Schmerzpflaster, Studie

Schmerzpflaster: Studie mit 265 Patienten zeigt Vorteile von Lidocain

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lidocain-, Capsaicin- und Opioidpflaster unterscheiden sich in Wirkung, Anwendungsdauer und geeigneten Schmerzformen.
Ein minimalistisch gestalteter Behandlungsraum in einer medizinischen Praxis mit hellem Tageslicht auf einem Untersuchungstisch. Illustration mit AI erstellt.

Fachbeiträge und medizinische Ratgeber beleuchten zunehmend die Funktionsweise sowie das therapeutische Potenzial transdermaler Pflaster zur gezielten Linderung lokaler Schmerzen und Entzündungsprozesse. Diese Applikationsformen ermöglichen die kontinuierliche Abgabe verschiedener Wirkstoffe direkt über die Haut und stellen bei unterschiedlichen Indikationen eine Alternative oder Ergänzung zu oralen Schmerzmitteln dar.

Differenzierte Wirkstoffe für lokale und systemische Effekte

Das Spektrum der verfügbaren Pflaster reicht von rezeptfreien Varianten für leichte bis mittlere Schmerzen bis hin zu verschreibungspflichtigen Präparaten für schwere Schmerzzustände. Die typische Wirkdauer beträgt 12 bis 24 Stunden pro Pflaster.

Während rezeptfreie Produkte wie Icy Hot oder Salonpas häufig Substanzen wie Methylsalicylat oder kühlendes Levo-Menthol enthalten, nutzen andere Formulierungen wärmendes Capsaicin, Lidocain oder pflanzliche Komponenten.

Kühlende Wirkstoffe führen zu einer Gefäßverengung, die Schwellungen entgegenwirkt. Wärmeentwickelnde Substanzen wie Capsaicin erweitern hingegen die Gefäße und tragen zur Muskelentspannung bei.

Topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac hemmen die Prostaglandinsynthese bei muskuloskelettalen Beschwerden und weisen eine geringere systemische Resorption auf als orale NSAR. Dies kann auch bei spezifischen Erkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes zur lokalen Behandlung von Muskel- und Gelenkbeschwerden genutzt werden, während systemische NSAR nur kurzzeitig nach ärztlicher Rücksprache erwogen werden sollten. Systemisch wirkende Opioidpflaster mit Substanzen wie Fentanyl oder Buprenorphin bleiben hingegen schweren chronischen Schmerzzuständen vorbehalten.

Lidocain-Pflaster bei neuropathischen und muskuloskelettalen Beschwerden

Verschreibungspflichtige Pflaster mit dem Lokalanästhetikum Lidocain sind in Stärken von 5 % sowie 1,8 % verfügbar. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Lidocain-Pflaster – darunter das Präparat Lidoderm – für die postherpetische Neuralgie zugelassen.

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Der Wirkstoff blockiert spannungsgesteuerte Natriumkanäle in peripheren A-Delta- und C-Schmerzfasern, wodurch Schmerzsignale unterdrückt werden. Die systemische Wirkstoffkonzentration liegt dabei meist unter 5 %, da der Magen-Darm-Trakt und der hepatische First-Pass-Metabolismus umgangen werden.

Die kontinuierliche Wirkstofffreisetzung erfolgt über 12 Stunden. Eine Hydrogelmatrix mit PET-Träger gewährleistet eine gleichmäßige Verteilung der 5%igen Konzentration, spendet Feuchtigkeit mit einer Wasserspeicherkapazität bis zum 1000-fachen des Trockengewichts und bietet mechanischen Schutz vor Berührungsreizen (Allodynie).

Eine Studie mit 265 Patienten mit postherpetischer Neuralgie zeigte, dass 5%ige Lidocain-Pflaster nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch die Schlaf- und Lebensqualität durch mehr Autonomie bei Routineaufgaben verbessern. Zudem traten weniger Nebenwirkungen auf als bei oralen Therapien. Dies gilt als vorteilhaft für ältere Menschen mit Polypharmazie.

Neben neuropathischen Beschwerden werden Lidocain-Pflaster auch bei chronischen Kreuzschmerzen und bis zu 10 Tage nach Verletzungen wie Verstauchungen, Zerrungen oder Sonnenbrand genutzt. Für diffuse Beschwerdebilder wie Fibromyalgie sind sie hingegen ungeeignet.

Capsaicin-, Wärme- und Langzeit-Opioidtherapien

Capsicum-Pflaster nutzen Capsaicinoide aus Chilischoten in Konzentrationen von üblicherweise 0,025 % bis 0,1 %. Über eine Tragedauer von 8 bis 12 Stunden entfalten sie eine duale Wirkung: Sie fördern die Durchblutung zum Abtransport von Milchsäure und führen zu einer Verarmung des Schmerzbotenstoffs Substanz P. In einer Studie berichteten 12 Patienten (7,5 %) über lokale Hautreaktionen wie Reizungen und Rötungen, verglichen mit 5 Patienten (3,1 %) in der Placebogruppe; systemische Nebenwirkungen blieben aus.

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Moxibustionspflaster nutzen die chemische Oxidation von Eisen zur Wärmeerzeugung (4Fe + 3O? ? 2Fe?O?). Sie halten ohne Stromzufuhr Temperaturen von 40 bis 50 °C über mindestens 8 Stunden und aktivieren pflanzliche Extrakte wie Beifuß, Ingwer und Menthol.

Für schwere, chronische Schmerzen, die eine kontinuierliche Langzeittherapie erfordern, stehen Buprenorphin-Pflaster bereit. Als partielle Opioid-Agonisten geben sie den Wirkstoff über eine Woche transdermal ab, sorgen für stabile Blutspiegel und reduzieren gastrointestinale Begleiterscheinungen. Sie eignen sich für Patienten mit Schluckbeschwerden oder unzureichendem Ansprechen auf andere Schmerzmittel, sind jedoch bei akuten Schmerzen und Opioid-naiven Patienten kontraindiziert.

Medizinische Schmerzpflaster dürfen grundsätzlich nicht auf verletzter Haut, nicht zusammen mit Wärmepads und nicht bei Kindern unter 16 Jahren angewendet werden. Bei pflanzlichen Produkten sind zudem mögliche Wechselwirkungen mit Blutverdünnern zu beachten.

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