Schlafstörungen, Psychische

Schlafstörungen: Psychische Leiden verdrängen Atemwegserkrankungen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 17:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehr Schüler kämpfen mit Erschöpfung und Schlafmangel, während psychische Diagnosen bei Beschäftigten erstmals die meisten Fehltage verursachen.

Schlafprobleme und psychische Leiden nehmen in Deutschland zu
Ein ungemachtes Bett in einem ruhig beleuchteten Schlafzimmer bei Dämmerung, das eine Atmosphäre von Erschöpfung und Stille vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland leidet unter Schlafproblemen. Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten im Job.

Die Ergebnisse des diesjährigen DAK-Präventionsradars zeichnen ein alarmierendes Bild. Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung (IFT-Nord) befragte mehr als 30.000 Schulkinder der Klassen fünf bis zehn. Das Ergebnis: Erschöpfung und Schlafmangel gehören für viele zum Alltag.

Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein. Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei rund 52 Prozent. Die Krankenkasse warnt vor den Folgen: Schlafmangel und Erschöpfung verschlechtern die Lernvoraussetzungen massiv.

Psychische Erkrankungen verdrängen Atemwegserkrankungen

Die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen ist Teil eines größeren Trends. Daten aus dem ersten Halbjahr zeigen eine historische Verschiebung im Krankheitsgeschehen der Erwerbstätigen.

Erstmals sind psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Fehlzeiten in Deutschland. Sie haben Atemwegserkrankungen von der Spitzenposition verdrängt. Eine Analyse der DAK-Gesundheit auf Basis von rund 2,2 Millionen Versicherten belegt: Die Krankschreibungen wegen psychischer Leiden stiegen im ersten Halbjahr um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Pro 100 Versicherte fielen dadurch 184 Fehltage an.

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt den Trend. Für das erste Quartal meldet sie eine Zunahme der Fehlzeiten bei Diagnosen wie Depressionen oder Angststörungen auf durchschnittlich 0,99 Tage je Erwerbsperson. In den Vorjahren lag der Wert bei 0,92 Tagen.

Generation Z besonders betroffen

Wie dramatisch die langfristige Entwicklung ist, zeigen Analysen der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Sie wertete Daten bis zum Jahr 2024 aus. Das Ergebnis: Die ambulanten Diagnosen für psychisch bedingte Schlafstörungen stiegen innerhalb eines Jahrzehnts um 73,5 Prozent.

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Besonders hart trifft es die sogenannte Generation Z. Bei den 25- bis 29-Jährigen verzeichnete die Kasse ein Plus von 113 Prozent im Zehnjahresvergleich.

Fachleute für psychiatrische Fragen führen diese Entwicklung auf mehrere Faktoren zurück. Hohe psychische Belastungen, wirtschaftliche Unsicherheit und soziale Ungleichheiten spielen eine Rolle. Hinzu kommt ein „Dauerkrisen-Modus" durch globale Konflikte und den Klimawandel.

Auch das digitale Nutzungsverhalten schlägt sich nieder. Etwa 28 Prozent der Befragten gaben in Online-Befragungen an, schlechter einzuschlafen, wenn sie unmittelbar vor der Nachtruhe Smartphones oder Tablets nutzen.

Jeder dritte Erwachsene schläft schlecht

Das Robert Koch-Institut (RKI) liefert in seinem Panel zur Gesundheit in Deutschland umfassende Zahlen. Im Vergleich zum Zeitraum 2008 bis 2011 stieg die Prävalenz von Schlafproblemen bei Erwachsenen bis 2024 von rund 30 Prozent auf gut 35 Prozent.

In der aktuellsten Auswertung berichteten fast 32 Prozent der Befragten von Durchschlafstörungen. Etwa 16 Prozent klagen über Einschlafprobleme. Besonders häufig betroffen sind Frauen und Personen aus niedrigeren Bildungsgruppen.

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Die Mediziner des RKI betonen die Public-Health-Relevanz dieser Entwicklung. Chronische Schlafstörungen gelten als erheblicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwerwiegende psychische Störungen.

Lange Ausfälle, lange Wartezeiten

Die gesundheitliche Krise hat wirtschaftliche Folgen. Psychische Erkrankungen führen nicht nur zu häufigeren, sondern vor allem zu überdurchschnittlich langen Ausfallzeiten.

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) ermittelte für das vergangene Jahr eine durchschnittliche Dauer von 28,5 Tagen je Fall bei psychischen Diagnosen. Das ist der höchste Wert unter allen Krankheitsgruppen.

Gleichzeitig bleibt die Versorgung angespannt. Fachverbände weisen darauf hin, dass die Wartezeiten für einen Therapieplatz im bundesweiten Durchschnitt weiterhin bei etwa 20 Wochen liegen können.

Angesichts der steigenden Zahlen fordert die Krankenkassen-Leitung verstärkte Präventionsinitiativen. Der Fokus soll auf Schulen und Betrieben liegen, um die Gesundheitskompetenz zu fördern und Schlafprobleme frühzeitig abzuklären.

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