SEAL-App, Euro

SEAL-App: 260.000 Euro Förderung für psychisch erkrankte Jugendliche

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 19:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apps begleiten junge Menschen, KI wertet Therapieverläufe aus und Wearables erfassen Gesundheitsdaten; klinische Validierungen stehen teils noch aus.

Digitale Therapien und Neurotechnik: Neue Ansätze für psychische Gesundheit
Ein minimalistisch gestalteter Therapieraum mit Tageslicht, einem leeren Tisch und einer Pflanze. Illustration mit AI erstellt.

Digitale Gesundheitsanwendungen und smarte Geräte bieten neue Möglichkeiten zur leitliniengerechten kognitiven Verhaltenstherapie sowie zum Monitoring neurologischer Gesundheitswerte.

Digitale Werkzeuge gewinnen bei der strukturierten therapeutischen Begleitung und der kontinuierlichen Erfassung von Vital- und Verhaltensparametern zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Initiativen zeigen, wie Softwarelösungen und sensorbasierte Technologien Versorgungslücken schließen und psychologische Interventionen ergänzen können.

Gezielte Softwarelösungen für Kinder und Jugendliche

Besonders im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit entstehen spezialisierte mobile Anwendungen. Am 6. Oktober 2026 vereinbarten DigitalHub.SH und die Diakonie Nord Nord Ost eine Förderung in Höhe von 260.000 Euro für die Entwicklung der sogenannten SEAL-App.

Die Anwendung richtet sich an psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche und soll Tagesstrukturen, Termine, Aufgaben, Emotionen sowie Krisenhinweise abbilden, vor allem im Anschluss an eine Entlassung aus der Klinik. Das Vorhaben wird gemeinsam mit Viakom und der Techniker Krankenkasse unter Einbindung junger Nutzer entwickelt und ist langfristig als frei zugängliche Open-Source-Lösung konzipiert.

Ein weiteres regionales Vorhaben startete im Rems-Murr-Kreis mit der App Between The Lines der Between The Lines gGmbH. Eine zweijährige Pilotphase wird durch die Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen finanziert, wodurch dem Landkreis nach offiziellen Angaben keine Mehrkosten entstehen.

Die kostenlose und werbefreie Plattform, die über gängige App-Stores sowie als Web-App abrufbar ist, bietet Jugendlichen anonyme Informationen zu seelischen Belastungen und führt ein Verzeichnis lokaler Hilfsangebote.

Algorithmische Vorhersagen und KI-gestützte Dokumentation

Neben mobilen Begleitern rückt die datengestützte Analyse therapeutischer Verläufe in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. In einer multizentrischen Kohortenstudie untersuchte Muhammad Jawad Chowdhury die Prognose von Werten des Beck-Depressions-Inventars (BDI-II) 12 und 24 Wochen nach Achtsamkeitsinterventionen.

Unter fünf analysierten Regressionsmodellen erreichte eine Ridge-Regression nach 12 Wochen einen mittleren quadratischen Fehler (RMSE) von 5,186 und ein Bestimmtheitsmaß (R²) von 0,474. Nach 24 Wochen erzielte das Modell LightGBM einen RMSE von 5,038 und ein R² von 0,525. Der anfängliche Schweregrad stellte dabei den stärksten Prädiktor dar, wobei externe Validierungen und der unmittelbare klinische Nutzen noch ausstehen.

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Einen breiter angelegten Ansatz verfolgt ein internationales Konsortium unter Leitung der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Seit dem Projektstart am 1. Oktober 2026 wird über vier Jahre der KI-Assistent ResPECT entwickelt, der Patientenerfahrungen bei Brustkrebs und Depression strukturiert auswertet.

Das Vorhaben wird im Horizon-Europe-Programm der Europäischen Union mit rund 15,8 Millionen Euro gefördert, wovon knapp ein Drittel auf Heidelberger Beteiligte entfällt. Das System soll freie Texte sowie Spracheingaben analysieren, Belastungen erfassen und Handlungsempfehlungen für Behandelnde aufbereiten.

Wearables und apparative Neurotechnologien

Ergänzend zu verhaltenstherapeutischen Anwendungen gewinnt das physiologische Monitoring an Gewicht. Der Hersteller Oura führte ab dem 6. Oktober 2026 Funktionen wie den Health Radar und GLP-1 Insights in mehr als 30 zusätzlichen Märkten ein. Diese erfassen unter anderem Blutdrucksignale und stellen Atemmuster über Zeiträume von 30 Tagen dar.

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Parallel dazu wächst das Interesse an apparativen Ansätzen wie der transkraniellen Magnetstimulation (TMS). Anwendungen wie EXOMIND setzen publizierte Protokolle von häufig sechs Sitzungen bei Erschöpfung und Konzentrationsproblemen ein, wobei Langzeitdaten zur Wirkungsdauer noch fehlen und mögliche Risiken vorübergehende Kopfschmerzen oder selten Krampfanfälle umfassen.

Ein Positionspapier der VDE DGBMT vom 6. Oktober 2026 beziffert das Potenzial des globalen Neurotechnologie-Marktes von rund 15 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa 45 Milliarden Euro bis 2034, verweist jedoch zugleich auf bestehende Hürden bei Regulierung, klinischer Erprobung und Kostenerstattung.

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de | wissenschaft | 70269356 |