Schulverpflegung, Ernährungsstandards

Schulverpflegung: Nur 57% erfüllen Ernährungsstandards

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 12:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Niedersachsen verzeichnet 30.000 mehr Kinder im EU-Schulprogramm. Ab 2027 sind zusätzliche Millionen für die steigende Nachfrage eingeplant.

EU-Schulprogramm in Niedersachsen: Rekordbeteiligung und Finanzierungspläne
Schulverpflegung - Glückliche Schulkinder greifen in einer modernen Cafeteria nach frischem Obst und Gemüse, das auf einem Tisch in bunten Körben liegt. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Über 395.000 Kinder nehmen im neuen Schuljahr am EU-Schulprogramm in Niedersachsen teil. Das sind rund 30.000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt haben sich 2.833 Bildungseinrichtungen für die Verteilung von Obst, Gemüse und Milchprodukten angemeldet.

Das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sieht darin einen Erfolg für die Gesundheitsprävention. Das Programm soll Kindern frühzeitig den Zugang zu frischen Agrarerzeugnissen ermöglichen und die Ernährungskompetenz stärken.

Mehr Geld ab 2027 geplant

Die Finanzierung kommt von der EU und dem Land Niedersachsen. Das Gesamtbudget liegt bei 7,2 Millionen Euro, davon steuert das Land 4 Millionen Euro bei. Ab 2027 sollen jährlich 3,7 Millionen Euro zusätzlich fließen, um die steigende Nachfrage zu decken.

Doch die Haushaltslage auf Bundesebene ist angespannt. Für den Bundeshaushalt 2027 sind Kürzungen im Agrarbereich von 19,6 Millionen Euro vorgesehen. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte kritisierte mögliche Hemmnisse für die landwirtschaftliche Transformation. Auch der Bauernverband warnte vor Einschnitten bei ressourcenschonenden Verfahren und berufsgenossenschaftlichen Leistungen – die Summe könnte über 100 Millionen Euro betragen.

Große Qualitätsunterschiede beim Schulessen

Während die Zahl der Teilnehmer in Niedersachsen steigt, zeigen Studien in anderen Regionen deutliche Qualitätsunterschiede. Eine Analyse des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) untersuchte das Schulessen in Bremen und Bremerhaven.

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Das Angebot erfüllt im Durchschnitt nur 57 Prozent der Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei Mischkost. Bei vegetarischen Speisen sind es 62 Prozent. Besonders groß sind die Unterschiede beim Bio-Anteil: In Bremen liegt er bei 65 Prozent, in Bremerhaven nur bei 7 Prozent. Da ein Aktionsplan 2025 auslief, läuft nun eine neue Erhebungswelle.

Caterer droht mit Versorgungsstopp

Die warme Mittagsverpflegung an Schulen steht wirtschaftlich unter Druck. In Westmecklenburg drohte ein Caterer, die Versorgung an 29 Schulen einzustellen – monatliche Verluste von rund 60.000 Euro seien entstanden. Die Kosten pro Mahlzeit überschreiten dort teilweise die 6-Euro-Grenze. Für viele Familien ist das finanziell nicht mehr tragbar.

Auch die Abrechnungsmodalitäten sorgen für Diskussionen. Im Landkreis Rotenburg müssen Eltern von BuT-Beziehern (Bildungs- und Teilhabepaket) künftig Beträge von bis zu 100 Euro vorstrecken. Die Erstattung erfolgt erst im Nachgang. Betroffen sind rund 1.000 Kinder.

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Kommunen erproben alternative Wege der Ernährungsbildung. In Dortmund startete ein Pilotprojekt: Kindertagesstätten beziehen Gemüse direkt von einem solidarischen Landwirtschaftsbetrieb. Wöchentliche Besuche auf dem Acker binden die Kinder in den Prozess des Pflanzens und Erntens ein. Das Projekt wird durch EU-Mittel kofinanziert.

Auch Hessen verstärkt seine Bemühungen. Eine neue Richtlinie stellt jährlich bis zu 1 Million Euro für die Pflege und Neuanpflanzung von Streuobstwiesen bereit. Ziel ist es, die regionale Rohstoffbasis für die Versorgung zu sichern.

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