Schulkinder-Psyche, Studien

Schulkinder-Psyche: 55 Prozent fühlen sich erschöpft und überfordert

10.06.2026 - 14:02:48 | boerse-global.de

Studien belegen steigende Belastung und Einsamkeit bei Jugendlichen. Schulen reagieren mit neuen Fächern und digitalen Regeln.

Psychische Krise bei Schülern: Immer mehr Schulen setzen auf Prävention
Schulkinder-Psyche - Jugendliche sitzen in einem modernen Klassenzimmer und diskutieren über mentale Gesundheit, mit weichem, natürlichem Licht. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Steigende Belastungswerte und neue digitale Herausforderungen setzen Schüler unter Druck. Immer mehr Schulen reagieren jetzt mit Präventionsprogrammen.

Hohe Belastungswerte und steigende Krisenängste

55 Prozent der Schulkinder in den Klassen 5 bis 10 fühlen sich erschöpft. Das zeigt der DAK-Präventionsradar vom August 2024. Rund 31,5 Prozent der Befragten leiden unter Einsamkeit. Fast die Hälfte der Schüler hat mindestens zwei gesundheitliche Beschwerden pro Woche – ein Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zu 2017/18.

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Krisenängste prägen den Alltag der Jugendlichen. Rund 75 Prozent der Befragten äußerten entsprechende Sorgen. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK ergab Ende 2024: Besonders die 14- bis 29-Jährigen fürchten psychische Erkrankungen. 54 Prozent in dieser Altersgruppe haben Angst vor einer solchen Diagnose – ein Zuwachs von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mentale Gesundheit als Schulfach

Einige Schulen reagieren mit konkreten Änderungen im Stundenplan. Am Montessori-Gymnasium in Ingolstadt gibt es seit zwei Jahren das Fach „Mentale Gesundheit“ für die fünften und sechsten Klassen. In wöchentlichen 45 Minuten lernen Schüler Strategien gegen Leistungsdruck und psychische Belastungen.

Flankiert wird der Unterricht durch Schulhunde. An der Stuttgarter Uhlandschule unterstützt ein speziell ausgebildeter Hund den Unterricht. Er fördert die Motivation und wirkt bei Prüfungsangst deeskalierend.

Auch im universitären Umfeld tut sich etwas. Audi und die TU Chemnitz kooperieren bei der Evaluation von Mental-Health-Check-ups. Die Ergebnisse zeigen eine messbare Reduktion von Belastungssymptomen bei den Teilnehmenden.

Digitale Medien als Risikofaktor

Ein wesentlicher Faktor für die Gefährdung der mentalen Gesundheit ist die Nutzung digitaler Medien. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) wies im Juni 2026 darauf hin: Rund 60 Prozent der Schüler zeigen ein suchtähnliches Nutzungsverhalten bei Smartphones und sozialen Netzwerken.

Der Verband fordert bundesweit einheitliche Regeln für die Handynutzung an Schulen. Zudem sollen suchtfördernde Mechanismen auf Plattformen für Minderjährige abgeschaltet werden. In Schleswig-Holstein gilt seit August 2025 ein Nutzungsverbot für die Klassen 1 bis 9.

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Experten identifizieren einen weiteren Wandel: die sozialen Stützsysteme verändern sich. Untersuchungen des Psychologen Leonard Kulisch aus dem Juni 2026 zeigen einen Zusammenhang zwischen abnehmender Religiosität und der Zunahme von Angststörungen bei Jugendlichen. Wo Religion früher Sinn und Gemeinschaft bot, müssen heute verstärkt Schulen und Vereine diese Aufgaben übernehmen.

KI in der Erziehung: Fluch oder Segen?

Die Digitalisierung bringt neue psychologische Fragen mit sich. Eine Studie der Pronova BKK vom Juni 2026 unter mehr als 2.000 Eltern ergab: 41 Prozent trauen der Künstlichen Intelligenz eine höhere Kompetenz bei der Vermittlung von Werten wie Empathie und Respekt zu als sich selbst.

Gleichzeitig warnen Bildungsexperten der Fernuni Hagen vor sogenannten „AI-Companions“. Die ständige positive Bestätigung durch KI-Spielzeuge könne bei Kleinkindern zu emotionaler Abhängigkeit führen. Das beeinträchtigt die Fähigkeit zur zwischenmenschlichen Beziehungsgestaltung. Fachleute stufen solche Technologien erst ab einem Alter von acht bis zehn Jahren als vertretbar ein.

Früherkennung und Forderungen nach mehr Prävention

Seit April 2025 bieten zahlreiche Arztpraxen in Deutschland spezialisierte Screenings für Kinder und Jugendliche an. Sie adressieren neben Mediensucht auch Depressionen. Hintergrund: Die Rate der Neuerkrankungen an Depressionen bei Mädchen ist seit der Pandemie um 25 Prozent gestiegen.

Bildungspolitiker und Verbände fordern angesichts dieser Daten eine verstärkte Finanzierung von Präventionsprogrammen. In der kommunalen Praxis zeigt sich jedoch ein Problem: Fördervereine müssen zunehmend finanzielle Lücken bei Zusatzangeboten schließen. Gleichzeitig erschwert der Mangel an Lehrkräften und Personalressourcen die Umsetzung ganzheitlicher Gesundheitskonzepte.

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