Schlaf, Demenz

Schlaf und Demenz: 48 Minuten mehr REM-Schlaf hängen mit geringerem Risiko zusammen

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 06:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Längere REM- und Tiefschlafphasen korrelieren mit geringerem Krankheitsrisiko; die ausgewerteten Daten belegen jedoch keine Ursache-Wirkung.

Schlafphasen und Demenzrisiko: Was große Studien zeigen
Ein ruhiges, in sanftes Morgenlicht getauchtes Schlafzimmer mit einem ordentlich gemachten Bett in minimalistischer Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Qualität und Struktur des Schlafs spielen für die langfristige Gehirngesundheit eine zentrale Rolle. Eine umfangreiche Auswertung von Daten der britischen UK Biobank verdeutlicht den Zusammenhang zwischen bestimmten Schlafphasen und dem Auftreten schwerer chronischer Krankheiten.

Die Untersuchung stützt sich auf Bewegungssensordaten von 95.559 Personen, deren Schlaf über sieben Nächte aufgezeichnet wurde, gefolgt von einem Beobachtungszeitraum von fast neun Jahren.

Signifikante Zusammenhänge bei REM- und Tiefschlaf

Die Auswertung ergab, dass rund 48 Minuten mehr REM-Schlaf pro Nacht mit einem messbar geringeren Risiko für 83 Leiden einhergingen. Besonders ausgeprägt zeigte sich dieser Zusammenhang bei neurodegenerativen und kardiovaskulären Diagnosen: Das Risiko für Demenz war um 46 Prozent reduziert, für Alzheimer um 31 Prozent und für Herzschwäche um 26 Prozent. Mehr Tiefschlaf war zudem mit einem geringeren Risiko für sieben Erkrankungen verbunden.

Hinsichtlich der gesamten Schlafdauer wiesen 69 von 86 untersuchten Erkrankungen das niedrigste Risiko bei einer Dauer von sechs bis acht Stunden pro Nacht auf. Bei einer Schlafdauer von unter fünf Stunden traten 37 von 41 ungünstigen Befunden auf. Eine stark schwankende Schlafdauer ging zudem mit einem um 26 Prozent höheren Risiko für schwere Depressionen und einem um 23 Prozent höheren Risiko für Angststörungen einher.

Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich um reine Beobachtungszusammenhänge und nicht um Kausalitätsnachweise handelt. Nach dem Ausschluss der ersten zwei Beobachtungsjahre blieben rund 60 Prozent der Befunde bestehen. Als methodische Einschränkungen gelten die Schätzung der Schlafphasen über Bewegungsalgorithmen sowie die Zusammensetzung der Kohorte, die zu 97 Prozent aus weißen Teilnehmenden bestand.

Dauer, Bewegung und kognitiver Erhalt

Ergänzende wissenschaftliche Analysen stützen die Relevanz moderater Schlafmengen. Eine in der Fachzeitschrift PLOS One erschienene Auswertung von 69 Studien mit fast 4,5 Millionen Menschen identifizierte eine Schlafdauer von sieben bis acht Stunden als optimal im Hinblick auf das Demenzrisiko.

Weniger als sieben Stunden Schlaf waren mit einem um 18 Prozent höheren, mehr als acht Stunden mit einem um 28 Prozent höheren Demenzrisiko assoziiert. In derselben Datenerhebung waren zudem mehr als acht Stunden tägliches Sitzen und weniger als 150 Minuten körperliche Bewegung pro Woche mit einem erhöhten Demenzrisiko verknüpft.

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Eine Longitudinalstudie in GeroScience an 233 Erwachsenen ab 55 Jahren zeigte über zwei Jahre hinweg, dass eine höhere, objektiv erfasste Schlafeffizienz mit einer besseren exekutiven Funktion einhergeht. Die reine Schlafdauer sowie subjektive Bewertungen lieferten in dieser Kohorte hingegen keine signifikanten Korrelationen mit den untersuchten kognitiven Bereichen.

Erkenntnisse zu zellulären Abläufen und Alltagsdaten

Experimentelle Forschungen liefern Hinweise auf mögliche biologische Mechanismen. Ein Forschungsteam der University of Kentucky stellte im Tiermodell fest, dass das Auftreten von Amyloid-Plaques mit 1,5 bis 2 Stunden weniger Schlaf einherging. Das medikamentöse Dämpfen oder Entfernen von Mikroglia stellte bei den untersuchten Mäusen rund zwei Stunden Schlaf wieder her, ohne die Plaquemenge selbst zu senken.

Eine Studie der UC Berkeley vom 11. September 2026 beschrieb zudem langsamere, weniger koordinierte Hirnwellen im Non-REM-Schlaf bei älteren Menschen, die mit Tau-Ablagerungen und schwächerer Gedächtniskonsolidierung verknüpft waren. Am Biozentrum der Universität Basel identifizierten Forscher zudem Neuronen im Hirnstamm, deren Hemmung die Schlafdauer bei Mäusen um rund 70 Prozent verringerte.

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Im Alltag bleibt ausreichender Schlaf für viele Menschen schwer erreichbar. Nach einer forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes schlafen nur 30 Prozent der Befragten die empfohlenen sieben bis neun Stunden.

Zu den genannten Hauptgründen für Schlafprobleme zählen Stress und psychische Belastungen (63 Prozent) sowie körperliche Beschwerden (38 Prozent). Internationale Präventionsinitiativen wie die International Brain Health Coalition setzen vor diesem Hintergrund auf ganzheitliche Programme, die gezielt Schlaf, Bewegung und Blutdruckkontrolle adressieren.

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