Schlafstörungen in den Wechseljahren: 9,4 Milliarden Euro Ausfälle
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchlafstörungen gehören zu den verbreitetsten und am stärksten belastenden Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Nach Angaben des American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) berichten zwischen 16 und 66 Prozent der Frauen in den USA über menopausenbedingte Schlafprobleme.
Internationale Fachgesellschaften und aktuelle Erhebungen verdeutlichen, dass veränderte Schlafmuster nicht erst nach dem Ausbleiben der Periode einsetzen, sondern den Alltag von Millionen Betroffenen über Jahre hinweg beeinträchtigen.
Erhöhte Risiken bereits in der Perimenopause
Erste Ergebnisse der französischen Climatere-Studie am Hôpital Foch de Suresnes unter Leitung von Dr. Alexandre Vallée, die bei den Assises nationales de la ménopause am PariSanté Campus in Paris vorgestellt wurden, quantifizieren diesen Effekt.
Die Analyse von über 4.000 Frauen – darunter 1.682 nicht-menopausale, 486 perimenopausale und 1.972 menopausale Teilnehmerinnen – ergab, dass 27,3 Prozent der menopausalen Frauen unter häufigen Schlafstörungen leiden.
In der Perimenopause liegt die Wahrscheinlichkeit für derartige Störungen etwa doppelt so hoch wie bei Frauen vor den Wechseljahren, was einem Anstieg von 13,3 zusätzlichen Fällen pro 100 Frauen entspricht.
Zudem haben Frauen in der Perimenopause eine um 66 Prozent höhere Chance auf die schwerste Symptomlast als nicht-menopausale Frauen, während dieser Wert nach der Menopause bei 24 Prozent liegt. Das Risiko für Schlafstörungen blieb auch nach Herausrechnung vasomotorischer Beschwerden um 52 Prozent erhöht.
Als verstärkende Faktoren identifizierte die Untersuchung Einsamkeit, die mit einer um 68 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für eine schwere Symptomlast einherging, sowie das Vorliegen von mindestens drei ungünstigen Lebensstilfaktoren, was das Risiko um 93 Prozent steigerte. Langfristig soll die Climatere-Studie mehr als 100.000 Teilnehmerinnen über mindestens zehn Jahre begleiten.
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Die spanische Schlafgesellschaft Sociedad Española de Sueño (SES) beziffert den Anteil der Frauen mit Veränderungen des nächtlichen Ruhemusters auf 40 bis 60 Prozent. Diese Störungen können sich bereits zwei bis acht Jahre vor der eigentlichen Menopause manifestieren und erreichen ihren Höchststand oft kurz vor dem endgültigen Menstruationsende.
Nach der Menopause nehme zudem die Häufigkeit schlafbezogener Atmungsstörungen zu. Eine Schweizer Gynäkologin am Inselspital Bern verwies darauf, dass 50 bis 60 Prozent der Frauen in den Wechseljahren von Schlafstörungen und rund 80 Prozent von Hitzewallungen betroffen sind, wobei letztere durchschnittlich 7,4 Jahre anhalten.
Folgen für Leistungsfähigkeit und Berufsleben
Die Auswirkungen auf den Alltag sind erheblich. Eine Umfrage des Instituts AstraRicerche für Bayer Italia unter 1.000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren zeigte, dass 40,7 Prozent an mittelschweren bis schweren Schlafstörungen und 37,3 Prozent an entsprechenden Hitzewallungen litten.
Rund 62,4 Prozent dieser Frauen schränkten Aktivitäten ein oder gaben sie ganz auf; im Schnitt verzeichneten sie im vorangegangenen Monat 4,2 beeinträchtigte Tage. Bei Betroffenen mit mindestens vier schlechten Nächten pro Woche klagten 56 Prozent über Konzentrationsprobleme. Obwohl 92,5 Prozent Mittel gegen Schlafstörungen ausprobierten, nutzten nur 9,3 Prozent eine ärztlich verordnete Therapie.
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In Deutschland, wo rund 9 bis 11 Millionen Frauen in den Wechseljahren leben und etwa ein Drittel schwere Symptome angibt, schlägt sich dies auch ökonomisch nieder.
Die MenoSupport-Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin mit 2.119 berufstätigen Frauen ergab, dass fast ein Viertel der Befragten die Arbeitszeit reduzierte und knapp ein Drittel krankgeschrieben war oder unbezahlten Urlaub nahm. Die geschätzten volkswirtschaftlichen Ausfälle belaufen sich auf rund 9,4 Milliarden Euro sowie fast 40 Millionen Arbeitstage pro Jahr.
Empfehlungen und therapeutische Optionen
Für die Behandlung chronischer Schlafstörungen empfehlen Schlafmediziner der SES als erste Option die kognitive Verhaltenstherapie. Ergänzend kommen kurzzeitig Benzodiazepine oder Nicht-Benzodiazepin-Hypnotika sowie Wirkstoffe wie Daridorexant oder retardiertes Melatonin infrage.
Das ACOG formulierte in seiner klinischen Leitlinie Richtlinien für den Einsatz von Hormontherapien: Diese werden vor dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von zehn Jahren nach Beginn der spontanen Menopause empfohlen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.
Als nicht-hormonelle Alternativen nennt die Leitlinie Neurokinin-Rezeptor-Antagonisten wie Fezolinetant und Elinzanetant sowie bestimmte Antidepressiva. Phytoöstrogene und freiverkäufliche pflanzliche Präparate werden hingegen aufgrund unzureichender Evidenz nicht unterstützt.
