Schlaf-Stoppuhr entdeckt: Enzym PKA sagt Aufwachen präziser voraus
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Gehirn arbeitet auch im Ruhezustand auf Hochtouren. Das sogenannte Default Mode Network (DMN) organisiert Gedächtnis und Kreativität – und Forscher verstehen immer besser, wie Schlaf und Erholung molekular gesteuert werden.
Das Ruhezustandsnetzwerk: Mehr als nur Leerlauf
Lange galt Nichtstun als Passivmodus des Gehirns. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das DMN, ein Netzwerk aus sechs Hirnregionen wie frontalem Kortex, Scheitellappen und Hippocampus, übernimmt im Ruhezustand wichtige interne Aufgaben. Fabian Renz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und Casey Paquola vom Forschungszentrum Jülich betonen: Diese Aktivität ist kein energetischer Leerlauf.
Das Netzwerk konsolidiert Gedächtnisinhalte und verarbeitet Erlebnisse. Es gilt zudem als Treiber für Kreativität, da es assoziative Verknüpfungen ermöglicht, die bei fokussierter Arbeit oft unterdrückt werden. Veränderungen im DMN bringen Fachleute mit psychiatrischen Erkrankungen in Verbindung.
Molekulare Stoppuhr für den Schlaf entdeckt
Neue Einblicke liefert auch die Molekularforschung: Eine Studie an Mäusen identifizierte die Proteinkinase A (PKA) als eine Art Stoppuhr für den Schlaf. Das Enzym verfolgt Dauer und Fragmentierung der Ruhephase – sein Signal sinkt mit dem Einschlafen und steigt bei Mikroaufwachen. Dieser Marker sagt ein bevorstehendes Aufwachen präziser voraus als die reine Schlafdauer. Künftig könnten daraus Messverfahren für Schlafdefizite beim Menschen entstehen.
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Auch die Chronobiologie macht Fortschritte: Eine Studie der LMU München vom 6. August zeigt, dass die inneren Taktgeber organspezifisch arbeiten. Die Proteine CLOCK und BMAL1 interagieren in Leber, Niere und Lunge mit unterschiedlichen Faktoren wie PROX1 oder HOXA5. Das erklärt, warum Ruhe- und Aktivitätsphasen je nach Organ verschieden reguliert werden.
Schlaf als Demenz-Schutz
Die Relevanz guter Erholung zeigt sich auch in der Demenzprävention. Die Lancet-Kommission schätzt, dass etwa jede zweite Demenzerkrankung vermeidbar wäre. In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Betroffene, jährlich kommen etwa 450.000 Neudiagnosen hinzu. Radiologe Dietrich Grönemeyer rät deshalb zu Schlafhygiene und Atemtechniken – denn Schlafapnoe und chronischer Schlafmangel beeinträchtigen die kognitive Leistung.
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Die Universitätsmedizin Magdeburg nahm am 7. August ein neues MRT-Gerät für Kinder in Betrieb. Die Investition von 1,25 Millionen Euro ermöglicht Untersuchungen bei Babys ohne Narkose – das Gerät nutzt den natürlichen Schlaf der kleinen Patienten.
Am LMU Klinikum München stellte ein Team um Dominik Paquet zudem ein 3D-Gewebemodell aus menschlichen Stammzellen vor. Nach neun Jahren Entwicklung können Forscher darin Amyloid-Ablagerungen erzeugen und Medikamente in einer Umgebung aus Nervenzellen und Astrozyten testen – ein wichtiger Schritt für die Alzheimer-Forschung.
