Schröpftherapie: Markt boomt auf 1,9 Milliarden Euro
27.05.2026 - 23:30:09 | boerse-global.deBranchendaten zufolge hat der Markt im Mai 2026 einen Wert von 1,9 Milliarden Euro erreicht. Grund dafür ist unter anderem eine weitreichende Gesundheitsreform in China, die traditionelle Verfahren nun offiziell in die Grundversorgung integriert.
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China setzt auf Traditionelle Chinesische Medizin
Bereits im Frühjahr 2026 hat die chinesische Regierung die Schröpftherapie in den nationalen Basiskatalog der Gesundheitsleistungen aufgenommen. Seit März müssen lokale Einrichtungen mindestens sechs verschiedene Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) anbieten. Die Schröpftherapie steht dabei im Zentrum der Initiative.
Rund 41 Prozent der Gesundheitszentren bieten diese Behandlungen inzwischen an. Insgesamt werden jährlich 28 Millionen Behandlungen durchgeführt. Die Standardisierung soll für gleichbleibende Qualität in allen Regionen sorgen – ein entscheidender Schritt weg vom reinen Wellness-Angebot hin zur anerkannten medizinischen Disziplin.
Technologie erobert die traditionelle Therapie
Besonders bemerkenswert: Der Markt für elektrische Schröpfgeräte wuchs 2025 um 27 Prozent. Die Geräte ermöglichen eine präzise Druckkontrolle und machen die Behandlung reproduzierbarer. Branchenanalysten rechnen damit, dass der globale Markt für Schröpfausrüstung bis 2035 auf 4,3 Milliarden Euro anwachsen könnte.
Doch die klinische Forschung hinkt hinterher. Zwar wird die Schröpftherapie häufig eingesetzt, doch belastbare Daten zu spezifischen Anwendungen – etwa bei Zysten oder Abszessen – sind noch rar. Eine Fallstudie aus dem März 2023 zeigte immerhin Potenzial bei der Behandlung von Abszessen und der Entfernung von Wundsekret.
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600 Jahre alte Spuren der Narkose
In diesem Zusammenhang rückt auch die Geschichte der chinesischen Chirurgie in den Fokus. Ein Forscherteam um Xue Ling von der Northwest University in Xi'an identifizierte die bislang ältesten direkten Belege für chirurgische Betäubung. Die im Fachjournal Antiquity 2026 veröffentlichte Studie untersuchte 600 Jahre alte Instrumente.
Mithilfe der stimulierten Raman-Streuung (SRS) fanden die Wissenschaftler Spuren von Aconitin – einem giftigen Alkaloid aus dem Eisenhut – auf einer chirurgischen Schere und einer Gewebezange aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Die Instrumente gehörten dem Ming-Dynastie-Arzt Xia Quan (1348–1411). Historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass solche Extrakte als Betäubungsmittel bei Eingriffen wie der Entfernung von Geschwüren dienten.
Gesundheitsreformen in ganz Asien
Die Standardisierung der Schröpftherapie ist Teil umfassender Reformen in Ost- und Südostasien. Erst am Dienstag kündigte der chinesische Staatsrat eine grundlegende Änderung der Krankenversicherung an: Statt an den Meldeort wird die Leistung künftig an den Wohnort gekoppelt. Kinder von Wanderarbeitern erhalten damit denselben Zugang zu ambulanter und chronischer Versorgung wie Einheimische.
Auch Vietnam zieht nach. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte neue Richtlinien zur Umsetzung des Krankheitspräventionsgesetzes. Ab dem 1. Juli übernimmt der Staat 100 Prozent der Betriebskosten für Präventionseinrichtungen. Dazu gehören die Einführung elektronischer Patientenakten und der Ausbau regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen.
Revolution in der Krebsdiagnostik
Die Integration moderner Technologie in die medizinische Routine zeigt sich auch bei Diagnoseverfahren. Forscher der Westlake University und der Xiamen University veröffentlichten am 13. Mai 2026 eine Studie in Nature Photonics. Sie präsentierten ein handtellergroßes Gerät zur Lungenkrebserkennung, das extrazelluläre Vesikel aus einem einzigen Blutstropfen analysiert.
In klinischen Tests mit 170 Proben erreichte das Gerät eine Genauigkeit von 95 Prozent. Herkömmliche Tests kommen auf etwa 75 Prozent. Die Empfindlichkeit des neuen Chips ist bis zu 10.000 Mal höher. Noch befindet sich das Gerät im Prototypenstadium, doch die Kosten pro Chip werden auf rund fünf Euro geschätzt.
Ausblick: Tradition trifft auf Regulierung
Der Markt für Schröpftherapie wächst, und die formale Integration in nationale Gesundheitssysteme deutet auf eine reifende Industrie hin. In China wird die Gesundheitsinfrastruktur rasant ausgebaut – eine alternde Bevölkerung und eine Mittelschicht von über 400 Millionen Menschen treiben die Nachfrage. Bis November 2026 sollen 350 neue gemeindenahe Blutdialysezentren entstehen.
Mit der Eingliederung traditioneller Therapien in diese Infrastruktur rücken strenge Standards und die Digitalisierung von Gesundheitsdaten in den Fokus. Sollte sich die Prognose bewahrheiten und sich der Markt bis 2035 mehr als verdoppeln, sind verstärkte Investitionen in klinische Forschung und die nächste Generation therapeutischer Geräte zu erwarten. Die Verbindung jahrhundertealter medizinischer Traditionen mit moderner Regulierung läutet eine neue Ära für alternative Medizin ein.
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