Schlafforschung, Frauen

Schlafforschung: Frauen brauchen 6,4–7,8 Stunden, Männer 6,4–7,7

23.06.2026 - 21:50:11 | boerse-global.de

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung warnt vor Orthosomnie durch ständige Selbstvermessung mit Wearables.

Smartwatch-Daten: Experten warnen vor übertriebenen Erwartungen
Schlafforschung - Eine Smartwatch am Handgelenk zeigt abstrakte Schlafdaten auf dem Display, mit einer unscharfen Person im Bett im Hintergrund. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Smartwatches und Fitness-Tracker messen immer mehr Gesundheitsdaten – doch Experten warnen vor übertriebenen Erwartungen. Die Diskrepanz zwischen technischem Versprechen und klinischem Nutzen wird immer deutlicher.

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Schlafüberwachung: Wenn die Uhr zum Problem wird

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) schlägt Alarm. Millionen Deutsche leiden unter Schlafstörungen – doch die ständige Selbstvermessung kann das Problem verschärfen.

Hans-Günter Weeß vom Pfalzklinikum Klingenmünster erklärt: Viele Systeme messen nur Bewegung und Puls. Belastbare Rückschlüsse auf die tatsächliche Schlafqualität sind damit nicht möglich.

Im Zentrum steht das Phänomen der Orthosomnie. Die zwanghafte Jagd nach perfekten Schlafdaten stört den natürlichen Schlafprozess. Dieter Riemann von der DGSM rät deshalb: Bei Großereignissen wie der Fußball-WM bewusst auf die Smartwatch verzichten – der Leistungsdruck tut niemandem gut.

Die Wissenschaft kennt die optimale Schlafdauer

Eine Nature-Studie der Columbia University liefert präzise Zahlen. 500.000 Teilnehmer der UK Biobank wurden ausgewertet. Das Ergebnis: Frauen brauchen 6,4 bis 7,8 Stunden Schlaf, Männer 6,4 bis 7,7 Stunden.

Studienleiter Junhao Wen warnt: Wer diese Werte dauerhaft unter- oder überschreitet, beschleunigt die Alterung von Gehirn, Herz und Lunge. 23 verschiedene Computermodelle, sogenannte Alterungsuhren, untermauern die Erkenntnis. Auch das Risiko für Diabetes, Herzkrankheiten und Depressionen steigt.

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Biomarker: Speichel verrät Schlafmangel

Die Universität Zürich geht einen Schritt weiter. Forscher identifizierten zehn Biomarker im Speichel, die akuten Schlafentzug nachweisen. 20 Probanden zeigten: Schlafmangel hinterlässt chemische Spuren.

Das Potenzial ist enorm: Schnelltests für die Arbeitswelt oder den Straßenverkehr könnten folgen. Gleichzeitig entwickeln Wearables Lernfähigkeiten. Die University of Washington forscht an co-adaptiven Systemen, die sich dynamisch an den Nutzer anpassen – relevant für Rehabilitation, Prothesen oder Exoskelette.

Hardware-Rüstlauf: Immer mehr Sensoren

Die Hersteller geben trotz Expertenwarnungen Vollgas. Samsung Galaxy Watch 8 Classic und Huawei Watch Fit 5 Series integrieren Life Period Tracker und Sensoren zur Schlafapnoe-Früherkennung. Zertifizierte Systeme zur Blutzuckermessung erreichen inzwischen klinische Genauigkeit.

Die TU München erwartet: In fünf Jahren könnten nicht-invasive Systeme zur Glukosemessung aus der Atemluft marktreif sein.

Akzeptanz: Ja zu KI, Nein zur Kontrollabgabe

Die Technikradar-Studie der Akademie der Technikwissenschaften zeigt ein gespaltenes Bild. Zwei Drittel der Deutschen befürworten KI in Medizin und Pflege. Doch nur 15 Prozent akzeptieren automatisierte Entscheidungen ohne menschliche Kontrolle.

Der Datenschutz bleibt ein Reizthema. In Nordrhein-Westfalen gibt es Diskussionen über Smart-Glasses-Verbote in Saunen und Freibädern. Heimliche Aufnahmen sollen verhindert werden.

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