Schulstress, Jugendlichen

Schulstress bei Jugendlichen: Studie zeigt 42 Prozent Belastung bei Mädchen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 13:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Barmer-Erhebung zeigt starken schulischen Druck, während Studien den Einfluss von Schulwechseln und Lehrkräfte-Unterstützung beleuchten.

Schulstress belastet Jugendliche: Mädchen deutlich häufiger betroffen
Ein leerer, minimalistischer Klassenraum im sanften Licht der Abenddämmerung mit ordentlich aufgereihten Schulbänken. Illustration mit AI erstellt.

Die mentale Gesundheit junger Menschen rückt zunehmend in den Fokus von Bildungs- und Gesundheitsexperten. Aktuelle Erhebungen zeigen ein deutliches Bild der Belastungsfaktoren im Jugendalter: Vor allem der Leistungsdruck im Bildungssystem stellt für viele Heranwachsende eine erhebliche Hürde dar.

Wie die Sinus-Jugendstudie 2025/2026 im Auftrag der Krankenkasse Barmer verdeutlicht, sind 33 Prozent der Jugendlichen in Deutschland stark durch Schulstress belastet.

Die bundesweite Befragung von 2.000 Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren weist dabei ein ausgeprägtes Geschlechtergefälle auf. Während 25 Prozent der Jungen angeben, stark unter schulischem Druck zu stehen, liegt dieser Anteil bei den Mädchen bei 42 Prozent.

Christoph Straub, Vorstandschef der Barmer, bezeichnete die Resultate als Warnsignal und hob hervor, dass die Belastung junger Frauen besonders alarmierend sei. Lediglich 22 Prozent aller befragten Jugendlichen gaben an, überhaupt nicht belastet zu sein.

Vielfältige Stressfaktoren im Alltag

Neben der Schule wirken weitere Faktoren auf das Wohlbefinden der Jugendlichen ein. Familiärer Stress betrifft laut der Sinus-Jugendstudie 16 Prozent der Befragten, wobei auch hier Mädchen mit 20 Prozent häufiger betroffen sind als Jungen mit 12 Prozent. Einsamkeit belastet 12 Prozent der Gesamtheit (15 Prozent der Mädchen, 9 Prozent der Jungen).

Zu den weiteren genannten Belastungsfaktoren zählen:
- Psychische Erkrankungen: 11 Prozent
- Konflikte im Freundeskreis: 11 Prozent
- Süchte: 9 Prozent
- Mobbing: 8 Prozent
- Chronische körperliche Erkrankungen: 7 Prozent
- Stress in Partnerschaften: 6 Prozent

Übergänge und Burnout-Risiken im Schulsystem

Wissenschaftliche Untersuchungen stützen den Befund, dass schulische Strukturen maßgeblich zum Druckempfinden beitragen. Eine Studie der Universität Freiburg begleitete 162 Schülerinnen und Schüler beim Übertritt von der Primar- in die Sekundarschule.

Die Jugendlichen, die zu Beginn der Untersuchung ein Durchschnittsalter von knapp 12 Jahren hatten, wurden im letzten Primarschuljahr sowie ein Jahr später befragt. Das Ergebnis zeigt, dass das sogenannte Schul-Burnout nach dem Stufenwechsel signifikant höher ausfällt. Dieser Effekt zeigte sich besonders stark bei Schülern in der höchsten Leistungsstufe.

Als Symptome dieses Erschöpfungszustands identifizierte die Universität Freiburg neben Zynismus gegenüber der Schule körperliche und mentale Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schlafprobleme, Müdigkeit und Schwächegefühle. Zugleich ergab die Untersuchung, dass die Unterstützung durch Lehrpersonen als Schutzfaktor gegen Schul-Burnout wirken kann.

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Praktiker aus dem Schulbereich registrieren die Folgen der Belastungen seit Längerem. René Keller von Visenti Aargau und dem Verband Schulführung Schweiz stellte fest, dass Erschöpfung, Rückzug und Fehlzeiten in den vergangenen fünf Jahren zugenommen haben.

Auch Sandra Geissler von der Schulsozialarbeit der Stadt Bern betonte, dass Stress sich über Erschöpfung und Rückzug bis hin zum Schulabsentismus manifestiere. In Stuttgart beobachten Schulleitungen ebenfalls, dass Jugendliche vermehrt Schule schwänzen und abtauchen, wobei Schulangst, familiäre Konflikte und das soziale Umfeld als Ursachen genannt werden.

Debatte um Ursachen und Interventionsansätze

Hinsichtlich der Ursachen mahnen Fachleute zu einer differenzierten Einordnung. Der Entwicklungspsychologe Peter Gray, emeritierter Professor am Boston College, sieht keine starke Korrelation zwischen der Bildschirmzeit junger Menschen und ihrer mentalen Gesundheit.

Zwar bestreitet Gray die Zunahme von Depressionen und Angststörungen nicht, verortet die Gründe jedoch vielmehr bei überbehütenden Eltern und einem wachsenden Druck im Schulsystem.

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Ein Handyverbot hält Gray für den falschen Ansatz, da das Gerät für viele Jugendliche ein wichtiger Rückzugsort sei und soziale Interaktion ermögliche. Er fordert daher den Fokus auf die Erziehung und das Bildungswesen zu legen.

Zur Unterstützung belasteter Heranwachsender existieren unterschiedliche Ansätze. Das vor 25 Jahren in Leipzig ins Leben gerufene Programm „Verrückt? Na und!“ engagiert sich bundesweit in der Prävention, unter anderem in einer 8. Klasse der Hauptschule Rüningen in Braunschweig. Auf struktureller Ebene startete im Landkreis Fürth das Pilotprojekt „AIDPlus-Klasse“ in Oberasbach.

In einer Kooperation von Schulamt und Jugendamt werden dort sechs Kinder der Klassen 1 bis 3 mit sozial-emotionalem Förderbedarf von zwei Lehrerinnen, einer Sozialpädagogin und einer Erzieherin über sechs bis zwölf Monate hinweg begleitet, um die Rückkehr in die Regelklasse zu ermöglichen.

Nach Angaben des Bayerischen Kultusministeriums benötigten im Schuljahr 2025/2026 mehr als 5.000 Kinder an Grundschulen des Bundeslandes eine entsprechende sonderpädagogische Förderung.

Auch die Schulsozialarbeit wird weiter ausgebaut. Im Saarland sind 391 Fachkräfte tätig; dort stärkt das Startchancen-Programm über seine Säule III die Sozialarbeit an 55 Schulen in herausfordernden Lagen. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot bezeichnete diesen Bereich als verlässlichen Anker zur Unterstützung junger Menschen in belastenden Lebenslagen.

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