Schlafmangel, Moleküle

Schlafmangel: Zehn Moleküle im Speichel verraten Übermüdung

14.06.2026 - 09:51:09 | boerse-global.de

Forschende identifizieren zehn Moleküle im Speichel, die akuten Schlafmangel anzeigen. Ein Schnelltest für mehr Sicherheit im Verkehr und Beruf ist in Entwicklung.

Schlafmangel im Speichel: Neue Biomarker entdeckt
Schlafmangel - Eine Person liegt wach und nachdenklich im Bett, umgeben von kühlem Umgebungslicht, das durch ein Fenster fällt. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die am 12. Juni veröffentlichte Studie im Journal of Proteome Research identifizierte zehn spezifische Moleküle. Bei akuter Übermüdung verändern sich rund zehn Prozent aller Biomoleküle im Speichel.

Das Team um Thomas Krämer und Michael Scholz untersuchte 20 gesunde junge Männer in verschiedenen Szenarien – darunter eine komplette Nacht ohne Schlaf und Phasen mit reduzierter Schlafdauer. Ziel ist ein Schnelltest, der die Sicherheit im Straßenverkehr und in sicherheitskritischen Berufen erhöht. Die internationale Feldstudie zur Validierung läuft bereits.

Wann eine Untersuchung im Schlaflabor nötig ist

Schlafmediziner wie Dr. Michael Saletu erklären die Kriterien für eine klinische Abklärung. Bei Symptomen wie Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Atemaussetzern oder unklarem häufigen Erwachen ist eine Untersuchung im Schlaflabor indiziert. Für den Verdacht auf Schlafapnoe reicht oft eine häusliche Polygrafie. Schlafwandeln oder nächtliche Anfälle erfordern dagegen eine stationäre Polysomnographie.

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Die Wartezeiten für einen Platz im Schlaflabor liegen derzeit zwischen mehreren Monaten und einem Jahr.

Die perfekte Abendroutine: Licht, Temperatur und Atmung

Fachleute empfehlen eine strukturierte Abendroutine. Etwa 90 Minuten vor dem Zubettgehen sollte man auf warmes, indirektes Licht unter 2700 Kelvin umstellen. Bildschirme gehören mindestens 30 Minuten vor dem Schlafen ausgeschaltet.

Eine warme Dusche oder ein Bad 60 bis 90 Minuten vor der Nachtruhe senkt die Körperkerntemperatur um 0,5 bis 1 Grad – das fördert das Einschlafen. Die optimale Schlafzimmertemperatur liegt bei 16 bis 18 Grad.

Zum Abschalten empfehlen Experten ruhige Tätigkeiten wie Lesen oder Tagebuchführen. Der Neurologe Volker Busch weist darauf hin, dass handwerkliche Tätigkeiten helfen können – Konfliktgespräche unmittelbar vor dem Einschlafen beeinträchtigen die Schlafqualität dagegen massiv.

Zur akuten Entspannung im Bett hilft die 4-7-8-Atemtechnik: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen. Die Wirkung solcher Routinen tritt meist erst nach drei bis vier Wochen konsequenter Anwendung ein.

Was gegen nächtliches Grübeln hilft

Bei nächtlichem Wachliegen und kreisenden Gedanken raten Psychologen zur Strategie der Akzeptanz. Wer sich über die Schlaflosigkeit ärgert, erhöht den Stresspegel weiter. Besser: das Bett verlassen und in einem anderen Raum lesen oder entspannende Sendungen schauen. Grundsätzlich gilt: Das Bett gehört nur zum Schlafen und für Intimität.

Bei chronischen Schlafstörungen über vier Wochen empfehlen Mediziner die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Kritische Stimmen wie die Soziologin Laura Wiesböck mahnen jedoch, Achtsamkeit und Self-Care nicht rein als Mittel zur Produktivitätssteigerung zu sehen. In ihrem aktuellen Werk warnt sie davor, dass ein individualisiertes Verständnis von Selbstfürsorge gesellschaftliche Solidarität schwächen kann.

Fitness, Hormone und die Verbindung zur Psyche

Eine britische Untersuchung der U.K. Biobank mit über 500.000 Teilnehmenden zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen Griffkraft und dem Risiko für Depressionen sowie Angststörungen. Geringe kardiorespiratorische Fitness in Kombination mit niedriger Griffkraft korreliert mit einer höheren Anfälligkeit für psychische Erkrankungen. Die Studie wurde am 13. Juni veröffentlicht.

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Die Charité in Berlin startete eine mit 2,3 Millionen Euro geförderte Studie zum Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) als Zusatztherapie bei therapieresistenten Depressionen. Ziel ist es, hormonelle Faktoren in die personalisierte Depressionsbehandlung zu integrieren.

Auch die Schlafdauer spielt eine Rolle: Eine chinesische Studie an über 12.000 Senioren, veröffentlicht in Frontiers in Psychiatry, belegt, dass jede zusätzliche Stunde Schlaf bis zu einer Gesamtdauer von sieben Stunden das Risiko für depressive Symptome um 31 Prozent senkt. Bei acht bis neun Stunden Schlaf beträgt die Risikoreduktion 66 Prozent – der Effekt flacht bei längeren Schlafzeiten ab.

de | wissenschaft | 69537626 |