Schlaganfalltherapie: 69,4 statt 50 Prozent mit exzellentem Ergebnis
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung des leichten akuten ischämischen Schlaganfalls steht vor neuen klinischen Impulsen. Eine im Fachjournal New England Journal of Medicine, dessen Impact Factor für 2025 bei 84,5 liegt, online publizierte randomisierte kontrollierte Studie liefert differenzierte Daten zur mechanischen Rekanalisation.
Die sogenannte MILD-MT-Studie untersucht unter dem Titel einer Studie zur endovaskulären Therapie bei leichtem Schlaganfall mit Großgefäßverschluss, ob dieser kathetergestützte Eingriff der alleinigen medikamentösen Standardtherapie überlegen ist.
Geleitet wurde die Untersuchung von einem Team um Chen Wenhui vom Fujian Medical University Union Hospital, Yi Tingyu vom Zhangzhou Municipal Hospital sowie Liu Jianmin vom Shanghai Changhai Hospital.
Methodischer Aufbau an 26 Schlaganfallzentren
Die wissenschaftliche Erhebung erstreckte sich über eine Gesamtlaufzeit von 35 Monaten und wurde an 26 Comprehensive Stroke Centern in China durchgeführt. Insgesamt prüften die Studienärzte 638 Patienten auf ihre Eignung. Eingeschlossen wurden Personen mit leichten Schlaganfällen infolge eines vorderen Großgefäßverschlusses innerhalb eines Zeitfensters von 24 Stunden nach einer Perfusionsbildgebung.
Von den 304 randomisierten Teilnehmern gingen 300 in die modifizierte Intention-to-Treat-Analyse ein. Dabei erhielten 144 Patienten die endovaskuläre Therapie, während 156 Teilnehmer der Kontrollgruppe mit der besten medikamentösen Therapie versorgt wurden.
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Für die Provinz Fujian markiert die Veröffentlichung einen regionalen Meilenstein: Für Yi Tingyu, der als Co-Erst- und Co-Korrespondenzautor fungiert, handelt es sich um die erste klinische randomisierte kontrollierte Studie aus dieser Region, die in dem renommierten Fachblatt erschienen ist.
Funktionelle Ergebnisse und klinisches Sicherheitsprofil
Die Auswertung der MILD-MT-Studie belegt eine signifikante Verbesserung der funktionellen Behandlungsergebnisse nach einem Beobachtungszeitraum von 90 Tagen. Ein exzellentes klinisches Ergebnis, definiert als Wert von 0 oder 1 auf der modifizierten Rankin-Skala, erreichten 69,4 Prozent der Patienten in der Interventionsgruppe gegenüber 50,0 Prozent unter der besten medikamentösen Therapie.
Das Studienteam hob hervor, dass unter der endovaskulären Versorgung mehr Patienten eine dauerhafte Behinderung abwenden und ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen konnten. Zudem verringerte der Eingriff das Risiko einer frühen neurologischen Verschlechterung innerhalb von sieben Tagen.
Gleichzeitig bewerteten die Wissenschaftler die behandlungsbedingten Risiken systematisch. Bei den symptomatischen intrakraniellen Blutungen innerhalb von 48 Stunden zeigte sich kein Unterschied: In beiden Gruppen traten jeweils 3 Fälle auf. Schwere verfahrensbedingte Komplikationen registrierten die Behandler bei 13,2 Prozent der mit einem Gefäßeingriff versorgten Patienten; in dieser Interventionsgruppe ereignete sich ein Todesfall.
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Relevanz für Versorgung und Leitlinien
Die epidemiologische Bedeutung der Fragestellung ist beträchtlich. Nach Angaben des Studienteams erleiden in China jährlich circa 4,1 Millionen Menschen einen Schlaganfall. Leichte Verläufe machen dabei rund 20 Prozent aller Fälle aus. Eine besondere Herausforderung in der Praxis bleibt die Zeitverzögerung: Fast die Hälfte der Patienten erreicht eine spezialisierte Klinik erst nach Ablauf von 24 Stunden.
Die Autoren verbinden mit den Resultaten konkrete Erwartungen an die klinische Praxis. Das Ergebnis der MILD-MT-Studie soll als Grundlage für künftige internationale Leitlinienaktualisierungen dienen und hat nach Einschätzung des Forschungsteams das Potenzial, etablierte Behandlungspfade weltweit neu zu definieren.
