Schläfrigkeit, Studie

Schläfrigkeit im Alter: Studie zeigt verdoppeltes Demenzrisiko bei Frauen

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden regelmäßige Tagesabläufe mit weniger Beschwerden; chronische Insomnie geht mit erhöhten Gesundheitsrisiken einher.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer mit weichem Tageslicht, das durch ein Fenster auf ein ungemachtes Bett fällt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte machen darauf aufmerksam, dass starre Schlafroutinen bei älteren Menschen häufig als Bewältigungsmechanismus für emotionale Belastungen dienen.

Zudem unterstreichen wissenschaftliche Untersuchungen den weitreichenden Einfluss der psychischen Gesundheit auf das Wohlbefinden und die Lebenserwartung im Alter. Schlafprobleme stellen dabei nicht bloß ein isoliertes körperliches Symptom dar, sondern stehen in einer engen Wechselwirkung mit seelischen Faktoren.

Feste Rhythmen als Schutz- und Bewältigungsstrategie

Eine im Fachjournal Journal of Behavioral Medicine veröffentlichte Untersuchung unter der Leitung von Eunjin Lee Tracy von der University of Missouri ging der Frage nach, wie sich der Alltag von Senioren mit und ohne Schlafstörungen unterscheidet.

Untersucht wurden 67 Senioren aus Pittsburgh mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren, von denen 37 unter klinischer Insomnie litten und nachts mehr als 40 Minuten wach lagen, während 30 Personen normale Schlafmuster aufwiesen.

Die Datenerhebung zeigte, dass Teilnehmer mit Insomnie keineswegs unregelmäßigere Routinen pflegten als gute Schläfer. Allerdings berichteten sie über stärkere Schmerzen und deutlich mehr depressive Symptome.

Die Alltagsregelmäßigkeit wurde anhand der Skala Social Rhythm Metric-5 erfasst, die fünf Aktivitäten auf einer Skala von 0 bis 7 bewertet, wobei der Höchstwert für tägliche Aktivitäten innerhalb eines Zeitfensters von 45 Minuten vergeben wird.

In beiden Gruppen war eine höhere Regelmäßigkeit mit weniger Depressionssymptomen, geringerem körperlichen Schmerz und einem niedrigeren Body-Mass-Index verbunden. Männer gaben in der Erhebung etwas weniger Schmerzen an als Frauen.

Das Forschungsteam wies zugleich auf Einschränkungen durch die kleine Stichprobengröße, die Selbstauskünfte und den einzelnen Erhebungszeitpunkt hin. Die Arbeit wurde vom US National Institute on Aging gefördert.

Schlafenszeit und seelisches Wohlbefinden

Wie verbreitet Schlafprobleme in dieser Altersgruppe sind, zeigen internationale Vergleichsdaten. Nach Angaben der Sociedad Española de Neurología leidet über die Hälfte der spanischen Bevölkerung ab 65 Jahren an einer Schlafstörung, rund 40 Prozent der älteren Erwachsenen sind von einer Insomnie betroffen.

Welche Rolle der genaue Zeitpunkt der Nachtruhe spielt, analysierte eine in Psychiatry Research erschienene Untersuchung auf Basis von Daten von 73.888 Teilnehmern mittleren und älteren Alters aus der UK Biobank. Ein späterer Einschlafzeitpunkt war dabei unabhängig vom Chronotyp mit schlechteren psychischen Gesundheitswerten verbunden.

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Jamie Zeitzer von der Stanford Medicine erklärte dazu, dass spätes Wachsein der mentalen Verfassung schade und die Anpassung an den individuellen Chronotyp hierbei nicht den entscheidenden Schutz biete. Für die untersuchte Kohorte ermittelten die Forscher ein Einschlafen vor 1 Uhr als günstig, betonten jedoch, dass dies keinen universellen Grenzwert darstelle.

Wechselwirkung mit chronischen Beschwerden und Langzeitrisiken

Die psychische Verfassung beeinflusst das Schlafverhalten oft stärker als physische Beschwerden. Fachleute im Vorfeld des Deutschen Schmerzkongresses 2026 in Mannheim berichteten, dass drei von Rails Menschen mit chronischen Schmerzen Schlafstörungen aufweisen.

Dr. Anke Diezemann-Prößdorf vom Deutschen Schmerz-Zentrum Mainz führte aus, dass kognitive Erregung wie Grübeln und Anspannung sowie die Stimmung vor dem Einschlafen den Schlaf treffsicherer voraussagen als rein körperliche Schmerzen.

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Gleichzeitig birgt anhaltender Schlafmangel erhebliche gesundheitliche Risiken. Eine im September 2026 im Fachjournal Sleep Medicine Reviews publizierte Übersichtsarbeit von Vignatelli et al., die über 1,3 Millionen Probanden einschloss, verknüpft chronische Insomnie mit einem um 26 Prozent höheren Schlaganfallrisiko und einer um 28 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit von Krankenhausaufenthalten.

Eine fünfjährige Beobachtungsstudie unter Federführung der University of California, San Francisco, an 733 älteren Frauen mit einem Durchschnittsalter von 83 Jahren zeigte zudem ein verdoppeltes Demenzrisiko bei jenen Teilnehmerinnen, deren Schläfrigkeit über die Zeit zunahm.

Als vorrangige Behandlungsmethode bei chronischer Insomnie gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I), während Fachgesellschaften für gesunden Schlaf neben einer stabilen Dauer von mindestens sieben Stunden auf verlässliche Aufstehzeiten und das Vermeiden starker Reize vor dem Zubettgehen verweisen.

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