Schlaflosigkeit, Nahinfrarot-Stirnband

Schlaflosigkeit: Nahinfrarot-Stirnband senkt ISI-Wert in Pilotstudie um 26 Prozent

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Pilotstudie meldet bessere subjektive Schlafwerte durch Nahinfrarotlicht; neue Wearables erfassen Schlaf- und EEG-Daten.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer bei Nacht mit gedimmtem Mondlicht und neutraler Bettwäsche. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Beeinflussung neuronaler Prozesse gewinnt in der Schlafforschung zunehmend an Bedeutung. Eine Untersuchung des Gwangju Institute of Science and Technology (GIST), veröffentlicht im Fachjournal Molecular Psychiatry (DOI: 10.1038/s41380-026-03875-y) und dokumentiert bei BRIC, analysiert die Wirkung von transkranieller Photobiomodulation (tPBM) auf die Regulierung des menschlichen Schlafs. Die Methode setzt auf optische Reize, um Regenerationsprozesse im Gehirn anzustoßen.

Nahinfrarot-Licht gegen Schlaflosigkeit

Im Rahmen einer randomisierten Doppelblind-Pilotstudie untersuchten Forscher des GIST 40 Erwachsene mit Insomnie. Die Probanden nutzten über eine Woche hinweg täglich vor dem Schlafen für maximal 1 Stunde ein Stirnband mit einer 850-nm-Nahinfrarot-LED.

In der Stimulationsgruppe sank der Insomnia Severity Index (ISI-Score) um -26 %, während sich der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI-Score) um -29,6 % verbesserte. Zudem reduzierte sich die Zeit bis zum Einschlafen um ca. -30 %. Bei objektiven Schlafmessungen über ein Handgelenkgerät zeigten sich hingegen keine signifikanten Unterschiede.

Auch die Adenosin-Konzentration im menschlichen Gehirn wurde in diesem Versuchsaufbau nicht direkt gemessen. Im zuvor durchgeführten Mausmodell hatte das Nahinfrarotlicht die Adenosin-Konzentration im Gehirn sowie die Delta-Wellen gesteigert, wobei dieser Effekt bis zu 3 Stunden nach der Stimulation anhielt und den NREM-Schlaf verlängerte.

Gezielte Vagusnerv-Stimulation für die Nachtruhe

Neben optischen Verfahren rückt auch die elektrische Stimulation von Nervenbahnen in den Fokus therapeutischer Ansätze. ZenoWell, ein an der Heidelberg University Medical School inkubiertes Unternehmen, präsentiert seine taVNS-Schlaftechnologie Luna Plus auf der Fachkonferenz Sleep Europe 2026 in Maastricht (20. bis 23. Oktober 2026, Stand A75).

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Das System setzt sich aus drei Komponenten zusammen: einem Ohr-taVNS-Gerät für transkutane Vagusnervstimulation, dem Wearable Zenoband Mobi und einem KI-Coach in der ZenoWell-App. Die Anwendung erfolgt 20 Minuten vor dem Schlafengehen am linken Ohr.

Im sogenannten Sleep Mode alternieren Stimulationsfrequenzen von 4 Hz und 20 Hz bei einer nominalen Pulsweite von 200 Mikrosekunden (Zhang et al., 2024). Das Schlaftracking ist zudem mit Systemen wie der Apple Watch, dem Oura Ring und WHOOP kompatibel.

EEG-Wearables zwischen Schlafanalyse und Gehirnalter

Parallel zur Stimulation entwickelt sich die sensorische Erfassung neurophysiologischer Daten im Alltag weiter. Neurable aus Boston hat mit dem Neurable One einen Premium-Kopfhörer konzipiert, der über 12 EEG-Sensoren in den Ohrenpolstern verfügt. Diese messen Fokus, Stress und Schläfrigkeit passiv ab dem Aufsetzen. Das 499 US-Dollar teure Modell ist vorerst nur in den USA erhältlich; eine Internationalisierung ist nicht geplant.

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Die zugehörige Anwendung erfasst acht Metriken, darunter Schläfrigkeit, Fokus, Stress, Gehirnalter und die Alpha-Peak-Frequenz (APF). Ausgestattet ist das Gerät mit 40-mm-Beryllium-Treibern, 24-Bit-Audio, sechs Mikrofonen, aktiver Geräuschunterdrückung (ANC), Bluetooth 5.2, AAC, aptX und einer Akkulaufzeit von bis zu 22 Stunden, die sich bei aktiver EEG-Messung auf 12 Stunden beläuft.

Erste Analysen weisen allerdings auf Schwierigkeiten bei der Erzielung eines stabilen Signals hin. Der Forscher Arnaud Delorme von der UC San Diego warnte in diesem Zusammenhang vor überzogenen Versprechungen.

Einen anderen Schwerpunkt setzt Interaxon Inc. mit der Funktion Muse Brain Age für EEG-Wearables mit Rollout im Oktober 2026. Das Verfahren kombiniert vier trockene EEG-Sensoren an der Stirn und hinter den Ohren mit vier kognitiven Tests zu Verarbeitungsgeschwindigkeit, räumlichem Gedächtnis, Impulskontrolle und selektiver Aufmerksamkeit.

Die Ausgabe erfolgt als Altersdifferenz in Jahren, nicht als absolute Zahl. Das zugrundeliegende Modell umfasst 300 Millionen Parameter (nach 3.300 Parametern im Vorgängermodell) und wurde auf Basis von über 1 Milliarde Minuten EEG-Daten seit 2014 trainiert, wie in einer Veröffentlichung in Imaging Neuroscience dargelegt wird.

Die Abweichung liegt im Schnitt bei 3,8 Jahren vom chronologischen Alter bei einer wöchentlichen Schwankung von ca. 1,9 Jahren. Das System ist ausdrücklich kein medizinisches oder diagnostisches Instrument.

Die Basismessung erfordert mindestens 7 Tage mit jeweils 10 Minuten bei geschlossenen Augen; danach folgen drei Sitzungen pro Woche, wobei die Auswertung montags bereitgestellt wird. Unterstützt werden die Modelle Muse 2, Muse S und Muse S Athena bei einem Gerätepreis von 269,99 Euro. Nach der ersten kostenlosen Messung ist ein Muse-Premium-Abonnement erforderlich.

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