Schlaf-Tracking: Studie der Universität Bergen zeigt mehr Stress bei Insomnie
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die kontinuierliche Aufzeichnung von Vital- und Schlafparametern über Smartwatches oder Fitnessringe erfreut sich wachsender Beliebtheit. Eine Untersuchung der Universität Bergen verdeutlicht nun jedoch die Schattenseiten dieses Trends: Bei Menschen, die unter Schlaflosigkeit leiden, kann die Nutzung von Schlaf-Tracking-Anwendungen bestehende Sorgen und Belastungen messbar vergrößern, anstatt zu einer Besserung beizutragen.
Belastung statt Entlastung: Das Phänomen der Orthosomnie
Im Rahmen der wissenschaftlichen Erhebung der Universität Bergen wurden über 1.000 Personen mit einem Durchschnittsalter von rund 50 Jahren befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Schlaf-Tracking insbesondere bei Personen mit diagnostizierter Insomnie zu einer Verstärkung von Stress führt.
Zwar gaben jüngere und mittelalte Erwachsene in den Altersgruppen von 18 bis 35 Jahren sowie von 36 bis 50 Jahren besonders häufig an, von einer bewussteren Schlafroutine zu profitieren, zugleich berichteten diese Gruppen jedoch auch am stärksten über erhöhte Anspannung infolge der erfassten Messwerte.
Fachkreise beschreiben die ungesunde Fixierung auf makellose Schlafdaten als Orthosomnie. Die Untersuchung benennt mehrere Warnzeichen für ein problematisches Nutzungsverhalten: Dazu zählt das Phänomen, dass sich Anwender am Morgen eigentlich ausgeruht fühlen, ihre Stimmung jedoch nach dem Blick auf eine ungünstige App-Bewertung schlagartig sinkt. Hinzu kommen eine ständige gedankliche Beschäftigung mit den Parametern, die Furcht vor einer unruhigen Nacht sowie das Ergreifen immer extremerer Methoden, um die Kennziffern künstlich zu optimieren.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele marktübliche Sensoren und Programme nicht zuverlässig zwischen leichtem Schlaf und Wachphasen unterscheiden können.
Psychologische Effekte und der Trend zur Schlafeffizienz
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Die psychologischen Auswirkungen digitaler Rückmeldungen belegt auch eine Studie der Macquarie University. Die Forscher manipulierten das digitale Feedback der Messgeräte unabhängig von der tatsächlichen Schlafqualität. Es zeigte sich, dass allein die visuelle Mitteilung eines guten oder schlechten Schlafs die subjektive Wahrnehmung der Erholung maßgeblich beeinflusst. Dr. Amelia Scott von der Macquarie University verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich Schlaf gegen bewusste Anstrengung wehre.
Gleichzeitig wird vor dem Trend des sogenannten Sleepmaxxing gewarnt, vor dem bereits 2025 Forscher der Harvard University warnten. Das Streben nach maximaler Optimierung könne mehr schaden als nützen. Ein Wert von etwa sieben Stunden Schlaf gelte zwar als Richtwert, variiere jedoch individuell; starre Vorgaben von exakt acht Stunden seien ein Mythos.
Zudem verweisen Untersuchungen darauf, dass vermeintliche Schlafhilfen wie Magnesium oder Sauerkirschsaft in klinischen Tests keine Wirkung zeigten, die über Placebo-Effekte hinausging. Für gesunden Schlaf seien stattdessen regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten sowie Schlafeffizienz entscheidend.
Risiken des Dauer-Monitorings und Gegenmaßnahmen
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Das permanente Erfassen biologischer Daten birgt generelle Risiken für das Wohlbefinden. Bei einer starren Fixierung auf Messwerte von Geräten wie der Apple Watch, dem Oura Ring, Whoop oder Fitbit kann chronischer Stress entstehen. Die Sorge vor verpassten Zielen oder suboptimalen Werten schüttet Stresshormone aus, was wiederum die Herzfrequenz steigert und die Nachtruhe tatsächlich beeinträchtigt.
Vor diesem Hintergrund raten die Autoren der Untersuchung der Universität Bergen zu mehr Distanz gegenüber den Geräten: Der Schlafwert sollte maximal einmal pro Woche kontrolliert werden. Zudem sei es ratsam, das eigene Körpergefühl über abstrakte Zahlen zu stellen und den Nachtmodus der Geräte zu aktivieren.
Bei gravierenden Schlafproblemen solle professioneller ärztlicher oder psychotherapeutischer Rat eingeholt werden. Wie Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) betonen, gilt die Kognitive Verhaltenstherapie weiterhin als primäre Methode bei der Behandlung von Insomnie.
