Schmerztherapie: 90% erhalten nur Medikamente statt Alternativen
17.06.2026 - 23:26:48 | boerse-global.de
Nicht-medikamentöse Therapien spielen eine untergeordnete Rolle – obwohl Fachleute großes Potenzial sehen.
Studie belegt: Kaum Alternativen zu Pillen und Spritzen
Eine Studie der Medizinischen Universität Graz, Mitte Juni 2026 im Fachjournal „Pain Management Nursing“ erschienen, zeigt die Zahlen. Die Forscher analysierten Daten von 2.118 Patienten mit akuten und 955 Patienten mit chronischen Schmerzen aus den Jahren 2021 bis 2023.
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Das Ergebnis: 90 Prozent der Akutpatienten und 86 Prozent der chronisch Schmerzkranken erhielten Analgetika. Die Wirkstoffwahl unterscheidet sich je nach Schmerzart. Bei akuten Beschwerden kommen häufiger nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz, bei chronischen Schmerzen greifen Ärzte vermehrt zu Opioiden.
Alternative Methoden? Fehlanzeige. Physiotherapie bekamen rund 40 Prozent der Patienten. Entspannungstechniken oder komplementärmedizinische Ansätze erreichten weniger als zehn Prozent. Die Studienautoren sprechen von einer „überwiegenden Abhängigkeit von Medikamenten“.
Chronische Schmerzpatienten: Älter, kränker, komplexer
Die Patientendaten zeigen deutliche Unterschiede. Chronisch Schmerzkranke sind im Schnitt 73 Jahre alt, Akutpatienten 66. Sie sind häufiger pflegebedürftig und leiden öfter unter Begleiterkrankungen. 46 Prozent der chronischen Patienten haben Herz-Kreislauf-Probleme – bei Akutpatienten sind es 33 Prozent.
Das macht die Behandlung komplex. Bei älteren Patienten müssen Ärzte Wechselwirkungen und Vorerkrankungen besonders sorgfältig abwägen.
Cannabis-Medikament erhält Zulassung
Parallel zur aktuellen Studienlage gibt es neue Entwicklungen. Anfang Juni 2026 erteilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung für Exilby – ein cannabisbasiertes Fertigarzneimittel des Münchner Unternehmens Vertanical. Es ist für chronische Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente gedacht.
In einer Phase-3-Studie mit 820 Teilnehmern zeigte sich eine Schmerzreduktion von 1,9 Punkten auf einer Skala. Die Placebogruppe erreichte 1,4 Punkte. Der Hersteller betont: Es besteht kein nachweisbares Abhängigkeitspotenzial. Allerdings brachen 17 Prozent der Teilnehmer die Studie wegen Nebenwirkungen ab. Die Markteinführung ist für September 2026 in Deutschland und Österreich geplant.
Personalkrise als Risikofaktor
Die Belastung des Klinikpersonals rückt zunehmend in den Fokus. Der Verein „Second Victim“, gegründet im Mai 2021, macht auf die Folgen kritischer Ereignisse im Gesundheitswesen aufmerksam. In Österreich geben 80 Prozent der befragten Gesundheitsmitarbeiter an, von Belastungen betroffen zu sein. 70 Prozent kennen den Fachbegriff für solche Traumatisierungen nicht.
Studien deuten darauf hin: Überlastete Pflegekräfte gefährden Patienten. Pro zusätzlicher Belastungseinheit steigt das Sterberisiko um etwa sieben Prozent.
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Regionale Zentren bauen aus
Während große Kliniken nach neuen Strategien suchen, erweitern regionale Versorgungszentren ihr Angebot. Das Regionale Versorgungszentrum Wesermarsch in Nordenham stockte im Frühsommer 2026 das Personal in Schmerztherapie und Gynäkologie auf – für eine bessere wohnortnahe Versorgung.
Auch kreative Ansätze gewinnen an Bedeutung. Das Projekt „farbRaum“ am UniversitätsKrebszentrum Göttingen bietet Patienten und Angehörigen künstlerische Betätigung zur Krankheitsbewältigung. Das Angebot ist kostenfrei und ohne klinische Anmeldung zugänglich – eine echte Alternative zur reinen Pharmakotherapie.
