Schlafmangel in Deutschland: 69 Prozent bleiben unter sieben Stunden
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 00:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Deutschland schläft regelmäßig weniger als medizinisch empfohlen. Laut einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes, über die Anfang Oktober 2026 berichtet wurde, schlafen 69 % der Befragten weniger als die angeratenen 7 bis 9 Stunden pro Nacht.
Lediglich 30 % erreichen diese Schlafdauer. Besonders ausgeprägt ist das Schlafdefizit in der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen, bei denen 77 % unter der empfohlenen Zeitspanne bleiben.
Zudem gaben 58 % der Befragten an, in den vorangegangenen drei Monaten unter wiederholten oder anhaltenden Schlafproblemen gelitten zu haben. Frauen waren mit 64 % häufiger betroffen als Männer mit 52 %.
Die Techniker Krankenkasse verzeichnete laut einem zeitgleich veröffentlichten Bericht ebenfalls ein weitverbreitetes Defizit: Über 40 % der Erwachsenen in Deutschland schlafen demnach weniger als 7 Stunden pro Nacht.
Nach Angaben des Journalisten Jenke von Wilmsdorff leiden in Deutschland rund 8 Millionen Menschen an schweren Schlafstörungen, während knapp 40 % der Bevölkerung weniger als 7 Stunden pro Nacht ruhen.
Ursachen für nächtliche Schlafprobleme
Die Gründe für die Schlaflosigkeit sind vielschichtig. In der AOK-Erhebung führten 63 % der Befragten Stress und psychische Belastungen als wesentlichen Auslöser an. Körperliche Beschwerden nannten 38 %, während 36 % ungünstige Raumtemperaturen verantwortlich machten.
Die Nutzung digitaler Medien vor dem Zubettgehen wurde von 27 % als Störfaktor identifiziert – bei den 18- bis 29-Jährigen lag dieser Wert sogar bei 45 %.
Fachleute raten daher regelmäßig zu einer verbesserten Schlafhygiene. Neben festen Schlafzeiten wird eine reduzierte Bildschirmnutzung am Abend empfohlen. Von Wilmsdorff, der gemeinsam mit seinem Sohn Jánik über einen Zeitraum von 6 bis 7 Monaten verschiedene Maßnahmen testete, empfiehlt unter anderem diese Anpassungen.
Die Erfahrungen werden in der Dokumentation „JENKE. Experiment. Schlaflos“ thematisiert, die für den 8. Oktober 2026 auf ProSieben und anschließend bei Joyn angekündigt ist.
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Auch körperliche Aktivitäten beeinflussen die Nachtruhe. Intensive Abendbelastungen können die Körpertemperatur sowie die Wachheit steigern, wobei die Abkühlungsphase nach starkem Training 2 bis 3 Stunden beanspruchen kann.
Bei einem Trainingsende um 21:30 Uhr tritt Schlafbereitschaft oft erst gegen 23:30 Uhr ein. Fachleute empfehlen daher, anstrengende Einheiten mindestens 2 bis 3 Stunden vor dem Schlafen abzuschließen, während moderate Bewegung wie Spaziergänge schlaffördernd wirken kann.
Weitreichende Folgen für Gehirn und Körper
Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die gesundheitlichen Konsequenzen von Schlafmangel. Eine Auswertung von Daten der UK Biobank bei 95.559 Personen, deren Schlaf mittels Bewegungssensoren erfasst und deren Erkrankungen über fast 9 Jahre beobachtet wurden, lieferte deutliche Hinweise: Rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht waren statistisch mit einem geringeren Risiko für 83 Leiden verknüpft, darunter ein um 46 % niedrigeres Demenz-, ein um 31 % geringeres Alzheimer- sowie ein um 26 % verringertes Herzschwäche-Risiko.
Bei 69 von 86 untersuchten Erkrankungen zeigte sich bei einer Schlafdauer von 6 bis 8 Stunden das geringste Risiko. Bei unter 5 Stunden Schlaf traten 37 von 41 ungünstigen Befunden auf. Die Autoren wiesen darauf hin, dass es sich um Beobachtungszusammenhänge und keine Kausalitätsbelege handele; nach Ausschluss der ersten 2 Jahre blieben rund 60 % der Befunde bestehen.
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Auch Stoffwechsel und Körpergewicht hängen eng mit dem Schlaf zusammen. Eine 2021 im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Untersuchung an 83 übergewichtigen Erwachsenen zeigte, dass jede Stunde späteres Zubettgehen und Aufstehen im Durchschnitt mit 1,64 Prozentpunkten höherem Körperfettanteil verbunden war.
In einer sechsjährigen Beobachtung nahmen Erwachsene mit unter 6 Stunden Schlaf rund 1,5 Kilogramm mehr zu, während in Laborstudien die tägliche Energieaufnahme nach zwei Wochen mit 5 Stunden Schlaf um über 500 Kilokalorien anstieg.
Organische Ursachen und Behandlung
Neben Verhaltensfaktoren belasten spezifische Erkrankungen die Erholung. Einer Modellrechnung in The Lancet Respiratory Medicine zufolge könnten weltweit 936 Millionen Erwachsene im Alter von 30 bis 69 Jahren an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, bei rund 425 Millionen in mindestens mittelschwerer Form.
Zur Therapie genehmigte die US-Arzneimittelbehörde FDA Ende 2024 das Medikament Tirzepatid für Erwachsene mit Adipositas und mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe, gestützt auf zwei randomisierte Studien mit 469 Teilnehmenden.
Das Medizintechnikunternehmen ResMed, das im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 5,1 Milliarden US-Dollar erzielte, betreut über seine Plattform AirView mehr als 36 Millionen Patienten.
Zudem berichten laut einer Übersichtsarbeit in American Family Physician 50 bis 60 % der Erwachsenen von nächtlichen Beinkrämpfen. Eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie nennt bei über 65-Jährigen eine Betroffenenquote von bis zu 50 % pro Jahr.
Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 ergab bei älteren Personen jedoch keinen klinisch bedeutsamen Vorteil von Magnesium gegenüber Placebo, während Dehnübungen vor dem Schlafen als am besten belegte Maßnahme gelten.
