Schulverpflegung: Studie untersucht Ernährung von 6 Millionen Kindern
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Qualität der Mittagsverpflegung und die Vermittlung von Ernährungskompetenzen rücken verstärkt in den Fokus der pädagogischen Arbeit. Aktuelle Berichte zeigen eine wachsende Bedeutung abwechslungsreicher Konzepte für die Verpflegung im schulischen Ganztagsbetrieb auf. Dabei stehen neben der rein praktischen Bereitstellung von Mahlzeiten zunehmend die Vermittlung von Kochfertigkeiten sowie Ansätze zur nachhaltigen Ernährung im Vordergrund.
Forschungsprojekte untersuchen Qualität und Akzeptanz
Ein zentraler Baustein zur Bewertung der aktuellen Situation ist das bundesweite Forschungsprojekt „KiSMo“, das unter der Leitung der Hochschule Osnabrück in Kooperation mit den Universitäten Konstanz und Göttingen durchgeführt wird. Mit einer Laufzeit von September 2026 bis August 2028 untersucht das Vorhaben die Qualität und Akzeptanz der Verpflegung in Kitas und Schulen.
Da täglich rund 6 Millionen Kinder in diesen Einrichtungen essen, analysieren die Forscher Speisepläne, Kostenstrukturen und Nachhaltigkeitsaspekte. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Ergebnisse sollen unter anderem in den 16. DGE-Ernährungsbericht einfließen.
Ausbau von Präventionsprogrammen und Kooperationen
Im Bereich der Gesundheitsförderung setzen Institutionen auf langfristige Partnerschaften. Das Schulministerium Nordrhein-Westfalen und die AOK Rheinland/Hamburg haben ihre Kooperation „Fit durch die Schule“ um drei Schuljahre bis zum Schuljahr 2028/29 verlängert.
Seit dem Start im Jahr 2009 wurden bereits 1.474 Projekte gefördert. Die Initiative unterstützt Vorhaben mit bis zu 5.500 Euro über zwei Schuljahre, wobei in einer neuen Pilotphase erstmals 28 Grundschulen berücksichtigt werden.
In Bayern fördert die AOK zudem 500 neue Patenschaften für das Programm „Klasse2000“. Damit soll die Teilnahme von künftig mehr als 1.850 Grundschulklassen ermöglicht werden. Das auf vier Jahre angelegte Programm umfasst rund 15 Unterrichtseinheiten pro Jahrgang.
In Wuppertal startet der Verein oGaTa im Schuljahr 2026/27 sogenannte Ernährungslotsen in allen 24 Einrichtungen der offenen Ganztagsschule (OGS). Gefördert von der Barmer mit jeweils 500 Euro für den Lebensmitteleinkauf, werden Kleingruppen von maximal zehn Kindern wöchentlich geschult. Eine entsprechende Aufbaufortbildung für die Beteiligten ist für März 2027 geplant.
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Praktische Kompetenzvermittlung und Nachhaltigkeit
Die praktische Umsetzung von Ernährungsbildung zeigt sich in zahlreichen regionalen Initiativen. Die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) statten Erstklässler zum Schulstart mit nachhaltigen Frühstücksboxen aus. EBE-Geschäftsführer Ulrich W. Husemann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Wiederverwendung solcher Dosen zur Vermeidung von Alufolie und Frischhaltefolie beitrage.
An der Albert-Schweitzer-Realschule plus in Winnweiler verarbeiten Schülergruppen etwa 10 Kilogramm gespendete Mirabellen zu Marmelade und bereiten frische Speisen wie Zucchinipizza zu.
In der Eifel beginnen zudem 30 Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren eine zweijährige Ausbildung zu „Miniköchen“. Unter der Schirmherrschaft von MdB Patrick Schnieder vermitteln Gastronomen wie Thomas Herrig und Tobias Stadtfeld Kenntnisse in den Bereichen Hygiene und Zubereitung.
Auch die Infrastruktur wird angepasst: Das Markgräfler Gymnasium Müllheim eröffnete eine neue Schulküche, die als Lernort für MINT-Fächer und Nachhaltigkeit dienen soll. Finanziert wurde das Projekt durch lokale Sponsoren wie die Sparkasse Müllheim Markgräflerland und die Stadtwerke Müllheim Staufen.
Fokus auf biologische Erzeugung und gezielte Förderung
Im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung gewinnt der Anteil ökologisch produzierter Lebensmittel an Bedeutung. In Österreich kooperieren GOURMET Kids und BIO AUSTRIA seit 2023, um den Bio-Anteil in Kindereinrichtungen zu erhöhen. GOURMET verarbeitet jährlich 5.800 Tonnen Bio-Ware und erreicht in der Spitzenverpflegung Quoten von bis zu 60 Prozent. Zielvorgaben sehen vor, den Bio-Anteil in Bundesinstitutionen bis 2030 auf 55 Prozent zu steigern.
Kinder lernen am besten, wenn sie selbst mitanpacken: Vom Marmeladekochen bis zum Minikoch-Kurs gibt es viele erprobte Wege. Unser Leitfaden bündelt 5 praktische Ansätze für mehr Ernährungskompetenz — direkt umsetzbar in Ihrem Schulalltag. 5 Wege zu mehr Ernährungskompetenz entdecken
Gezielte Unterstützung erhalten Einrichtungen auch durch Stiftungen. So übergab die Paul-Büdding-Stiftung eine Spende über 500 Euro für das Frühstück der OGS-Kinder an der Andreas-Wenneberschule in Rheda-Wiedenbrück, um die Versorgung der dort betreuten Grundschüler sicherzustellen.
An der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge wird die Küchenleitung zudem fachlich durch den Ernährungswissenschaftler Falco Rösner unterstützt, um neue Rezeptinspirationen in den Speiseplan zu integrieren.
