Schlaganfall-Training, Studie

Schlaganfall-Training: Studie mit 50 Patienten zeigt Grenzen des Computertrainings

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Akute Verwirrtheit erschwert die Erholung; Studien zeigen Grenzen einzelner Trainingsansätze und betonen alltagsnahe Rehabilitationsziele.
Ein minimalistisches, leeres Krankenzimmer mit weichem Tageslicht und neutralen Farben. Illustration mit AI erstellt.

Das Post-Stroke-Delir (PSD) zählt zu den wesentlichen neurokognitiven Komplikationen in der Akutphase eines Schlaganfalls. Wie ein Fachbeitrag in der Zeitschrift internistische praxis (2026; 70 (2): 242–255) darlegt, geht die akute Verwirrtheit nicht nur mit einer erhöhten Mortalität einher, sondern beeinträchtigt auch die funktionelle Erholung maßgeblich und begünstigt kognitive Langzeitfolgen.

Klinisches Bild und komplexe Pathophysiologie

Mediziner beschreiben das PSD als klinischen Phänotyp einer akuten Enzephalopathie, die durch eine globale, dynamische Störung der Hirnfunktion bedingt ist und über das rein fokale neurologische Defizit hinausgeht. Die zuverlässige Diagnosestellung gestaltet sich im klinischen Alltag häufig schwierig, da begleitende Symptome wie Aphasie, Neglect, Dysarthrie oder allgemeine Vigilanzstörungen die Erfassung erschweren.

Hinsichtlich der pathophysiologischen Mechanismen verweisen die Autoren auf ein Zusammenspiel aus vorbestehender zerebraler Vulnerabilität, der akuten fokalen Läsion, funktionellen Netzwerkstörungen sowie Neuroinflammation und autonom-endokrinem Stress.

Neben diesen strukturellen Faktoren spielen modifizierbare Auslöser eine zentrale Rolle: Schmerzen, Infektionen, liegende Blasenkatheter, gestörte Schlaf-Wach-Rhythmen, Immobilität und der Einsatz delirogener Medikation begünstigen das Auftreten des Delirs.

Wissenschaftlich bleibt dabei bislang ungeklärt, ob das Delir selbst als direkte Ursache, als reiner Marker oder als aktiver Verstärker einer dauerhaften kognitiven Beeinträchtigung nach einem Schlaganfall fungiert.

Diagnostische Hürden und Ansätze in der Rehabilitation

Die Bandbreite kognitiver Folgen verdeutlicht auch ein Fallbericht aus Phú Th? über einen 40-jährigen Mann. Trotz erhaltener Gehfähigkeit traten bei dem Patienten ausgeprägte Defizite im Kurzzeitgedächtnis, in der Aufmerksamkeit, der Sprache sowie bei Planungs- und Problemlösungsprozessen auf.

Ein kognitives Screening mittels des MoCA-Tests zeigte zunächst ein Ergebnis von 16/30 Punkten, das sich nach einer einwöchigen Intervention auf 19/30 Punkte verbesserte.

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Fachleute betonen in diesem Zusammenhang, dass Screening-Instrumente wie der MoCA-Test eine differenzierte neuropsychologische Diagnostik nicht ersetzen können. Für eine nachhaltige Besserung sei eine ganzheitliche Rehabilitation erforderlich, die gezielt Gedächtnis, Konzentration, Sprache und Denkleistungen adressiert.

Mit spezifischen Trainingsmethoden befasst sich ein Fachbeitrag auf strokeriha.com. Das Arbeitsgedächtnis – definiert als das kurzzeitige Halten und simultane Bearbeiten von Informationen – müsse klar von Aufmerksamkeit, Aphasie, visuell-räumlicher Wahrnehmung und Exekutivfunktionen abgegrenzt werden.

Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 50 chronischen Schlaganfallpatienten ergab, dass ein adaptives Computertraining zwar Verbesserungen in einzelnen Selbstberichten erzielte, ein nicht-adaptives Training hinsichtlich instrumenteller Alltagsaktivitäten jedoch nicht übertraf.

Da systematische Übersichten eine erhebliche Heterogenität bei Aufgaben und Stichproben aufzeigen, plädieren Experten dafür, in Studien künftig vermehrt konkrete Alltagsaufgaben als primäre Endpunkte heranzuziehen anstatt sich ausschließlich auf Testwerte zu stützen.

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Betroffenheit jüngerer Patienten und regionale Versorgungsangebote

Schlaganfälle und ihre kognitiven Folgeerscheinungen betreffen zudem keineswegs nur das higher Lebensalter. Auf einer Pressekonferenz bei Tatar-inform berichtete Artur Kurbanov vom Republikanischen Klinischen Krankenhaus (RKB) Tatarstan, dass zunehmend Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 35 und 50 Jahren betroffen seien; der jüngste dort behandelte Patient sei 18 Jahre alt gewesen.

Der Verlauf sei bei jungen Menschen häufig atypisch, ungewöhnlich und stehe oft mit Grunderkrankungen in Verbindung. Die ersten Tage und Wochen nach dem Ereignis wiesen eine hohe stationäre Letalität auf. Aufgrund ihres größeren funktionellen Hirnreservats besäßen jüngere Patienten bei Überstehen der Akutphase jedoch bessere Chancen auf eine neurologische Erholung.

Um Betroffene und Angehörige über die Herausforderungen nach dem Akutereignis aufzuklären, veranstalten die Neurologische Klinik des Rems-Murr-Klinikums, die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Rems-Murr und die Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich des Weltschlaganfalltags am 29. Oktober um 17 Uhr einen Vortrags- und Erfahrungsaustausch.

Dominik Schreiber, Oberarzt und Leiter der dortigen Stroke Unit, thematisiert in der Cafeteria „Auszeit“ im Klinikum Winnenden unter anderem kognitive Beeinträchtigungen sowie Depressionen infolge eines Schlaganfalls.

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