Schlafstörungen: 49% der Schüler leiden – White Noise verstärkt Risiko
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der pädiatrischen Fachwelt wächst die Besorgnis über die Auswirkungen von akustischen Einschlafhilfen auf die kindliche Entwicklung. Ursula Felderhoff-Müser von der Uniklinik Essen warnt laut einem Bericht vom 14. September 2026 vor dem Einsatz von sogenanntem White Noise bei Kindern.
Für einen positiven Effekt dieser konstanten Rauschgeräusche gebe es keine wissenschaftlichen Belege; vielmehr könne die kontinuierliche Lärmbelastung die Entwicklung stören.
Gefahren durch White-Noise-Maschinen und Baby-Apps
Untersuchungen zu speziellen White-Noise-Geräten und entsprechenden Smartphone-Apps zeigen laut Berichten vom September 2026, dass diese Hilfsmittel oft eine Gefahr für Säuglinge darstellen. Die Geräte seien in vielen Fällen deutlich zu laut eingestellt.
Teils wurden Lautstärken gemessen, die über den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsplatzgrenzwerten liegen. Da Babys häufig zwischen 10 und 12 Stunden schlafen, drohe eine übermäßig lange Lärmexposition. Als risikoarme Alternativen empfehlen Fachleute sanfte Musik, das Singen von Schlafliedern oder natürliche Atemgeräusche der Eltern.
Zunehmende Schlafstörungen und Erschöpfung
Die Warnung vor ungeeigneten Einschlafhilfen steht im Kontext einer sich verschlechternden gesundheitlichen Verfassung bei Schülern. Der DAK-Präventionsradar für das Schuljahr 2025/2026, für den rund 30.000 Kinder und Jugendliche der Klassenstufen 5 bis 10 befragt wurden, verdeutlicht die Problematik. Demnach leiden 49 Prozent der Befragten unter Schlafstörungen. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2019/20 lag dieser Wert noch bei 36 Prozent.
Zudem geben 69 Prozent der Jugendlichen an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein – vor drei Jahren lag dieser Anteil noch bei 52 Prozent. Auch das allgemeine Wohlbefinden ist rückläufig. Laut der Erhebung blicken nur noch 57 Prozent der Kinder und Jugendlichen positiv in die Zukunft, während es im Vorjahr noch 62 Prozent waren.
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DAK-Chef Andreas Storm sieht hierbei einen Zusammenhang zu den schwachen Ergebnissen der Pisa-Studie 2025. Kinderärzte-Präsident Michael Hubmann führt die Schlafprobleme zudem auf eine übermäßige oder zu späte Mediennutzung zurück.
Psychische Belastungen und soziale Medien
Neben Schlafdefiziten prägen psychische Erkrankungen das Bild. Ein markantes Beispiel für die Schwere solcher Störungen ist die öffentliche Schilderung von Nika Röffen.
Die 21-Jährige berichtete im September 2026 über ihre seit dem 14. Lebensjahr bestehende Zwangsstörung. Diese äußerte sich in „magischem Denken“ und Handlungen, die sie bis zu 200-mal wiederholen musste, was die Nahrungsaufnahme teils um mehrere Stunden verzögerte. Nach einer einjährigen Klinikbehandlung setzt sie ihr Studium nun in Berlin fort und nimmt weiterhin regelmäßig therapeutische Hilfe in Anspruch.
Allgemeine Daten stützen die Beobachtung steigender psychischer Belastungen. Eine Barmer-Auswertung der Sinus-Jugendstudie vom Herbst 2025 zeigt, dass 33 Prozent der 14- bis 17-Jährigen stark durch Schulstress beeinträchtigt sind.
Laut dem Institut für Psychische Gesundheit erfüllen etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 18 Jahren die Kriterien für mindestens eine psychiatrische Störung.
Ein wesentlicher Faktor scheint die digitale Nutzung zu sein. Eine gemeinsame Studie der DAK und des UKE Hamburg beziffert den Anteil social-media-süchtiger Jugendlicher auf 6,6 Prozent, was rund 360.000 Betroffenen entspricht. Über 1,4 Millionen Jugendliche zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten.
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Defizite in der Gesundheitskompetenz und Diagnostik
Trotz des hohen Leidensdrucks bestehen strukturelle Probleme in der Versorgung und Prävention. In Thüringen sanken die ADHS-Neudiagnosen im Jahr 2024 zwar um 9 Prozent auf rund 3.800 Fälle, während sie bundesweit um 16 Prozent stiegen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Thüringen warnt jedoch davor, dies als Entspannung zu werten. Vielmehr seien Diagnostikplätze aus Kapazitätsgründen knapp.
Gleichzeitig mangelt es an Basiswissen: Laut DAK-Präventionsradar verfügen 9 von 10 Schulkindern nicht über eine ausreichende Gesundheitskompetenz. DAK-Chef Andreas Storm fordert daher, Gesundheit als festen Bestandteil in die schulische Bildung zu integrieren.
Auch erste pädagogische Beobachtungen, etwa aus der Region Trier, stützen den Ruf nach früherer Förderung. Dort berichten Lehrkräfte vermehrt über Erstklässler, die grundlegende motorische Fertigkeiten wie das Binden von Schuhen oder den Umgang mit Scheren nicht mehr beherrschen.
