffachen Menge.
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Die Folgen sind gravierend: 2023 fiel in Deutschland 55 Prozent mehr Textilmüll an als zehn Jahre zuvor. Pro Kopf sind das jährlich rund 18 Kilogramm Alttextilien. Recherchen des SWR deuten zudem darauf hin, dass ein erheblicher Teil der exportierten Altkleider nicht wiederverwendet, sondern verbrannt wird.
KI treibt den Secondhand-Boom
Künstliche Intelligenz ist ein wesentlicher Treiber für den Gebrauchtmarkt. Seit Sommer 2025 steigt das Suchinteresse an KI-gestützten Shopping-Lösungen massiv. Suchanfragen nach gebrauchten Artikeln bestimmter Marken erreichen inzwischen das Vier- bis Sechsfache der Anfragen nach Neuware.
Das Kölner Startup Sacred Valley Tech brachte im Frühjahr 2026 die App Sally auf den Markt. Sie bündelt Tausch, Verkauf, Reparatur und Recycling in einem zirkulären System. Für Endverbraucher kostet die Jahresmitgliedschaft 29,90 Euro. Langfristig sind auch B2B-Lösungen für Modemarken geplant.
Auch im Großhandel tut sich was: Die Plattform Fleek verbindet über 10.000 Wiederverkäufer mit mehr als 1.000 Großhändlern weltweit. Ihr Umsatz verdoppelte sich zwischen 2024 und 2025.
Kommunen kämpfen mit Textilflut
Die steigende Menge an Alttextilien überfordert vielerorts die Entsorgungssysteme. Im Kreis Soest berichten Dienstleister von überquellenden Containern. Die Erlöse sinken, während die Masse an Fast Fashion die Infrastruktur sprengt. In Petershagen/Eggersdorf wurden stationäre Container abgebaut – wegen Missbrauchs und Vermüllung. Seit Mai 2026 sammeln dort mobile Fahrzeuge zu festen Terminen.
Neue stationäre Konzepte sollen die Kreislaufwirtschaft fördern. In Nürnberg eröffnete im Juni 2026 das Projekt „Zirka“ in einem ehemaligen Kaufhaus. Bis Anfang Juli gibt es dort Reparaturdienstleistungen, Workshops und den Verkauf gebrauchter Waren. Ziel: nachhaltige Konsumformen dauerhaft in der Innenstadt etablieren.
Strengere EU-Vorgaben kommen
Die Branche bereitet sich auf die Ökodesign-Verordnung (ESPR) der EU vor. Sie sieht unter anderem ein Verbot der Vernichtung unverkaufter Textilien vor. Dienstleister wie Ninyes positionieren sich als Partner für Marken, um Waren am Ende der Lieferkette dem Wiederverkauf zuzuführen statt sie zu entsorgen.
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Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) wird den fachlichen Diskurs in den kommenden Monaten prägen – etwa auf dem Sustainability Day in Köln im Oktober 2026.
Individueller Verkauf bleibt mühsam
Während die großflächige Organisation der Kreislaufwirtschaft voranschreitet, bleibt die individuelle Verwertung für Privatpersonen oft aufwendig. Erfahrungsberichte von lokalen Modebasaren im Frühsommer 2026 zeigen: Der Aufwand für den Einzelverkauf steht in keinem Verhältnis zu den geringen Erlösen. Das unterstreicht die Bedeutung professioneller zirkulärer Plattformen.
