Schweizer Militär: Kompletter Ausstieg aus Microsoft bis Oktober
Veröffentlicht am: 15.07.2026 um 20:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Grund: wachsende Sorgen um die digitale Souveränität und den Zugriff ausländischer Behörden auf heimische Daten.
Mecklenburg-Vorpommern macht Tempo
Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat am Dienstag den flächendeckenden Einsatz einer Open-Source-Plattform verkündet. Rund 5.000 Mitarbeiter der Landesverwaltung nutzen bereits Nextcloud für Dateiaustausch und Kommunikation. Das Ziel: mehr als 50.000 Nutzer.
Der Umstieg ist kein Schnellschuss. Bereits im November 2025 hatten sich Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein auf eine gemeinsame Strategie verständigt. Der IT-Dienstleister DVZ M-V steuert das Projekt. Finanz- und Digitalisierungsminister Dr. Heiko Geue spricht von einem „bedeutenden Schritt in Richtung digitaler Souveränität“. Laut IT-Chef Marco Anschütz lief die Migration bislang ohne Datenverluste.
Neben Nextcloud setzt das Land auf OpenProject und entwickelt einen KI-Chatbot namens LEA. Der Schritt ist Teil einer größeren Bewegung: Die Bundesregierung gab in der Vergangenheit jährlich fast eine halbe Milliarde Euro für Microsoft-Lizenzen aus. Die Plattform openDesk, entwickelt vom Zentrum für Digitale Souveränität, soll hier Abhilfe schaffen.
Schweizer Militär kehrt Microsoft den Rücken
Noch deutlicher wird die Kehrtwende beim Schweizer Militär. Das Cyber Command bestätigte Mitte Juli den Ausstieg aus Microsoft-Anwendungen. Bis Oktober 2026 soll die Umstellung auf openDesk abgeschlossen sein.
Haupttreiber: der US-Cloud-Act. Dieses Gesetz erlaubt US-Behörden potenziell den Zugriff auf Daten, die auf amerikanischen Cloud-Plattformen gespeichert sind. Für sensible Militärdaten ein No-Go. Das Schweizer Parlament hat deshalb zehn Millionen Franken für die Migration bereitgestellt. Konkrete Details zum Zeitplan und zu Alternativplattformen sind noch in Prüfung.
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Open Source erobert die Wirtschaft
Die Entwicklung im öffentlichen Sektor spiegelt einen breiteren Trend wider. Der OSSRA-Report 2025 zeigt: 97 Prozent aller kommerziellen Anwendungen enthalten inzwischen Open-Source-Komponenten. Die MIT-Lizenz ist mit 92 Prozent die mit Abstand häufigste. Marktforscher schätzen, dass 53 Prozent der Organisationen vor allem wegen der fehlenden Lizenzkosten auf Open Source setzen.
Aktuelle Produkt-Updates untermauern diesen Trend:
- ONLYOFFICE Docs 9.4 (erschienen am 14. Juli): Die Community Edition hat die bisherige Beschränkung auf 20 parallele Verbindungen aufgehoben. Ein Gewinn für größere Teams.
- Chatto 0.4 (erschienen am 8. Juli): Die Team-Chat-Anwendung wechselt unter die AGPL-3.0-Lizenz und bietet Audio- und Videoanrufe in einer einzigen Binärdatei.
Industrie setzt auf Standards
Großkonzerne institutionalisieren ihr Open-Source-Engagement zunehmend. Bloombergs Open Source Program Office koordiniert etwa die Beiträge zu Projekten wie OpenTelemetry. Der jüngste Kernel-Entwicklungsbericht der Linux Foundation zählt über 15.600 Entwickler von 1.400 Unternehmen. Intel, Red Hat und IBM gehören zu den größten Sponsoren.
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Ein neues Projekt soll die Datenstandards in der Industrie vereinheitlichen: Der Open Semantic Interchange ist als Apache Ossie in den Apache Incubator aufgenommen worden. Mehr als 50 Organisationen – darunter Salesforce, Oracle und BlackRock – unterstützen die Initiative. Ziel ist es, Geschäftskennzahlen plattformübergreifend standardisierbar zu machen.
KI: Open Source holt auf
Auch in der Künstlichen Intelligenz zeichnet sich ein Wandel ab. Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Mozilla Foundation zeigt: Die Leistungslücke zwischen Open-Source-Modellen und proprietären Systemen ist auf drei Prozent geschrumpft. Offene Modelle treiben bereits etwa ein Drittel aller KI-Anwendungen an – erzielen aber nur vier Prozent der Markterlöse.
Die Kosten für diese Modelle sind innerhalb von drei Jahren um bis zu das 50-Fache gesunken. Ein Wert, der die Bedrehung um digitale Souveränität weiter anheizen dürfte.
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