Schlaf, Gewicht

Schlaf und Gewicht: 80 Minuten weniger Schlaf = 0,5 kg Zunahme

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 05:05 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Zu wenig Schlaf begünstigt Herzinfarkte und Übergewicht. Neue Medikamente gegen Schlafapnoe zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Schlafmangel: Neue Studien zu Herzrisiko, Gewicht und Therapie
Eine friedliche Schlafzimmerszene bei gedämpftem Licht, mit einer schlafenden Person unter einer weißen Decke. Fokus auf Ruhe und Erholung., Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Wer regelmäßig zu wenig schläft, riskiert Herzinfarkt, Übergewicht und hormonelle Störungen.

Risiken für das Herz-Kreislauf-System

Die Deutsche Herzstiftung warnt: Schlafmangel erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall. Verantwortlich sind entzündliche Prozesse und freie Radikale, die Arteriosklerose begünstigen. Als gesundheitsfördernd gilt eine Schlafdauer von rund sieben Stunden pro Nacht.

Besonders tückisch: die Schlafapnoe. Bis zu 300 Atemaussetzer pro Nacht belasten das Herz-Kreislauf-System massiv, erklärt Prof. Sinha.

Zur Verbesserung der Schlafqualität empfehlen Experten regelmäßige Schlafenszeiten mit maximal 30 Minuten Abweichung sowie feste Abendrituale. Sport sollte idealerweise vor 18 Uhr abgeschlossen sein.

Schlafmangel macht dick

Eine Studie der Columbia-Universität belegt den direkten Einfluss von Schlafmangel auf das Körpergewicht. Die am 8. Juli im Fachjournal Annals of Internal Medicine veröffentlichte Untersuchung mit 95 Teilnehmern zeigt: Reduziert man die Schlafdauer um 80 bis 90 Minuten über sechs Wochen, nimmt man im Schnitt knapp 0,5 Kilogramm zu.

Die Autoren Marie-Pierre St-Onge und Faris Zuraikat beobachteten zudem eine Zunahme der täglichen Inaktivität um 17 Minuten. Besonders betroffen: Frauen nach den Wechseljahren, die fast 30 Minuten mehr Ruhezeit pro Tag aufwiesen.

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Neben der Gewichtszunahme stellten die Forscher eine verschlechterte Insulinempfindlichkeit und erhöhte Entzündungsaktivität im Herzen fest. Moderater Schlafmangel von fünf bis sechs Stunden pro Nacht gilt damit als Risikofaktor für Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

Tiefschlaf steuert Muskelaufbau

Die Tiefschlafphase ist entscheidend für die körperliche Regeneration. Forscher der Universität Berkeley konnten am 8. Juli zeigen: Bestimmte Nervenzellen im Hypothalamus steuern während des Tiefschlafs die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin.

Dieses Hormon ist essenziell für Muskelaufbau, Knochenstärkung, Fettabbau und Blutzuckersteuerung. Ein Defizit an Tiefschlaf bremst die Hormonausschüttung – mit Folgen für die körperliche Regeneration.

Die detaillierten Prozesse wurden an Mäusen untersucht. Der grundsätzliche Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Hormonhaushalt gilt jedoch auch für den Menschen als medizinisch belegt.

Social Jetlag: Wenn die Arbeitszeit krank macht

Neben individuellen Gesundheitsfolgen rückt die chronobiologische Gestaltung der Arbeitswelt in den Fokus. Experten wie Chronobiologe Till Roenneberg und Camilla Kring kritisieren den sogenannten „Social Jetlag“. Er entsteht durch die Diskrepanz zwischen dem natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus und gesellschaftlichen Anforderungen wie frühen Arbeitszeiten.

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Pilotprojekte zeigen die Potenziale einer Anpassung. In der Klinik Wartenberg senkte eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung die Müdigkeit der Belegschaft um 72 Prozent, die Krankheitstage gingen um 48 Prozent zurück.

Experten schlagen vor, Kernarbeitszeiten idealerweise zwischen 10 und 15 Uhr zu legen. Das würde Spätaufsteher entlasten und die allgemeine Gesundheit fördern.

Neue Hoffnung bei Schlafapnoe

Bei der Behandlung von Schlafapnoe zeichnen sich neue Optionen ab. Die Phase-3-Studie „SynAIRgy“ mit 646 Teilnehmern aus den USA und Kanada zeigt die Wirksamkeit des Medikamentenkandidaten AD109. Die Kombination aus Aroxybutynin und Atomoxetin senkte den Apnoe-Hypopnoe-Index nach 26 Wochen um 44,1 Prozent – die Placebogruppe erreichte nur 17,6 Prozent.

Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Schlaflosigkeit führten bei 21,2 Prozent der Teilnehmer zum Abbruch. Dennoch wurde ein Zulassungsantrag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. Ein Entscheidungstermin wird für das erste Quartal 2027 angestrebt. Das Mittel könnte eine Alternative für Patienten sein, die eine CPAP-Maskentherapie ablehnen.

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