Schröpftherapie, Studien

Schröpftherapie: Was Studien über Wirkung und Risiken wirklich zeigen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute sehen Hinweise auf Nutzen bei einzelnen Beschwerden, doch große kontrollierte Studien fehlen und die Anwendung birgt Risiken.

Schröpftherapie: Studienlage, mögliche Wirkungen und gesundheitliche Risiken
Traditionelle Schröpfgläser aus Glas auf einer hölzernen Unterlage in einem hellen, ruhigen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Die Schröpftherapie erfährt in der Öffentlichkeit anhaltende Aufmerksamkeit als traditionelle chinesische Heilmethode. Ausgelöst unter anderem durch den Einsatz bei prominenten Leistungssportlern stehen die charakteristischen kreisrunden Hämatome auf Rücken und Schultern regelmäßig im Fokus medialer Berichte.

Während Befürworter auf eine lange Tradition und spürbare Effekte setzen, blickt die medizinische Fachwelt differenziert auf den Nutzen, die Studienlage und bestehende Risiken.

Historische Entwicklung und Behandlungsablauf

Die Schröpftherapie blickt auf eine rund 2.000-jährige Geschichte zurück. Die älteste bekannte schriftliche Überlieferung stammt von dem Daoisten Ge Hong (283–343 n. Chr.), der Tierhörner beschrieb, um damit Pusteln von der Haut abzuleiten. In Hongkong gehört das Verfahren laut Dr. Lin Zhi-xiu von der Chinesischen Universität Hongkong (CUHK) nach wie vor zum Alltag traditioneller Mediziner und wird dort von Akupunkteuren täglich praktiziert.

Bei der klassischen Behandlungsmethode werden Becher aus Glas oder Bambus verwendet. Um den erforderlichen Unterdruck zu erzeugen, wird für etwa eine Sekunde eine Flamme in das Innere des Gefäßes gehalten, bevor es auf die Haut aufgesetzt wird. Dort verbleiben die Schröpfgläser üblicherweise für 5 bis 15 Minuten.

Die Therapie kommt bei einer Vielzahl von Beschwerden zur Anwendung, darunter rheumatische Erkrankungen, Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich, Sportverletzungen, Taubheitsgefühle sowie Bauch-, Rücken-, Kopf- und Menstruationsschmerzen. Die markanten dunklen Abdrücke auf der Haut bleiben nach einer Sitzung in der Regel rund eine Woche lang sichtbar.

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Resonanz im Spitzensport und wissenschaftliche Bewertung

Öffentliche Bekanntheit erlangte die Methode vor allem durch internationale Spitzenathleten. Schwimmstar Michael Phelps nutzt das Schröpfen seit rund zwei Jahren zur körperlichen Regeneration. Auch der Turner Alexander Naddour bezeichnete die Methode als sein Geheimnis zur Leistungsförderung und griff dabei auf Do-it-yourself-Sets zurück, die für rund 30 US-Dollar erhältlich sind.

Hinsichtlich der Wirksamkeit existieren in der Fachwelt unterschiedliche Einschätzungen. Dr. Vincent Chung Chi-ho von der CUHK verweist auf klinische Evidenz bei ausgewählten Krankheitsbildern. Dazu zählen Herpes zoster, Akne, Fazialislähmungen (Bell's Palsy), Rückenschmerzen sowie die zervikale Spondylose.

Demgegenüber betonte Dr. James Hamblin in Veröffentlichungen für das Magazin The Atlantic, dass es bislang an großen kontrollierten Studien fehle, um die therapeutischen Effekte der Schröpftherapie umfassend wissenschaftlich abzusichern.

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Gesundheitliche Risiken und Warnhinweise

Das Verfahren ist nicht frei von Risiken. Bei unachtsamer Handhabung können herabtropfende Alkoholreste zu Verbrennungen auf der Haut führen. Wird der Unterdruck zu stark gewählt oder verbleiben die Becher zu lange auf derselben Körperstelle, droht zudem die Bildung von Brandblasen.

Bereits im Jahr 2010 mahnte der Hongkong Consumer Council zur Vorsicht und verwies darauf, dass es in vielen Bereichen an einer behördlichen Regulierung der Praxis fehle.

Für bestimmte Personengruppen gilt Schröpfen als ungeeignet: Wer unter hohem Fieber, Krampfanfällen, Blutungsstörungen oder entzündlichen Hautveränderungen leidet, sollte die Methode meiden. Gleiches gilt für Kinder sowie geschwächte ältere Patienten. Bei Schwangeren wird zudem davor gewarnt, die Becher im Bereich von Bauch oder unterem Rücken anzusetzen.

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